Der Siegeszug der DVD bringt uns zu Preisen, die weit unter früheren Langspielplatten liegen, große und manchmal auch nicht so große Opernaufführungen ins Haus. Den Fan kann es eigentlich nur erfreuen, gerade da ja richtige Studiorpoduktionen wohl nicht mehr möglich sind. Im besten Falle überzeugt eine Live-Oper dazu doch immer vor Studiokünstlichkeit.So gönnen wir uns eine Reise in die Provence, treten zum Rauschen des Mistrals in das neue Theater von Aix und schlagen der Bayreuther Warteschlange ein doppeltes Schnäppchen, denn besser als der Bayreuther Ring ist diese Walküre allemal.Das liegt zum einen an Simon Rattle und den Berliner Philharmonikern. Die Berliner engagieren sich in Wagners dunkel-pathetischer Welt bis zum äußersten und Sir Simon lässt es - endlich - einmal laufen, bremst und kontrolliert mal nicht alles. Und so wogt uns ein Klangtepppich entgegegen, wunderbare Celli, druckvolle Kontrabässe, die kraftvollen Hörner, erzene Posaunen - diese Fülle des Wohlauts und der Intensität sind und bleiben einmalig. So hören wir auch kein Opernorchester im klassischen Sinn, sondern ich möchte fast sagen "Kammermusikpartner" der Sänger - wobei natürlich 90 Kammermusiker auch ordentlich laut sein können. Insgesamt klingt das dunkler, schwerer als selbst beim Kollegen Thielemann (Stichwort "deutscher" Klang).Ich gehe davon aus, das live gerade Willard White da bestimmt mit dem Orchester zu kämpfen hatte. Von den Mikrophonen gestützt, kommt sein Sarastrobass eindrucksvoll zur Geltung. Manchmal etwas einförmig, ohne das Temperament Tomlinsons singt er doch einen beeindruckenden Wotan, der sich auch darstellerisch steigert. Mikhail Petrenko erinnert an Putin und gibt einen drohenden Hunding im Anzug. Robert Gambills Stimme zeigt leider schon Ermüdungen, ist aber immer noch vor allem in der Todverkündung ein überzeugender Siegmund. Lilli Paasikivis Fricka zeigt Sex-Appeal in Stimme und Aussehen, keine keifende Zicke, sondern die Wotan immer noch liebende Frau. Eva Johannson hat ihr großes Organ nicht immer im Griff, erinnert in ihrem Einsatz an Gwyneth Jones, liefert aber doch ein intensives Rollenporträt. Die Krone der Aufführung gebührt ohne Zweifel Eva-Maria Westbroeks Sieglinde - stimmlich, schauspielerisch und auch optisch, einfach berührend.Die Regie tut keinem weh, gewinnt durch die Nähe der Kamera in den kleinen Gesten, Götter und Helden werden zu Menschen. Wenn Wotan zu Beginn des 2. Akts mit Spielzeugfiguren spielt, so ist das schon treffend für den Manipulator, der mit seinen Kindern ein böses Machtspiel treibt. Trotzdem bleibt er sympathisch, man nimmt ihm die guten Absichten noch ab und leidet mit ihm - auch ohne große Gesten. Die Walkürenszene ist schön durchgestaltet und wenn die wilden Maiden bei Sieglindes großem Ausbruch in fraulicher Verbundenheit sich an den Bauch fassen, ist das doch sinnig und berührend. Das Bühnenbild letztlich ist nicht der große Wurf (wie z.B. beim Tannhäuser aus Baden-Baden - Lehnhoff), schon etwas beliebig und die Videoeinspielungen sind auch seltsam vordergründig. Ob sich dieser menschliche Ansatz zum kompletten Ring formt, bleibt zweifelhaft, da muss doch der politische oder gewaltsame Aspekt des Weltendramas noch dazutreten. Andererseits tut es auch einmal gut, die Geschichte ohne Willkürlichkeiten zu erleben.Insgesamt dank der fulminanten Berliner Philharmoniker und einer durch die Bank sympathischen Sängerriege - die Walküren singen und spielen allesamt auch auf hohem Niveau - zu empfehlen. Den Siegfried hat 2008 ja Ben Heppner gesungen - so würde ich mich doch freuen, wenn dieser Ring weiter geschmiedet wird.
Niemand spielt heute Wagners Musik zur "Walküre" mit einer solchen grandiosen Form wie die Berliner Philharmoniker unter Sir Simon Rattle!Man kann hier eintauchen in das Universum der Wagnerschen Klänge und wird förmlich hineingesogen. Das ist schlicht überwältigend schön!Alle Sänger/innen bieten hervorragende Leistungen und die Inszenierung ist nicht schlecht, was ja schon einiges heißt ... ;-))Wenn es wahr ist, dass die anderen Teile des "Rings" dieser Produktion nicht mitgeschnitten worden sind, dann wäre das sehr traurig.Bitte unbedingt nachholen!!
Ich habe die Übertragung damals auch im TV und im Frühjahr 2008 live in Salzburg bewundern dürfen. Der Rattle-Ring wird in Zusammenarbeit von dem Festival in Aix de Provence und den Osterfestspielen in Salzburg produziert. Zuerst erfolgt die Aufführung in Aix, an Ostern darauf bei den Osterfestspielen in Salzburg. Ich hatte bisher das Vergnügen die ersten 3 Opern in Salzburg zu bewundern.Zuerst zum musikalischen:Ein großes Erlebnis sind die Berliner Philharmoniker unter Simone Rattle. Selten habe ich eine so musikalisch schöne Walküre erlebt. Rattle zeigt hier einen sehr dunklen Wagner. Ganz wie es sich zur Stimmung eigentlich gehört. Der Walkürenritt ist einfach gigantisch und ebenso der Feuerzauber. Zu den Sänger: Zwiespältig betrachte ich die Leistung von Eva Johannson. Sie trifft in der Höhe öfters die Töne nicht und Gambil als Siegmund ist auch nicht unbedingt gerade das größte. Im Jahr darauf wurde die Partie der Walküre ja von Katharina Dalayman übernommen. Toll finde ich Willard White als Wotan. Er singt ihn sehr weich und die Verzweiflung seiner Rolle ist ihm anzuhören und auch anzusehen. Vor allem im zweiten Akt. Ein Erlebnis ist die Darstellerin der Sieglinde. Schauspielerisch und gesanglich. Sehenswert. Sie war der Star unter den Gesangsleistungen.Zur Inszenierung:Sie tut keinem weh und ist relativ spartanisch. Stephan Braunschweig arbeitet viel mit Video und Licht, was in dieser Aufzeichnung nicht ganz so zum tragen kommt. Das ist aber verständlich. Richtig kann man es erst live dann beurteilen. Enttäuschend ist für mich der Feuerzauber. Er besteht darin, daß Brünnhilde sich auf einem Stuhl schlafen legt und im Hintergrund ein Flammenvideo abläuft. Da hat man schon besseres und spektakuläreres gesehen. Die sparsame Personen- und Kulissenregie lenkt die Aufmerksamkeit stark auf das menschliche in den Darsteller. So ist das schauspielerische um so wichtiger, was hier sehr gut ist. Die Inszenierung geht weg vom modernen Regietheater, der die Regie und Inszenierung wichtiger ist als die Musik. Was gut so ist.Alles in allem eine tolle Aufführung, was vor allem am Orchester, Rattle und der Darstellerin der Sieglinde liegt. Allein das lohnt schon den Kauf. Die Tonqualität war bei der Liveübertraung sehr schlecht, diese wurde verbessert.Schade, daß dies wahrscheinlich der einzige Mittschnitt des Rattlerings bleibt. Weder Rheingold oder auch Siegfried wurden in Aix de Provence oder in Salzburg mitgeschnitten. Warum nur? Schade. Hier hat die Plattenindustrie etwas versäumt und geschlafen.