Das Leben von Ich-Erzählerin Sarah Jane ist bisher alles andere als stringent verlaufen. Aufgewachsen ist sie als Tochter eines Hühnerzüchters mit einer selten anwesenden Mutter. Früh verlässt Sarah das Elternhaus, verdingt sich in verschiedenen Jobs, hat wechselnde Freunde. Nirgends bleibt sie lange. Sie kommt zur Army, muss im Einsatzland schlimme Dinge erleben. Sie geht zur Polizei und wird Cop in Farr, einer Kleinstadt in den amerikanischen Südstaaten. Hier lernen wir sie in der Gegenwartserzählung kennen.Mit ihrem Mentor, Sheriff Cal, versteht sie sich nicht nur blendend, ihrer beider schmerzhaften Erlebnisse als Kriegsveteranen führen sie zu einer Art Seelenverwandtschaft. Als Cal plötzlich verschwindet, wird Sarah befördert und findet sich fortan als Gesetzeshüterin mit Sheriffstern wieder. Die Suche nach ihrem Vorgesetzten gestaltet sich schwierig, auch er hatte offensichtlich Geheimnisse. Als sogar das FBI in Farr zu ermitteln beginnt, wird es immer mysteriöser.Es ist nicht einfach, dieses Buch zu beschreiben, das zweifellos Krimi-Elemente enthält, aber eigentlich so viel mehr ist als ein Kriminalroman. Es ist ein Stück Literatur, das eine Frau in den Fokus stellt, die es nicht immer leicht im Leben hatte, die trotz ihrer Jugend schon große Verluste verschmerzen musste und in ihrer Zurückgezogenheit wie eine einsame Wölfin lebt. Sarah ist keine Heldin, sie erzählt sprunghaft aus ihrem Leben. Man muss aufmerksam sein, um jeden Zeitenwechsel und Zusammenhang mitzubekommen. Zudem ist Sarah eine unzuverlässige Erzählerin, nicht alle ihre Informationen sind für die Haupthandlung relevant, vieles dient nur dazu, die Protagonistin kennenzulernen und vor allem besser verstehen zu können. Der Roman verfügt über mehrere Ebenen. Zwischen den Zeilen verstecken sich reichlich Lebensklugheit und Poesie, die Sarahs Gefühlslagen empathisch in Szene setzen. Die Sprache hat mich von Beginn an in ihren Bann gezogen – einfach fabelhaft!Es gibt einen dunklen Fleck in Sarahs Biografie, über den sie wenig berichtet, den sie nur umkreist. Man spürt, wie er an ihr nagt, wie er sie rastlos macht und an sich zweifeln lässt. Obwohl ihr Leben ganz offensichtlich in Farr zur Ruhe gekommen ist, sie den Polizeialltag wunderbar im Griff hat und dort Anerkennung genießt, bleibt eine vergangene Rechnung offen.Der ungeheure Reiz des Romans liegt in seinen vielschichtig gezeichneten Figuren, in seiner lakonischen, tiefgründigen Sprache sowie der verschachtelten Handlung, die einen wachen, aufmerksamen Leser erfordert. Der Autor verfolgt mehrere Handlungsstränge, die in verschiedenen Zeiten und Orten spielen. Dafür braucht man anfangs etwas Geduld, zum Ende hin führt er alles zusammen, die wichtigsten Fragen werden beantwortet. Es bleibt jedoch noch Platz für eigene Gedanken und Spekulationen. Insofern hat die Geschichte Ähnlichkeiten mit dem richtigen Leben, in dem es auch nicht immer für alles eine Lösung gibt. Manches kann man eben nicht mehr ändern.Mir hat „Sarah Jane“ ein grandioses Lese-Erlebnis mit einer komplexen, glaubwürdigen Protagonistin beschert. Wer jedoch einen geradlinigen Kriminalfall mit schlüssiger Auflösung erwartet, wird hier möglicherweise enttäuscht sein. Ich würde den Roman als literarischen Kriminalroman bezeichnen. Er ist etwas für Feinschmecker, die das Besondere lieben. Mich hat dieses Buch restlos überzeugt. Ich freue mich mit Autor und Verlag, dass der Roman nun schon den zweiten Monat auf der Krimibestenliste des Deutschlandfunks (Platz 2 im Oktober 2021 ) zu finden ist. Damit sollte ihm eine breite Leserschaft gewiss sein. Ich spreche eine riesige Empfehlung mit Höchstwertung aus.
"Ich habe nicht die Sachen gemacht, die man mir andichtet. Zumindest nicht alle." (Buchauszug)Sarah Jane Leben beginnt mit einer komplizierten Vergangenheit. Erst reißt sie von zu Hause aus, dann kommt sie mit dem Gesetz in Konflikt und muss daraufhin zwangsweise zum Militär. Nach dem Militär arbeitet sie dann als Köchin, heiratet allerdings den falschen Mann, macht dann jedoch ihren Collegeabschluss. Eine Wende in ihrem Leben ergibt sich, als sie schließlich ein Cop in der Kleinstadt Farr wird. Als eines Tages Sheriff Cal verschwindet, übernimmt Sarah seinen Posten als Chief. Bei ihrer Suche nach ihm entdeckt sie, dass Cal ihr und seinen Freunden vieles aus seinem mysteriösen Leben verheimlicht hat. Doch dann holt Sarahs Vergangenheit sie wieder ein, als das FBI auftaucht, nachdem ein Cop ermordet wurde.Meine Meinung:Angekündigt wurde dieses Buch als Kriminalgeschichte und ich hatte mich schon darauf gefreut. Leider jedoch beginnen die ersten Seiten dieses Buches schon recht verwirrend für mich. Der Schreibstil ist zwar literarisch gut durchdacht und außerordentlich gut bildhaft beschrieben. Die Beschreibungen am Anfang von Sarah Janes Leben empfand ich allerdings sehr verworren und sprunghaft. Es liest sich wie eine Art Lebenslauf bzw. kurze Biografie dieser etwas chaotischen Frau. Sarah Erscheinungsbild erinnert mich ein wenig an Mildred Hayes aus "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri". Dass sie in ihrem Leben öfters falsche Entscheidungen trifft, liegt sicher an ihrem gestörten Selbstwertgefühl. Nichts scheint zu funktionieren und so ist es dann kein Wunder, dass sie von einem Problem ins nächste schlittert. Erst als sie den richtigen Mann kennenlernt, der als Polizist arbeitet, habe ich das Gefühl, dass es besser wird. Doch leider ist dies nicht lange von Dauer, den das Schicksal meint es nicht gut mit Sarah. Ab Kapitel 6 beginnt dann ihre eigentliche Geschichte in der Gegenwart und ich erhoffte, dass mich nun die Geschichte endlich begeistern könnte. Jedoch es war nicht der Fall, denn es bleibt weitestgehend eine Sammlung an bunten Beschreibungen über Sarah Pullmans Leben. Eine Kriminalgeschichte kann ich bis zum Ende nicht entdecken. Der Plot ist zäh, langweilig und plätschert ohne jegliche Spannung so vor sich hin. Während die Charaktere bis auf Sarah alle recht flach und oberflächlich bleiben. Selbst das Verschwinden von Sheriff Cal ist und bleibt mysteriös und man erfährt viel zu wenig darüber. Jede Kleinigkeit von Sarahs Leben beschreibt der Autor hier mehr als bildlich und ausführlich, was sicher dem einen oder anderen gefallen wird, doch für mich war dies nicht das, was ich von diesem Buch erhofft hatte. Dazu kommen noch die vielen unbefriedigten Charaktere, die der Autor oft nur kurz erwähnt und von denen ich danach nichts mehr erfahre. Ebenso der Ansatz, der etwas ins Mystische geht, verpufft innerhalb kurzer Zeit, sodass ich irgendwann keine richtige Lust mehr auf dieses Buch hatte. Dieses Buch ist und bleibt bis zum Ende für mich ein Rätsel, das autobiografische Format mag sicher einige faszinieren, doch für mich war es einfach zu schwerfällig. Dieses Buch mit seiner poetisch literarischen Sprache wird nicht jedermanns Sache sein besonders Leser, die nach einer schnellen Thriller-Lektüre suchen, den diese werden sicher schrecklich enttäuscht sein. Besonders nachdem der Kriminalfall hier so nebenher läuft und nie wirklich wichtig für James Sallis zu sein scheint. Deshalb würde ich dieses Buch eher als Roman als unter Krimis listen. Außerdem fehlten mir die Höhepunkte und der anschließende Abschluss dieser Geschichte. So verworren wie sie begann, endet sie dann auch am Ende. Deshalb kann ich diesem Buch leider nur 2 von 5 Sterne geben, weil es mich so gar nicht begeistern konnte.