Jaja, die Amis als Weltenretter. Mit dem noblen Ziel, den Bürgerkrieg und die daraus resultierende Hungersnot in Mogadischu zu bekämpfen, schickt Washington im Sommer 1993 einen bis an die Zähne bewaffneten Trupp Rangers und Deltas nach Somalia. Ziel ist es, den grausamen Warlord Aidid zu fassen – oder zumindest durch die Festnahme seiner hochrangigsten Offiziere seine Macht entscheidend zu schwächen. Der perfekt durchdachte Plan, wie eine Schlange blitzschnell ins Herz der gebeutelten Großstadt zu stoßen und mit ein paar wertvollen Gefangenen innerhalb einer knappen Dreiviertelstunde wieder zu türmen, geht dann katastrophal schief – und die sich bis dahin als unbesiegbar aufspielenden Army-Jungs müssen schnell begreifen, dass sie ihren Arm in ein Wespennest gesteckt haben.Diesen völlig aus dem Ruder laufenden Einsatz – die vielleicht größte amerikanische Militärkatastrophe seit dem Vietnamkrieg und mit über 1000 toten Somaliern überdies auch außenpolitisch ein Fiasko – stellt Meisterregisseur Ridley Scott, der sich knapp zuvor mit „Gladiator“ ruhmreich aus der Versenkung gesprengt hatte, minutiös nach und schafft damit einen der eindrucksvollsten Kriegsfilme aller Zeiten. Die Kompromisslosigkeit, mit der er den verzweifelten Straßenkampf der eingekesselten Soldaten nachzeichnet, ist bemerkenswert: Nach einer knappen halben Stunde Vorgeschichte samt politischem Background und stichprobenartiger Einführung der wichtigsten Protagonisten prasselt ein nicht enden wollendes, 90-minütiges Dauerfeuer auf den Zuschauer nieder. Es gibt keine Ablenkung, keine erlösenden Nebenhandlungsstränge oder Schnitte auf die trauernden Ehefrauen zuhause, wie andere Kriegsfilme dies gerne tun, um ihre Geschichte mit Emotionalität anzureichern – hier werden wir ins Zentrum des Gemetzels geschmissen und bis zum Ende nicht wieder herausgeholt. Das ist anstrengend, aber wirklich beeindruckend konsequent.Viel Charaktertiefe kann man hier schon deshalb nicht erwarten, da das Geschehen innerhalb von knappen 24 Stunden stattfindet… und die meiste Zeit sind die – in ihren staubigen Uniformen eh schwer identifizierbaren – Soldaten ohnehin mit ihrem panischen Überlebenskampf beschäftigt. Dennoch gelingt es Scott und den Schauspielern, aus ihren knapp umrissenen Figuren einiges herauszuholen und sie mit Ecken und Kanten zu versehen. Wichtigster Protagonist ist der von Josh Hartnett (den ich nach Pearl Harbor schon als verweichlichten Schönling abgeschrieben hatte) stark gespielte, frisch beförderte Sgt. Eversman, der verzweifelt versucht, in der schwierigen Situation seiner Verantwortung seinen Männern gegenüber gerecht zu werden. Dem Teamplayer Eversman, der fest an das Gute ihrer Mission glaubt, gegenübergestellt steht der entschlossene Einzelkämpfer Hoot, gespielt von Eric Bana (Troja) - in den beiden Charakteren wird der Kontrast zwischen Idealismus und verbissener Resignation deutlich gemacht. Bleibenden Eindruck hinterlassen auch der wortgewandte Schreibtischhengst Grimes (Ewan „Obi-Wan“ McGregor), der unversehens in die für ihn ungewohnte Krisensituation hineingeworfen wird, der knurrige Rangers-Captain Steele (Jason Isaacs) und der kampferfahrene Col. McKnight (Tom Sizemore, der seine Rolle aus Saving Private Ryan praktisch übernehmen konnte). Sam Shepard gibt den für die Mission verantwortliche General Garrison, einen abgebrühten texanischen Militär-Haudegen, der mit ansehen muss, wie ihm die Kontrolle über die Lage mehr und mehr entrissen wird.Dass sich Pathos und amerikanischer Patriotismus hier in Grenzen halten, rechne ich dem Film überdies hoch an. Sicher gibt es gegen Ende mehr als eine erhebende Szene, in der der Zusammenhalt der Soldaten untereinander heldenhaft hervorgehoben wird – aber diese Einstellung ist durchaus realistisch und ohne diese tiefe Form von Kameradschaft würde kein Mensch in diesem harten Job funktionieren. Dadurch, dass das Credo der Rangers „Leave No Man Behind“ sich im Laufe des Einsatzes als tückischer Domino-Effekt entpuppt, da mit jedem zu rettenden Soldaten Dutzende mehr in tödliche Gefahr geraten, wird diese ergreifende Prämisse subtil unter ein kritisches Licht gestellt. Besonders tragisch ist hier die Episode mit den beiden Delta-Scharfschützen Shugart und Gordon, die bei der Verteidigung des abgestürzten Piloten Mike Durant von der Horde der Milizen praktisch überrannt werden und auf grausame Art ihr Leben verlieren.Natürlich stellt sich bei so einer Art von Film irgendwie die Frage, was uns das Ganze eigentlich sagen will. Offen kriegskritisch wie ein Apocalypse Now oder Full Metal Jacket ist Black Hawk Down sicher nicht…. Da braucht man die alte Grundsatzfrage, ob es einen Antikriegsfilm per Definition überhaupt geben kann, gar nicht erst anschneiden. Ridley Scott und Drehbuchautor Ken Nolen (die zugrunde liegende Buchvorlage über den Einsatz stammt von dem Reporter Mark Bowden) umgehen dieses Dilemma, indem sie das Geschehen knallhart, aber unparteiisch und praktisch kommentarlos in Szene setzen. Sicher werden die amerikanischen Soldaten hier als tapfere Helden dargestellt… doch auf die Frage, inwiefern ihr Einsatz das Leiden der somalischen Zivilbevölkerung verringert hat, liefert der Film keine Antwort. Das hebt den Film wohltuend vom Hurra-Patriotismus von fürchterlichen Kriegsschmonzetten wie Pearl Harbor oder Wir waren Helden ab; selbst Steven Spielberg konnte sich in seinem – zweifelsfrei meisterhaften – Kriegsepos James Ryan eine dicke Ladung Kitsch nicht verkneifen. In Ridley Scotts Black Hawk Down dagegen geben kühle Taktik, militärische Präzision und anschließend knallharter Überlebenskampf den Ton an – bei so viel Action bleibt nicht mehr viel Raum für moralische Reflexion. Diese überlässt der Film – zum Glück – dem aufmerksamen Zuschauer, wenn er sich im Nachhinein seine eigenen Gedanken über die Geschehnisse macht… und das erlebt man im Kriegsfilmgenre leider nur selten. Ein starker Film! 9 von 10PS: Der Soundtrack von Hans Zimmer klingt ausnahmsweise mal nicht genau gleich wie sämtliche Zimmer-Media Ventures-Actionsoundtracks der frühen 2000er. Stattdessen rührt er hier einen kontrastreichen Cocktail aus orientalischen Instrumenten, afrikanischen Gesängen, Hiphop-Beats und Hardrock-Einlagen samt E-Gitarren zu wummernd-synthetischen Rhythmen zusammen. Eine kuriose Mischung und auch abseits vom Film ein Ohr wert!
Der 2001 entstandene Kriegsfilm "Black Hawk Dawn" von Ridley Scott schildert eindringlich die am 3. und 4. Oktober 1993 stattgefundenen Schlacht von Modadischu. Im April 1992 versuchte die UNO-Mission die Nahrungsversorgung der Bevölkerung in Somalia sicherzustellen, was zu einem Ende des dort herrschenden Bürgerkriegs führen sollte. Es wurden dort rund 500 pakistanische Soldaten stationiert. Ab August 1992 beteiligte sich das US-Militär an dieser Mission:. Deren Militärflugzeuge brachten Hilfsgüter in das Land und in die Flüchtlingslager in Nordkenia. Ein kleineres Team begann mit der Vorbereitung einer Militäroperation, die die Verteilung der Hilfsgüter schützen und ein Ende des Bürgerkriegs herbeiführen sollte. Ebenfalls im August wurde die UNO-Truppe im Land um 3500 Mann aufgestockt.Geplant war, dass Mitglieder der amerikanischen Spezialeinheit Delta Force am frühen Nachmittag dieses 3 Oktobers wichtige Berater von Clanchef Aidids oder ihn selbst festzunehmen. Der Clan sollte sich angeblich um 15 Uhr in einem Gebäude nahe einem bekannten Hotel im Bakara-Viertel in Mogadischu zu einem Meeting treffen. Dieses Gebäude sollte nun von den Männer der Delta Force gestürmt werden, die Einheit sollte aus MH-6 Little Bird Helikoptern direkt am und auf dem Gebäude abgesetzt werden. Der Verantwortliche General William Garrison (Sam Shepard) rechnete mit einem effektiven 30 bis 60 -Minuten Einsatz. Nach der geplanten schnellen Festnahme sollte der Konvoi der Soldaten die Gefangenen zum US-Stützpunkt bringen. Doch es kam ganz anders. Die Schlacht, die in der westlichen Welt auch unter dem Namen Operation Irene bekannt wurde, forderte den Tod von 18 amerikanischen Soldaten. Der Versuch den Warlord oder ein paar seiner hochrangingen Anhänger zu fassen, endete so in einer militärischen Katastrophe, bei dem audch zwei amerikanische Helikopter vom Typ Black Hawk abgeschossen wurden...Ridley Scott schildert die Ereignisse sehr nüchtern und minutiös von der Ausangslage, zum Plan bis zur Ausführung. Diese entstandte Rettungseinheit verirrte sich im Labyrinth der Innenstadt Mogadischus und geriet in den Straßen unter massivem feindlichen Beschuss. Als Soldaten sind u.a. zu sehen Josh Hartnett als Staff Sergeant Matt Eversman, Ewan McGregor, Eric Bana, Tom Sizemore, Orlando Bloom. William Fichtner und Tom Hardy.Dabei fühlt man sich in den 143 spannenden Minuten ganz nah am Geschehen, man fühlt beinahe wie die Kugeln dicht am Kopf vorbei fliegt und kann so sehr gut mitfühlen was für ein Horrorszenario die Soldaten dort erlebt haben. Dabei verzichtet Ridley Scott zum Glück auf jeglichen Patriotismus, Man hat ihm zwar vorgeworfen, dass er die Bevölkerung Somalias schemenhafte Figuren ohne individuell menschliche Züge gezeichnet hat. Das sieht zwar so aus, aber der Film schildert ja vor allem aus der Perspektive der amerikanischen Soldaten, die diese Mission zu bewältigen haben. Dementsprechend ist es logisch, wenn die Umgebung feindlich wahrgenommen wird. Eine politsche Position bezieht dieser sehr gut gemachte Kriegs-Actionfilm nicht, er hat das Augenmerk aufs Bild, kreiert von dem polnischen Kameramann S³awomir Idziak aus Polen, der u.a. auch schon für "Drei Farben Blau", "Der Fall Bachmeier" oder "Die Vermessung der Welt" verantwortlich war. Den passenden Soundtrack bastelte Hans Zimmer. "Black Hawk Down" erhielt zwei Oscars für Ton und Schnitt.