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Ingo Scharrenbroich
06.07.2024
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Zum Raum wird hier die ZeitWagners Parsifal ist eine der sicher problematischsten Werke die das musikalische Theater besitzt.Diese Probleme sind im „Geistigen Überbau“, im Text des Dramas selbst und in seiner szenischen Vergegenwärtigung zu sehen. Ohne hier ein weiteres (langweiliges?) Kapitel eigener Gedanken über dieses Stück verfassen zu wollen ist doch folgendes zu bemerken:1) Eine wirklich überzeugende Inszenierung des Stückes muß sich der Herausforderung stellen, daß alles sehr statisch ist und die Handlung nicht wirklich aktionistisch ist. Das macht den „Ring“ um ein vielfaches einfacher auf die Bühne zu hieven als Parsifal; und das Scheitern muß man da immer mit einkalkulieren2) Die Besetzung ist sicher einfacher als Tristan und Isolde zu finden; in meiner Erfahrung ist es allerdings von imminenter Wichtigkeit einen stimmlich und darstellerisch souveränen Gurnemanz auf der Bühne zu haben; ist dieser entweder stimmlich schwach oder darstellerisch überfordert (oder beides) dann hat man als Zuschauer 5 quälende Stunden vor sich, auch wenn er im zweiten Akt Pause hat3) Wie lange ein Dirigent für die Musik braucht ist weniger wichtig als die Frage, ob die ganze Aufführung Innenspannung aufweist; Wagner ist (nimmt man die dokumentierten Zeiten Hermann Levis dem Dirigenten der Uraufführung als authentisch) eine schnellere Gangart sicher lieber gewesen.4) Als einziges Stück hat Wagner diese Oper aus den Erfahrungen von 1876 für das Bayreuther Festspielhaus komponiert. Das ist Bürde und Herausforderung zugleich. Natürlich spielt man auch andernorts hochklassige Aufführungen; aber aus eigener Erfahrung muß ich gestehen, daß den Hörer das Festspielhaus leider ein wenig für andere Häuser verdirbt1950 GuiDiese Aufnahme ist in mehrfacher Hinsicht ein unumgängliches Dokument, für mich „Pflichtlektüre“ für jeden der sich Wagnerianer, Wagner – Fan oder Wagner Kenner nennen möchte.Es ist eine in italienisch gesungene Aufführung. Heftige Striche in allen Akten und die etwas bescheidene Tonqualität (der das kürzliche Remastering allerdings sehr geholfen hat) sind die Negativpunkte der Aufführung.Aber – welch Fluss, welche Spannung, welche Natürlichkeit.Hier wabert keine Weihe durch die heiligen Hallen, das ist hochspannend aber nie banal, da folgt Eines auf das Andere. Die italienische Sprache, obschon manchmal etwas fremd und zuweilen mit etwas holpriger Übersetzung (Nachsilben!) vermittelt durch die natürlich primär italienische Deklamation der Sänger einen eigenen Reiz. Bei diesen steht das Legato und die flüssige Phrasierung im Vordergrund und mit einem Mal wird klar, was Wagner als ideale Verbindung von italienischer Schulung und deutscher Deklamation sich wünschte. Natürlich: das kann man in den als ideal zu bezeichnenden Aufführungen anderer Werke mit den „Giganten“ (Melchior, Flagstad, Traubel, Lehmann, Leider, Schorr, Kipnis.....) auch hören; aber hier ,wie unter dem Brennglas, mit Sängern, die alle nicht in erster Linie mit Wagner ihre Reputation begründeten.Boris Christoff ist ein wunderbarer, eher knorriger Gurnemanz, Panerai ein „Bel Canto“ Amfortas, der sonst unbekannte Africo Beldelli ein sicher nicht sonderlich heldischer, aber niemals schlechter Parsifal auf der Höhe seiner Aufgabe. Besonders kostbar macht das Dokument das einzig aufgezeichnete Auftreten Maria Callas‘ in einer Wagnerpartie. Allein ihr „Parsifal! Resta!“ ist unerreicht, und wer diese Version kennt, wird in den meisten Aufführungen leider enttäuscht. Vittorio Gui ist in diesem Umfeld natürlich konkurrenzlos schnell und dennoch: Da fehlt nichts, das ist eine wunderbar dramatische, niemals zur Statik neigende Aufführung. Natürlich möchte man eine neuere Aufnahme mit guter Tontechnik nicht missen, und es gibt manche Alternative. Allerdings: Als Ergänzung, um die unendliche Offenheit einer Musikalischen Interpretation zu offenbaren gehört sie in jede Wagnersammlung!Knappertsbusch 1962 und 1964Diese Aufnahmen werden vor allem durch den Dirigenten geprägt: Hans Knappertsbusch war genau der Lordsiegelbewahrer einer schon zu seiner Zeit fast vergessenen Interpretationskunst, die das Grandiose, Gravitätische und – ja- Weihevolle über eine eher flüssige, mehr dem Drama verpflichtete Gestaltung stellte. Soweit das viel gehörte Klischee. Aber ist das alles? Wie eingangs bemerkt: Es ist eben nicht das Was (langsame Tempi, Betonen der Größe der Konzeption) als das Wie (nämlich: Ungeheure Spannung, intelligente Phrasierung) was hier zählt. Es ist eben nicht genug diese Art der Musik als altmodisch abzutun, wenn in beiden Aufführungen eine packende, mich immer noch zutiefst anrührende Aufführung gelingt.Leider gilt das bei den Sängern nur teilweise und in beiden Aufführungen in unterschiedlichen Positionen (da mit verschiedenen Sängern besetzt) ergibt sich hier ein eher disparates Bild:Hans Hotter macht stimmlich in beiden Aufführungen keine wirklich schlechte Figur, die Eigenarten seiner Diktion waren schon 10 Jahre zuvor (Ring unter Keilberth) deutlich: Es gelingen ihm in beiden Versionen gerade im letzten Akt Dinge, die prägen: „...er starb – ein Mensch – wie alle“ dieser Satz allein, in seiner staunenden Schlichtheit fast verwundert ausgesprochen, über den andere Interpreten gerne etwas hinweggehen, ist ein Beispiel für viele Nuancen und Subtilitäten, die man immer wieder entdecken kann.Von den Titelhelden ist mir Jon Vickers als sehr individueller Gestalter ebenso lieb wie Jess Thomas im Vorjahr, der für mich die Ideale Verkörperung des „reinen Toren“ darstellt; stimmlich ist er in jedem Fall ein besserer Parsifal als Lohengrin (siehe bei Interesse meine Gedanken zu seiner Gestaltung in der Kempe Aufnahme...)Thomas Stewart war 1964 ein hochklassiger Amfortas, aber das Leiden des Gralskönigs wird von George London mit einer, man möchte sagen, leiddurchtränkten Stimme, die, wie kein anderer Interpret der Partie zu einer massiven Expansion fähig ist, gesungen- das ist wahrhaftig unerreicht.Beide Kundrys (Irene Dalis und Barbro Ericson) sind wahrhaftig und wunderbare Interpretinnen der Partie.Unverzichtbare Dokumente, zumal die Aufführung 1964 Knappertsbuschs letztes Dirigat vor seinem Tod dokumentiertSolti 1973Es ist hier die erste (!) Studioaufnahme zu besprechen; sicher in vielerlei Hinsicht Soltis beste Wagneraufnahme. Das ist nicht unbedingt ein Lob, da seine Aufnahmen generell immer ein wenig dadurch leiden, daß er sich in der einen oder anderen Hauptrolle SängerInnen aufschwatzen (?) lässt, die den Spitzenplatz in der Diskographie verhindern. Zudem ist er Wagner hin, Verdi her nie mein bevorzugter Dirigent gewesen; daß er heute, im Gegensatz zu Karajan, den man langsam wieder entdeckt, eher vergessen erscheint wundert nicht wirklich. Interpretation ist bei ihm generell eher Oberfläche und Glanz als tiefe Durchdringung. Aber positiv gesagt: Auch vorwärtsdrängend, das Drama und den Bogen nie aus dem Blick nehmend. Sicher tue ich ihm mit einer solchen Beschreibung als unbedingtem Profi sicher Unrecht: man macht keine Wagneraufnahmen mit den Wiener Philharmonikern wenn man nichts kann. Und natürlich: Die schon im Ring angewendete Klangbühne von John Culshaw (diese Aufnahme wurde allerdings von Christopher Raeburn produziert, Culshaws Nachfolger) macht auch hier mächtigen Eindruck. Es ist auch wohltuend, eine akustisch und orchestral ausgefeilte Produktion zu hören ohne Bühnengerumpel im Festspielhaus oder anderswo.Gottlob Frick krönt hier sein sängerisches Lebenswerk mit einer grandiosen Leistung, natürlich überwiegt auch bei seinem Gurnemanz mehr das väterlich – knorrige, aber dies ist eine Leistung, die ich zu den größten Verkörperungen der Partie rechnen möchte.Christa Ludwig ist als Kundry die einzige Rollenvertreterin, die in ihrer doch so ganz anderen Herangehensweise eine Maria Callas ebenbürtige Leistung auf die Platte bannt: Allein wegen ihr und Frick lohnt die Anschaffung der CD. Fischer Dieskau als Amfortas – das fällt schwer. Natürlich intelligent und unnachahmlich „führt er vor wie man Amfortas interpretieren muß“ wie ich einmal las; das stört nicht, aber angesichts der oben angeführten Konkurrenz sicher nicht die Erfüllung der modernen Wagnerinterpretation.In der übrigen Solistenriege kein Schwachpunkt. René Kollo war zu dieser Zeit bis in die 90er Jahre „der“ Wagnertenor. Ich habe ihn selber in einigen seiner großen Partien erlebt und er hat mich nie enttäuscht. Hier macht seine intelligente Gestaltung der Partie, seine stimmliche Eigenart besonderen Effekt, denn das eher „weiße“, sehr jugendliche Timbre passt besonders gut zu seiner Rolle und kontrastiert reizvoll zu den anderen Protagonisten der Aufnahme.Kubelik 1982ich gebe es zu: Weder hielt ich Rafael Kubelik bisher als einen der größten Dirigenten seiner Zeit, noch war er mir als ein besonders signifikanter Wagnerinterpret bekannt.Das hat diese Aufnahme nun doch wesentlich geändert. Das Dirigat ist flüssig, nicht schleppend und manchmal so unerträglich "bedeutungsvoll" wie so manche mehr rezente Interpretation. Die geniale Klangarchitektur des Werkes wird ebenso hörbar wie die wunderbaren Farben und Klangmischungen des Orchestersatzes, vom Sinfonieorchester des bayerischen Rundfunks kongenial umgesetzt. Im Jahr 2023 ist es in der Rückschau dann umso erstaunlicher, daß man im Jahr 1981 Wagner noch so wunderbar besetzen konnte. Alle Positionen sind adaequat besetzt, Kubelik schafft es zudem, so manchen von den eingesetzten Sängern bekannten Manierismus zu zügeln: Es gibt in der Liste der Sänger keinen Ausfall. Das Zentrum der Besetzung bildet Kurt Moll als Gurnemanz, der ebenso kantabel, stimmlich souverän und dabei textdeutlich singt, daß es bei aller Konkurrenz sicher keinen besseren Sänger sondern allenfalls gleich gute Interpreten der Partie gibt. James King ist vielleicht nicht ein reiner Tor (aber ehrlich: wie soll ein reiner (Helden)T(en)or denn nun klingen? Vielleicht wie ein Countertenor?) aber ein ungemein kluger und stimmschöner Sänger, auch er textdeutlich und nicht sich durch die Partie schummelnd wie so mancher Zeitgenosse. Bernd Weikl, Matti Salminen, Yvonne Minton: Alle herausragende Vertreter ihrer Partien, in dieser Aufnahme alle auf dem Höhepunkt ihrer interpretatorischen und stimmlichen Möglichkeiten - was ja nicht immer das Gleiche ist. Es ist nun wirklich verwunderlich, daß dieses Juwel der Wagnerinterpretation nicht schon früher einem breiten Publikum zugänglich gemacht werden konnte; allerdings ist dies angesichts so vieler Fehlentscheidungen im Klassikgeschäft auch wieder nicht so überraschend. Zumal sicher bei allen Rundfunkanstalten noch so mancher Schatz zu heben ist....Karajan 1981Diese Aufnahme ist nicht leicht zu beurteilen.Allzu schnell verfällt man bei Herbert von Karajan in allbekannte Klischees, und das auch sehr befördert durch das zu seinen Lebzeiten seltsam zwiespältige Bild, welches er in der Öffentlichkeit hinterließ. Schönklang um jeden Preis, Interpretation als optisches Spektakel mit Hochglanzaesthetik (ich denke da an seine Konzertfilme im Dunkel mit effektvoller Beleuchtung der Instrumentengruppen im Playback....), seine angeblichen Allüren als „Alleinherrscher“, sein Geschick mit dem was er tat auch Geld zu verdienen: es überschattete lange die Meisterschaft Karajans als Interpret. Und seine Wagneraufnahmen sind hier leider ein genaues Abbild dieser Projektion.Daß er ein Meister der dramatischen Disposition war, einer der besten Sängerbegleiter des 20. Jahrhunderts, sicher der größte Orchestererzieher fällt da leicht unter den Tisch.Parsifal entstand zu einer Zeit, als die (Wagner-) zeiten allmählich schlechter geworden sind.Dennoch: Alle Sänger in dieser Aufnahme sind rollendeckend eingesetzt. Überrascht hat mich beim Wiederhören vor allem Peter Hofmann, der einen achtbaren Parsifal gibt und vor allem José van Dams eindringlicher Amfortas. Daß Kurt Moll auch hier einen meisterlichen Gurnemanz gibt ist ebenso zu bemerken wie die hier transparenten , ja kammermusikalisch durchgehörten Orchesterpassagen. Daß die Aufnahme im Gegensatz zu der Rafael Kubeliks etwas weniger theatralisch wirkt ist eine Sache der zugrundeliegenden Disposition, vielleicht auch den Produktionsbedingugen geschuldet. Keine unverzichtbare, aber auf keinen Fall eine schlechte Aufnahme.Barenboim 1991Hier mache ich es kurz: Wieder die Berliner Philharmoniker, Barenboim als flüssiger Wagnerinterpret den man aus Bayreuth und anderswo kannte, mit guten, wenn auch im oben beschriebenen Vergleich vielleicht nicht exzeptionellen Sängern ohne Ausfall. Waltraud Meier war zu ihrer Zeit „die Kundry“ – ich fand und finde sie auf der Bühne allerdings meist weitaus beeindruckender als auf CD; die zuweilen überdeutliche Diktion, das etwas nasale Timbre kommt im Theater mit ihrer unbändigen Bühnenpräsenz weitaus besser zur Geltung als eine rein akustische Interpretation; aber natürlich: niemand hat in den letzten 30 Jahren diese Partie so bis in die letzte Nuance verinnerlicht wie diese Ausnahmekünstlerin. Jerusalem, Hölle, van Dam: Auch sie alle nicht ohne Konkurrenz, aber niemals unter Niveau. Auch hier: Keine unverzichtbare, aber in manchem Detail und im Gesamteindruck eine sehr starke Aufnahme.Jordan, 2021Die Premiere der Neuinszenierung an der Wiener Staatsoper fiel mitten in die Pandemie, und wurde zwar live übertragen (Regie: Kyril Serebrennikow) und hat mich damals im TV nicht sehr gefesselt, auch musikalisch hat mich das Ganze damals nicht wirklich beeindruckt. Die Sony eröffnet uns jetzt die Möglichkeit, das Ereignis akustisch nachzuvollziehen; die Abwesenheit von Publikum (?) bedeutet, daß es hier keine störenden Nebengeräusche gibt; eine Liveaufnahme in der akustischen Umgebung einer Studioaufnahme.Die Optik vermisse ich nicht unbedingt; Orchester und Chor der Wiener Staatsoper sind natürlich ohne Fehl und Tadel, allerdings enttäuscht mich Philippe Jordan hier ein wenig: Wie ich schon weiter oben feststellte: obwohl er nicht zu den langsamsten Dirigenten zählt, habe ich zuweilden Eindruck, daß er mit der Musik stellenweise nicht vom Fleck kommt. Das klingt wie ein „Stop and Go“ Wagner, den ich bei Jordan so (live) nie gehört habe (Bayreuth, Paris...) allerdings auch erwähnt, daß er die Farben und Klangmischungen der Partitur teilweise sehr aufregend interpretiert, und keiner der Sänger muß das Orchester übertönen oder wird zugedeckt. Ich vermisse indes ein wenig „die Kunst des Übergangs“ (das fließende Ineinanderübergehen der einzelnen Szenen ohne spürbaren Bruch) die andere hier erwähnte Dirigenten natürlicher und unforcierter beherrschen; da setzt Jordan manchen für mich überflüssigen Doppelpunkt. (Der direkte Vergleich mit Knappertsbusch 1962 zeigte mir hier ziemlich direkt, was hier fehlt und dort bestand: Wie mühelos der Höhepunkt „So war es uns verhießen“ im dritten Akt bei Knappertsbusch und Übergang zum Karfreitagszauber klingt, und wie sehr Jordan hier mehrfach Vollbremsungen vollzieht, die mich eher nervös machen als mir einen neuen Interpretationsansatz vermittelt...)Die Kundry von Elina Garanca wurde ja allgemein sehr gelobt, und sicher ist diese Ausnahmesängerin den hier genannten Rollenvorgängerinnen rein stimmlich sicher ebenbürtig; positiv fällt ihre exzellente Textverständlichkeit auf, ein unbedingtes Plus der Aufnahme insgesamt; hier scheinen sich alle Mitwirkenden ein Bespiel an Georg Zeppenfeld genommen zu haben; wer einmal das Glück hatte, ihn in dieser Partie live auf der Bühne zu erleben, weiß, daß er neben einer souveränen Disposition seiner Partien, die er auch stimmlich mit einer ganz eigenen Farbe auszustatten versteht, eine immer vorbildliche Verständlichkeit des Textes in seine Interpretationen einbringt. Dabei ist seine Stimme sicher weniger der schwere Baß, den man von Kurt Moll oder Boris Christoff und Gottlob Frick zu hören bekommt, da erinnert er vielmehr (bei natürlich ganz anderem Timbre) an Hans Hotter, der ja im Gegensatz zu den vorgenannten zuvorderst ein berühmter Wotan war (den Georg Zeppenfeld nun wiederum nicht zu seinen Partien zählt). Ludovic Tezier überrascht mit einer ausgefeilten, ganz vom Text (den er ebenfalls exzellent gestaltet) ausgehenden Interpretation des Amfortas: Ob er sich hier stimmlich sehr wohl fühlt steht auf einem anderen Blatt, so sehr ich seine Leistungen im französischen und italienischen Fach bewundere, gehört er für mich (bei allem Respekt vor seiner Leistung) im Vergleich der oben genannten Sänger für mich nicht unbedingt in die Kategorie Traumbesetzung.Jonas Kaufmann – ja, das fällt schwer. Leider kann ich seine Interpretation nun nicht in einem Atemzug mit den oben genannten Rollenvorgängern nennen. Neben einer ebenfalls beeindruckenden Textverständlichkeit – und -gestaltung fallen mir einige technische Eigenheiten sehr negativ auf, die mich im Fortgang der Oper zunehmend nerven: da singt er eine Phrase mit einer wunderbar schlanken und unforcierten Tongebung, da scheint ihm entweder seine Stimme aus dem Fokus oder technisch gesagt „in den Hals zu rutschen“ und man hört diese seltsam kehligen, nicht wirklich schön anzuhörenden Töne, die man bei etwas weniger hoch dotierten Sängern als „Knödeln“ beschreiben würde; das ist alles nicht wirklich schlecht, aber vor einer Exzeptionellen Leistung und vor allem dem bei Kaufmann gewohnten Geschwätz in den sozialen und sonstigen Medien von einer „epochalen Leistung“ etc. ist das meilenweit entfernt.Mein Fazit: Keine der hier vorgestellten Aufnahmen ist überflüssig oder schlecht. Um das Stück kennenzulernen empfehle ich Solti, Kubelik oder Knappertsbusch 1962; wer sich eine der spannendsten Aufnahmen nicht entgehen lassen will sollte zusätzlich die Gui Aufnahme von 1950 anschaffen. Dann gilt nur noch: „zum Raum wird hier die Zeit“