★★★★★
k.A.
24.06.2026
ean-shopping.de
Dieses LP ist absolut fantastisch und die Qualität des Vinyls sowie das Cover sind beeindruckend. Ich bin restlos begeistert von dieser Aufnahme!
Mit dieser Platte ist etwas in der Musikpresse passiert, was oft vorkommt. Neon golden galt als Meisterwerk der elektronischen Popmusik und hatte auch eine ganze Menge Leute erreicht. Sie wurde überschwänglich gelobt und der Knispelpop galt als sehr innovativ. Dann kam diese Platte und sie wurde als langweilig und überraschungsarm aber zumindest solide abgetan. Als dann Close to the glass herauskam, wurde die Band dann wieder über den grünen Klee gelobt und jene Platte bekam sehr gute Kritiken. Man sollte mal folgendes klarstellen: Neon golden war definitiv ein Meisterwerk, aber ihr Opus magnum ist the devil, you + me, während Close to the glass verhältnismäßig (bezogen auf die Qualität der Band) schwach war. Aber das passiert häufig, dass die Leute eine Platte verschlafen und dann die Nachfolgeplatte überloben.Zugegeben, es benötigt einige Zeit, um sich dieser Platte zu nähern, denn es ist auf eine Art eine sehr in sich gekehrte Platte. Sie scheint weitaus persönlicher zu sein als die Vorgängeralben. In früheren Interviews hat Markus Acher immer mal darauf hingewiesen, dass das mit den Texten immer so eine Sache ist und man etwas braucht, was nicht zu hohl klingt und sich singen lässt. Bei dieser Platte habe ich zum ersten Mal das Gefühl, dass er von sich und seinen Gedanken singt. Und er versucht sich einem Kern zu nähern: Das nackte Ich in einer leeren, fremden Welt. "There is no escape from this circling place" heißt es in "Where in this world", einer vertonten aussichtslosen Weltflucht, getragen durch ein Orchester, dass mit sirrenden Bläser/Streichermotiven und Schwaden eröffnet, und zahllosen verlorenen Elektronikklängen, die aus dem interstellaren Raum zu stammen scheinen. Alles ist wie in einem weißen Zwerg komprimiert und konzentriert und man hört gar nicht wie opulent der Song auf der anderen Seite ist. In "Gloomy planets" wird ein versöhnlicher Blick auf die Welt gerichtet, von weit oben, wie von der ISS herab. "Why is everything so locked up". Eins ihrer schönsten Stücke. In "Good lies" wird die Realität als gute Illusion entlarvt. Der Song ist erstaunlich, da er beim ersten Hören recht dröge klingt, weil man zuerst nicht hört, was sich hinter dem Gitarrengeschrubbe verbirgt, Blasinstrumente und eine weit entfernte Stimme, welche wie das Heulen eines Wolfes in einem hallenden Raum klingt. Im reduzierten Mittelteil hört man auch, wie dieser Song, wie auch viele andere Songs auf der Platte, auf der Gitarre entstanden ist. Nachdem man dann aber die Details wahrgenommen hat, nimmt der Song eine andere Form an und gibt sich als hervorragendes Stück mit feiner Melodie zu erkennen. Live dürfte das aber mitunter schwer reproduzierbar sein. "Alphabet" operiert mit Störgeräuschen aus einer Stromgitarre und einem zerhackten Rhythmus. Mit "The devil, you + me" findet man dann ein reduziertes Gitarrenstück vor, welches sorgsam durch wunderschöne Arrangements umspielt wird. Dieses Stück gibt die ruhige Grundstimmung der Platte vor. Das Vertrauen in Gitarre und Stimme scheint auf dieser Platte größer als vorher zu sein. "Gravity" ist wieder ein ausgeklügeltes Konstrukt aus verschiedenen Sounds. "Sleep" ist einer der exzellenten ruhigen Songs, verschlafen und zweifelnd. "On Planet off" kommt mit einem unheilvollen Gitarrenmotiv daher und ist so etwas wie das Neon golden dieser Platte. "Boneless" ist ein weiterer Ausbruchsversuch: "This town is all in hell you know, you would always run from here". Die Melodie ist einfach und strahlend, getragen auch hier durch tausend kleine Einfälle die nebenher passieren. All diese wohldurchdachten Details zeigen, wieso Notwist so lange für ein Album brauchen. "Hands on us" schleppt sich traurig dahin. Mit dem wunderbaren, ruhigen "Gone, gone, gone", einem Song mit dem auch oft Konzerte beendet werden, findet dieses Album seinen würdigen Abschluss. "I will never let you go".Wenn man die sehr melancholische, leicht verzweifelte Grundstimmung dieses Albums aushalten kann, Platten wie Kid A von Radiohead oder Secrets of the beehive von David Sylvian mag, dann wird man mit dieser Platte etwas bekommen, was einem Kometen in der puren Dunkelheit des Raums entspricht.
...um voll zu wirken. Das neue Album ist meiner Meinung nach ganz anders als sein Vorgänger Neon Golden. Deshalb kann man es gar nicht so richtig vergleichen. Beim ersten Hören war ich enttäuscht, ich hatte eingängigere Melodien erwartet, die Latte hing ja hoch. Je öfter ich die Platte höre, desto begeisterter bin ich. Noch zarter als Neon Golden, aber auch düsterer, manchmal beklemmend, dann wieder hoffnungsvoll. Ein merkwürdig schönes Album was ich nebenbei oder voll konzentriert hören kann. Es ist von der Stimmung und der Musik so ambivalent dass ich Mühe habe es überhaupt zu beschreiben. Es klingt für mich, als ob jemand was aufzuarbeiten hatte, aber ist dabei herrlich unaufdringlich. Für sich betrachtet 5 Punkte, im Vergleich zum überragenden Vorgänger würde ich einen halben Punkt weniger geben. Das geht eben nicht.