Der Film, der sich eng an das Buch hält, hat mir wesentlich besser gefallen als die literarische Vorlage. Er zeichnet sich durchgehend durch einen ernsten Grundton aus, sodass die Bedrohung durch Voldemort greifbar wird. Es ist keine Szene "überflüssig" oder deplatziert. Die Ohnmacht des Trios wie auch der "guten" Seite, dem fast allmächtigen Voldemort schutzlos ausgeliefert ohne ein Mittel zu finden, seine Macht zu brechen, zeigt sich in jeder Szene und ist das Grundmotiv des Filmes.Schon der Beginn fällt ins Auge, als der Zaubereiminister Rufus Scrimegour eingeführt wird, als er in einer Pressekonferenz vor Voldemort warnt. Er ist sympathischer gezeichnet als in der Buchvorlage, aber er wirkt glaubwürdig und beeindruckend. Dies gilt auch für seinen zweiten - und letzten - Auftritt bei der Aushändigung des Testaments. Nichts von Häme und Hass, sondern konzentrierter Ernst, gepaart mit trauriger Verzweiflung, fast um die Vergeblichkeit seiner Aufgabe wissend: dies verkörpert Bill Nighy ganz hervorragend.Ganz überragend hat Emma Watson als Hermine gespielt. Schon wie sie zu Beginn ihren Eltern per Gedächtniszauber jegliche Erinnerung an sie nimmt, um die Eltern zu schützen, ist sehr beeindruckend. Und dies beweist sie im weiteren Verlauf des Filmes in jeder Szene, v.a. beim Streit mit Ron. Auch Rupert Grint ist erwachsen geworden und kommt - v.a. beim Streit - glaubhaft herüber. Nichts mehr von dem teilweise übertrieben wirkenden Ron aus Film 6. Und auch Dan Radcliff spielt - v.a. bei den emotionalen Szenen - wirklich gut. Besonders beeindruckend - für mich der Höhepunkt des Filmes - die Friedhofsszene, als er mit Hermine am Grab seiner Eltern steht und sie sich dennoch "frohe Weihnachten" wünschen. Eine so ergreifende Szene habe ich bislang in keinem der früheren Filme sehen können. Auch seine Verzweiflung in den Sekunden vor dem Erscheinen der Hirschkuh ist echt. Auch Dan Radcliff liefert meiner Meinung nach eine sehr gute schauspielerische Leistung ab.Inhaltlich stimmte fast alles. Sehr gekonnt wird die Hilflosigkeit des Trios beschrieben, angesichts der rudimentären Angaben von Dumbledore die Horcruxe zu finden und zu zerstören. Die Reise Harrys und Hermines nach Godric`s Hollow bekommt einen doppelten Sinn, der m.W. so in der Buchvorlage nicht vorhanden war: sie vermuten, dass Voldemort dort einen Horcrux versteckt haben könnte und sie vermuten dort das Schwert von Gryffindor. Godric`s Hollow ist also im Film kein reiner "Erinnerungstrip" zu Harrys Geburtsort und dem Ort, an dem seine Eltern starben, sondern der Abstecher dorthin hat eine Funktion.Die Horcrux-Szene ist einfach klasse: wie Harry und Hermine als Horcruxe erstehen und Ron trietzen und so seine innersten Ängste treffen ist ein weiterer Höhepunkt des Films. Wie Voldemort dann sagt: ich habe Dein Herz gesehen, Harry Potter.Überhaupt Ralph Fiennes als Voldemort: wie fand ich die Todesserversammlung im Buch so abstoßend und wie eindrucksvoll ist sie im Film gelungen. Das Grauen, die Bedrohung, die Angst von Lucius und die Demütigung sowohl von Lucius als auch von Charity Burbage durch Voldemort haben mir eine Gänsehaut über den Rücken gejagt. Voldemort poltert nicht. Leise, kalt, gibt er einen Schurken ab, wie ihn JKR nicht hätte besser erfinden können und der sich vom Buch-Voldemort um Längen unterscheidet. Dies unterstreicht auch die grandiose Schlussszene, als Voldemort auf dem Höhepunkt seiner Macht erscheint: er grinst den toten Dumbledore im Grab diabolisch an und benutzt - berauscht von seiner vermeintlichen Macht - den Elderstab, den er gleich ausprobiert. Eine eindrucksvolle Szene.Eindrucksvoll ist auch die Sterbeszene von Dobby und die ganzen Malfoy-Manner-Aufnahmen. Eine wahnsinnige und wahnsinnig gute Helena Bonham Carter als Bellatrix, wie sie Hermine foltert, jagt einem Schauer über den Rücken.Dobbys Tod - ergreifend.Kritiken habe ich keine. Ich hätte mir die Hintergrundhandlung der Regulus-Black-Geschichte, erzählt von Kreacher, etwas ausführlicher gewünscht und die Szene des Eindringens im Ministerium fand ich teilweise zu slapstickartig. Auch über den Tod von Mad-Eye-Moody wurde mir zu schnell hinweggegangen, der Angriff der Todesser auf die sieben Potters kam mir zu kurz und abgehakt vor.Aber ansonsten: erste Sahne, ein ganz eindrucksvoller Film, der - aufgrund der glaubhaften Atmosphäre der Bedrohung, aufgrund ausgezeichneter schauspielerischer Leistungen des Trios und insbesondere Ralph Fiennes als Voldemort der Film, der mich am meisten beeindruckt hat. Ob er wirklich der beste aller HP-Filme ist, mag ich nach dem ersten Sehen noch nicht zu beurteilen. Um mir hier ein Urteil für ein endgültiges Fazit zu bilden, muss ich den Film noch häufiger sehen. Aber eines steht fest: von allen Filmen von David Yates ist es meines Erachtens auf jeden Fall der Beste!