Musikmorphologische Untersuchungen sind rar. Verglichen mit der Unmenge an kontrapunktischen
Lehrbüchern und Harmonie- und Formenlehren nimmt sich das Schrifttum zur musikalischen
Morphologie eher dürftig aus. Zudem fehlen Explikationen ihrer theoretischen Grundlagen
weitestgehend. Die vorliegende Arbeit versucht dieses Desiderat zu beseitigen. Sie fragt: Was
ist eine musikalische Morphologie? Was sind musikalische Strukturen? Und was sind musikalische
Gestalten? Aus welchen Elementen setzen sich letztere zusammen und mit welchen Begriffen
lassen diese Elemente beschreiben? Schließlich: Wie führen all diese theoretischen Überlegungen
zu einer technisch präzisen Analyse musikalischer Gestalten? Dieses Buch ist also dreierlei in
einem: Begriffsgeschichte Theorie und Analyse. Es gibt einen Überblick über Begriffe führt
neue ein und skizziert Darstellungsmethoden mit denen sich musikalische Gestalten beschreiben
lassen. Kernpunkt der Argumentation ist dass die musikalische Morphologie den Bereich des
Hörbaren genauso wie jenen des Nicht-Horbaren gleichsam musikalisch Subkutanen zu
berücksichtigen habe dass sie von den musikalischen Gestalten und ihren abstrakten
Konterparten den musikalischen Strukturen handeln müsse. Die musikalische Morphologie wird
verstanden als die Lehre von den Gestalten und den Strukturen.Besonderer Aufmerksamkeit wird
der posttraditionellen Musik zuteil und zwar jener in der die traditionellen Konzepte wie
Motiv Melodie oder Thema ihre Bedeutung verloren haben. Aus der Fülle an Gestalttypen der
Musik nach 1950 werden zwei herausgegriffen die sich besonders vehement von den älteren
Gestalttypen unterscheiden: die Figur wie sie sich in der Musik Brian Ferneyhoughs findet und
die Masse wie sie der Musik Iannis Xenakis' eigentümlich ist.