Während in einem verträumten Örtchen der Pyrenäen die Leute aus unerklärlichen Gründen einfach tot umfallen, tritt der ehemals radikale Umweltaktivist Theodor Fiato in der Einöde Schwedens seinen Dienst bei dem in der Wissenschaftswelt etwas in Ungnade gefallenen Professor Frawley an. Der behauptet doch tatsächlich, dass es eigentlich die Bäume sind, die uns auf der Welt dulden und dass die borkenbewehrten Riesen untereinander seit Jahrmillionen kommunizieren. Als sich seltsame Veränderungen in der örtlichen Flora und Fauna offenbaren und Theodor von einer seltsamen "Vision" ergriffen wird, scheinen die abstrusen Theorien des Professors gar nicht mal so abwegig. Doch ist es bereits zu spät?Bereits zu Beginn hat man dezent die Ahnung, dass man ein ähnliches Szenario bereits aus M.Night Shyamalans "The Happening" kennt und tatsächlich lassen sich einige Parallelen wohl nicht leugnen, auch wenn die Komposition der Geschichte an entscheidenden Stellen abweicht und damit ihre Eigenständigkeit behaupten kann. Das ist auch nicht das eigentliche Problem der Erzählung, die sich viel Zeit zum Spannungsaufbau nimmt, aber nur relativ blasse Charaktere auffährt und zum Ende hin die Ereignisse leider etwas zu hastig abspult. Die Kunst hingegen ist mehr als stimmig: Monochrom hinterlegte Bilder, die mit klarer Linie angenehm gezeichnet wurden, sorgen für eine ernste Atmosphäre. Als Extra gibt es eine doppelseitige Leseprobe von "Paris 2119".Eine spannende Geschichte, der zum Ende hin zwar etwas die Luft ausgeht, die aber mehr als nur zu denken gibt.
Ein mysteriöser, unsichtbarer Feind. Unerklärbare Todesfälle. Die Natur, die sich ihr Recht gegen den Menschen zurück erkämpft. In Corona-Zeiten passen Endzeit-Comics irgendwie ins Bild. Der Schweizer Zeichner Zep, der vor allem wegen seines Comics Titeuf bekannt ist, hat sich mit The End erneut ins ernstere Fach gewagt. Im vergangenen Jahr hatte er mit Paris 2119 bereits als Autor ein intelligentes Szenario geliefert, in dem er sich schon einmal mit dem Thema Mensch und Umwelt beschäftigt hat. Wie schon in Paris 2119 entwirft er auch in The End eine Dystopie. Nun ist er auch wieder als Zeichner aktiv. Doch was stark anfängt hört leider schwach auf. Die Geschichte hätte durchaus mehr Potential entfalten können.Selten hat mich ein Comic auf den ersten Seiten so in seinen Bann gezogen. Ein paar Tote, ein schräger Professor, ein bisschen Musik von den Doors: Schon ist der Leser mittendrin in einer geheimnisvollen Geschichte, in der Bäume miteinander kommunizieren und so dafür sorgen, dass die Überhand nehmende menschliche Bevölkerung auf das Nötigste reduziert wird.Das geheime Leben der BäumeSpätestens seit Peter Wohllebens Buch über Das geheime Leben der Bäume ist klar: Der Wald ist spannender als viele denken. Dass Zep am Ende seines Comics ein Zitat Wohllebens stellt, ist nur konsequent und zeigt, dass sich der Schweizer offenbar von dem Förster hat inspirieren lassen.In The End erforscht Professor Frawley also die Kommunikation der Bäume. Der Wissenschaftler ist ein Außenseiter. Die Doors inspirieren ihn. Wenn ihre Musik läuft, will der Professor nicht gestört werden. Und die Musik läuft recht oft. Nach Überzeugung Frawleys kommunizieren die Bäume nicht nur untereinander, sondern auch mit den Menschen. Bei vielen sorgt er mit dieser These für Verwunderung.Die DNA der Erde liegt in einem einzigen BlattFrawley hat das Genom eines prähistorischen Baumes entschlüsselt und ist sich sicher, darin die Geschichte der Erde erkennen zu können. Seine Wissenschafts-Kollegen verspotten ihn als Bäume-Flüsterer, doch der Professor lässt sich nicht beirren.Auch der neue Praktikant Theodor merkt schnell, dass sein Auftraggeber eine klare Haltung hat. Anfänglicher Verwunderung über scheinbar merkwürdige Ansichten des Professors weicht bald dem Drang, selbst heraus zu finden, was in den Bergen vor sich geht. Und als Theodor bemerkt, dass überall unbekannte Pilze sprießen, sind Neugier und Enthusiasmus bald nicht mehr zu bremsen.Theodor wird schnell zur Hauptfigur und gehört am Ende zum kleinen Teil der Bevölkerung, der auf der Erde überlebt. Die Apokalypse nimmt leise ihren Lauf. Kein Meteoriten-Einschlag, kein Angriff irgendwelcher Außerirdischen. Die Natur ist es, die dafür sorgt, dass auf dem Planeten wieder mehr Platz ist und der Raubbau an ihr auf ein Minimum herunter gefahren werden muss.Moral geht vor PlotWas sich spannend liest und einen über weite Strecken bei Laune hält, wird am Ende leider zu schnell aufgelöst. Theodor verschafft sich per Webcam einen Überblick über den „Weltuntergang“. Als einer der letzten seiner Art findet er auf wenigen Seiten Anschluss an die übrigen Überlebenden. Um am Ende moralisierend zu erkennen: „Wir sind nicht die Herrscher über die Erde, wir sind ihre Gäste.“Zum Schluss hinterlässt der Comic leider eine leichte Enttäuschung. Die Spannung, die am Anfang erzeugt wird, löst sich viel zu schnell und zu banal auf. Kein Aha-Effekt, kein Schmunzeln. Vielleicht ist die Geschichte auch zu komplex und abgedreht angelegt, um sie auf 92 Seiten abzuhandeln.Jammern auf hohem NiveauDennoch macht der Band Lust auf mehr. Detailreiche Zeichnungen, ausdrucksstarke Gesichter und vor allem die Fähigkeit, die Leser total zu vereinnahmen – und das innerhalb nur weniger Seiten. Schade, dass dieses Niveau nicht bis zum Ende durchgehalten wird. Ansonsten hätte Zep das Potential, meine Neuentdeckung des Jahres zu werden. Für The End hätte ich mir aber unbedingt ein besseres Ende gewünscht… ;-)
Zeichnerisch bietet Zep hier das beste, was er je getan hat- die Zeichnungen sind hervorragend. Die Story ist prätentiöses Neo-paganismus unter einer dünnen Hülle Pseudowissenschaften (was natürlich für sehr positive Kritik sorgt), ich musste ein paar mal ungewollt lachen. Die Moral soll zum Naturschutz aufrufen, die Story sagt aber, dass die Natur sich sehr gut selbst schützen kann und uns einfach auslöschen wird, es funktionniert nicht so ganz.Die Figuren sind okay wenn auch etwas uninspiriert: stoischeer Professor, nette junge Dame, und der wandelnde Klichee des jointsrauchenden Kunststudent, der Visionen von der Natur sieht, was mich amüsiert hat. Da will wohl der Künstler Zep was mitteilen. Die Wahl des Settings ist allerdings sehr schön.Im großen und ganzen- ein Schritt in der richtigen Richtung, aber ein Szenarist ist dringen nötig.