Zur Gewalt und ihrer Prävention bei Jugendlichen ist schon viel geschrieben worden und der Markt an Medien und Konzepten scheint unersättlich zu sein. Da tut es gut, mal eine etwas andere Literatur zu lesen, die sowohl die Haltung zur Gewalt, die gesellschaftlichen Dynamiken aufgreift als auch konkrete praktische Methoden und Verfahren vorstellt sowie die Möglichkeiten der persönlichen Fortbildung und Weiterentwicklung.Die Ausführungen im ersten Teil sind konkret und knapp und beschreiben Gewalt und Konflikte, wie sie sich insbesondere in der Pubertät und Adoleszenz bei jungen Menschen äußert.Nach diesen ca. 30 Seiten kommt es zum herausragenden Hauptteil des Buches, der auf knapp 140 Seiten die große Bandbreite der Möglichkeiten zur Begegnung von Gewalt beschreibt.Konfrontative Trainingsmodelle, Täter-Opfer-Ausgleich, Streitschlichtung, Erlebnispädagogik, Mitternachtssport werden zum Beispiel sehr ausführlich dargestellt und mit entsprechenden Anbietern und Kontaktanschriften versehen. Ebenso nehmen soziale Trainingsprogramme, wie "Faustlos", "Erwachsen werden" oder andere soziale Trainingskurse einen weiten Raum ein. Desweiteren werden auch szenische Verfahren (z.B. Animationstheater), Zivilcouragetrainings, und abwechslungsreiche mediengestützte Angebote präsentiert. Im Sinne einer immer notwendiger werdenden konkreten Evaluierung der unterschiedlichen Konzepte werden den einzelnen Angeboten fundierte Kritiken hintangestellt. So werden die Leser/-innen auch darauf eingestimmt, in durchaus kritischer Weise den Verlockungen so mancher wohlklingender Konzepte zu begegnen.Das Buch enthält zudem noch Anschriften von Ausbildungsanbietern für bestimmte , zum Teil lizensierte Verfahren und ermöglicht durch die Darstellung verschiedener Forschungsinstitute die direkte Kontaktaufnahme, um aktuelle Daten und Forschungsergebnisse zu erhalten.Bei den im Anhang abgedruckten Gesetzesauszügen hätte man sich doch noch eine stärkere Bandbreite gewünscht, die z.B. auch das Ausländerrecht und das Strafgesetzbuch einbezieht.Im 12seitigen Literatuverzeichnis kann man eine Reihe an hilfreichen Titeln sowie Internetlinks entdecken. Leider fehlt ein Stichwortverzeichnis, welches sich vielleicht aber auch durch das kleinschrittige Inhaltsverzeichnis und die sorgfältige Gliederung erübrigen wird.Alles in allem ein kompaktes Buch, das komprimiert den aktuellen sach- und Forschungsstand wiedergibt und zum einen daszu beiträgt, mit einer kompetenten und professionellen Haltung den jungen Menschen zu begegnen sowie diverse wirkungsvolle Handlungskonzepte kennenzulernen.Ein Leitfaden, der Orientierung schenkt und stark macht!