Ihre kreativste Phase hatten die Art-/Prog/-Symphonic-Rocker Yes wohl unbestritten von "Fragile" bis "Relayer".Von Leuten,die durch "Owner Of A Lonely Heart" und die Alben der kommerziellen Phase der Band auf Yes gestoßen sind und denen die alten Sachen zu komplex-verwirrend erscheinen und dementsprechend "90125","Big Generator" usw bevorzugen,bis hin zu Kritikern,Fans,Prog-Rock-Enthusiasten ist es eine Glaubensfrage,welches Album denn nun das beeindruckendste,wertvollste sei.Für viele ist es "Close To The Edge",für manche "Fragile",für manche das ausufernde Doppelalbum "Tales From Topographic Oceans" und für viele,wie mich,"Relayer".Alle diese letztgenannten Alben haben eines gemeinsam:Sie sind der Inbegriff dessen,was der typische Punk-Hörer haßt;manch einer behauptet,durch Yes wäre der Punk erst entstanden...Perfekte Beherrschung der Instrumente,komplexe Strukturen,unzählige Feinheiten,Verästelungen in der Musik,Detailverliebtheit,musikalische Kontraste,Vielschichtigkeit,symphonische Strukturen,geradezu avantgardistisch anmutende Ideen und deren Umsetzung,schwindelerregende,bombastische,mal schnelle,dann langsam-elegische Angriffe auf die Gefühlswelten und (bei "Tales..") die Aufnahmefähigkeit des Hörers.Auf "Relayer" gibt es jedoch eine entscheidende Veränderung,die ich als Verbesserung empfinde,nämlich den frischen Wind,den der neue Keyboarder Patrick Moraz in die Band bringt.In der Besetzung Alan White,Chris Squire,Jon Anderson, Steve Howe und Moraz spielen sich Yes in einen wahren Rausch des Progressive-Rock.Im Gegensatz zu dem vorübergehend ausgeschiedenen Rick Wakeman an den Tasten bringt Moraz jazzige Elemente ein,dazu noch neue Klangfarben und Soundeffekte;die Geschwindigkeit,mit der er sich Percussion-und Drum-Duelle mit White liefert,untermalt von irren Baßläufen und einem flirrenden Gitarrespiel...sind einfach überwältigend.Auch Mellotron,Piano,E-Piano und vollmundige Klangteppiche versetzen den staunenden Prog-Hörer in wilde Freude.Auf dem Vorgänger ("Tales...") hatten sich Yes nach Meinung vieler in hohen Anspruch und Komplexität verrannt,waren über`s Ziel hinausgeschossen,waren sie in Selbstverliebtheit gestrandet.Hier werden noch mehr Spielfreude und Strukturen,die manchen in ihrer sich teilweise überlagernden Vielschichtigkeit überfordern dürften,geboten,ohne sich in sich selbst zu verlieren.Für manchen erreichten Yes mit "Relayer" das,was sie mit "Tales..." eigentlich hatten erreichen wollen.However...Mit "Relayer" haben Yes Musikgeschichte geschrieben.Und wem sich das Ganze nicht sofort erschließt,sollte Geduld üben und sich "reinhören".Hat es einmal "klick" gemacht,eröffnen sich neue Welten der Musik,die man nicht mehr missen möchte.Die Veröffentlichungsliste für dieses Album ist ellenlang.Die gute alte Schallplatte klang nicht schlecht,neuere Auflagen leiden hin und wieder unter schlechtem Vinyl und basieren manchmal auf neuen Masterings oder Mixings,also genau lesen,vor dem Kauf.Die ersten CDs klangen mies,1994 gab es ein Remastering durch George Marino (Atlantic),der bis an den Anschlag aussteuerte und die Dynamik etwas drosselte.Dieser Remaster,obwohl frischer im Klang,galt zu Recht als mäßig gelungen.2003 kam auf Rhino eine "expanded and remastered" CD heraus,auf der Bill Inglot und Dan Hersch für mich etwas besser arbeiteten,den Klang mehr in Richtung Vinyl ausrichteten,nicht ganz so hoch aussteuerten ,jedoch die Dynamik ebenfalls limitierten.Zu einer deutlich schöneren Aufmachung mit Pappschuber wurden auch Bonustracks geboten (zwei Single-Versionen und ein langer Studio-Run-Threw).Schon 1998 hatte es eine Japan-VÖ gegeben für die Isao Kikuchi das (Re-) Mastering übernahm;dazu gab es hier eine HDCD-Codierung ,welche auf entsprechenden Playern moderate Klangverbesserung bringt und vor allem erhöhte Dynamik.Dazu kommen natürlich diverse Japan-Pressungen,teils auf dem edlen SHM-Material,außerdem ist eine SACD auf dem Markt,für die ebenfalls Ikuchi verantwortlich zeichnet,die nicht hoch ausgesteuert wurde,jedoch in der Dynamik noch weiter gedrosselt wurde.Zu all diesen Veröffentlichungen kann ich leider nichts schreiben,da ich sie nie gehört habe;in Foren gibt es dazu widersprüchliche Meinungen;von Begeisterung bis zu totaler Ablehnung ist die ganze Bandbreite vorhanden.2013 nahm sich dann aber Steven Wilson (Porcupine Tree,No-Man-Blackfield,Solo-Alben usw) der Sache an und führte komplette Remixes des Albums durch.Während auf der CD nur dieser neue Stereo-Mix plus einiger Extras drauf ist,bieten die DVD bzw BluRay (je nach Edition) noch unglaublich viel mehr.Wilson führte nämlich auch Surround-Remixes durch,sodaß "Mittendrin-Statt-Davor"-Fans hier sicher glücklich werden,zumal diese einen guten Ruf genießen und der geneigte Hörer die Wahl zwischen hochauflösender DTS-Variante oder unkomprimierter MLR-Version hat.Dazu gibt es den alten Original- Stereo Mix noch dazu,auch in hoher Auflösung,dazu das Album als kompletten Studio-Run-Threw,ebenfalls in hoher Auflösung,dazu diverse Extras,wie Live-oder Single-Versionen und und und.Die BluRay Audio in der entsprechenden Edition bietet sogar noch einen Intrumental-Remix des ganzen Albums,natürlich auch wieder in hoher Auflösung.Wow,was für eine Auswahl!Zum Stereo-Remix/Remaster ist noch anzumerken,daß er wesentlich analytischer klingt,als alle (zumindest mir bekannten) Veröffentlichungen zuvor.Es ist nun mühelos möglich,überlagerte Töne deutlich herauszuhören,Baßläufe kommen prägnanter,Töne wirken schärfer umrissen,deutlicher,klarer.Für viele ist das atemberaubend,deutlich besser,ein Erlebnis;andere,die den Klang der alten Schallplatte verinnerlicht haben,empfinden die alte Abmischung als authentischer und...musikalischer.Auf jeden Fall klingt sie vergleichsweise etwas "verwaschen".Da jedoch auch diese Originalabmischung in den CD/DVD und CD/BluRay-Boxen mit an Bord ist,dürften diese wohl für die meisten Käufer der Best Buy sein.Für Surround-Fans sowieso.Nur wer die alte Stereo-Abmischung bevorzugt könnte vielleicht bei älteren CDs ein Mastering entdecken,das ihm persönlich etwas mehr liegt.SHM,HDCD,SACD,Rhino-Remaster,Atlantic-Remaster...auch da ist die audiophile Spielwiese groß.Das schöne Artwork von Roger Dean im (damals) zeitgemäßen Stil rundet die Sache ab.