★★★★★
k.A.
10.07.2026
ean-shopping.de
Das Buch ist sehr spannend und die Handlung fesselt von Anfang bis Ende, allerdings finde ich den sprachlichen Stil an manchen Stellen etwas überzogen.
Auf der Suche nach neuem Lesefutter aus dem Genre der Spionagethriller bin ich irgendwann auf die Gabriel Allon-Reihe von Daniel Silva gestoßen. Die Beschreibungen der Reihe vermittelten den Eindruck nicht gerade innovativer, aber wenigstens solider, unterhaltsamer Thriller. Was will man auch erwarten? Selbst Le Carre kopiert sich mittlerweile selbst, da wird Silva das Genre nicht neu erfinden. Mit moderaten Ansprüchen, verhaltenem Optimismus und dem Willen, Silva eine faire Chance zu geben, habe ich mich also an die Gabriel Allon-Reihe gemacht - und nach vier gelesenen Büchern und den ersten vierzig Seiten des Fünften endgültig beschlossen, in Zukunft einen weiten Bogen um Bücher des Autors zu machen.Ich beschränke mich bei der Kritik der Kürze wegen auf einige wenige Punkte, die für mich die größten Probleme von Silvas Büchern beschreiben.Die Hauptfigur: Gabriel Allon, ehemals Mossad-Agent, jetzt Kunstrestaurator, eiskalter Killer und sensibler Schöngeist, arbeitet gelegentlich und natürlich nur widerwillig für seine alten Arbeitgeber, sieht selbstredend hervorragend aus, spricht gefühlte 20 Sprachen fließend, kann auch sonst so ziemlich alles, restauriert wertvollste Gemälde, wenn er nicht gerade Terroristen oder Nazis das Lebenslicht ausknipst oder zufällig ins Bild gestolperte Schönheiten begattet, etc. pp. Kurz: Diese Figur ist ein einziges Klischee. Die unwirkliche Übermenschlichkeit teilt Gabriel Allon zu seinem Unglück mit einer ganzen Reihe vergleichbar einmaliger Superhelden, die gegenwärtig durch die Popkultur geistern, und wird so ironischerweise völlig austauschbar. Wer dabei sein möchte, wenn ein eindimensionaler Charakter im Auftrag eines nebulösen höheren "Guten" zum Serienmörder wird, der ist mit den Wiederholungen von "24" und Jack Bauer besser bedient.Die Nebenfiguren: Was für die Hauptfigur gilt, gilt ebenso für die verschiedenen Nebenfiguren: Ein Klischee jagt das nächste. Frauen sind entweder zerbrechlich wie Porzellan oder zäh wie Leder, dabei aber immer wunderschön; Allon und seinen Mentor verbindet eine von Hass-Liebe-whatever geprägte Vater-Sohn-Beziehung; die Nazis sind eben das - Nazis, und die Terroristen sind natürlich ganz besonders fanatisch bei der Sache. Lebensnahe Figuren sucht man dagegen vergeblich.Die Struktur: Absolut gewöhnlich und spätestens ab Lektüre des zweiten Buchs so vorhersehbar, dass jeder 80er-Streifen mit Chuck Norris mehr unerwartete Wendungen bereithält.Der Inhalt: Die Geschichten, die Silva um seinen Helden Allon aufspannt, besitzen jeweils für sich vielleicht einen gewissen Unterhaltungswert - spätestens dann aber, wenn der Restaurator/Killer zum dritten Mal gegen arabische Terroristen ins Feld zieht, zeigt sich die relative Einfallslosigkeit des Autors. Seine kompromisslose Art, radikal in Gut und Böse zu unterteilen, übersetzt sich in seinen Büchern in eine Welt in Schwarz und Weiß, in der für unterschiedliche Perspektiven und vor allem nuanciertere Charaktere schlicht kein Platz ist. Wer auf tendenziöse Unterhaltung aus ist und sich zudem nicht an mangelhafter Hintergrundrecherche stört, ist von "Homeland" sicher besser unterhalten.Fazit: Für extrem seichte Unterhaltung reichen die Gabriel Allon-Bücher - gerade noch. Wer dagegen nach wirklich guten Spionagethrillern sucht, dem sei an dieser Stelle Robert Littell ans Herz gelegt: "The Company" ist vielleicht dem einen oder anderen ein Begriff, besonders lohnend ist meiner Meinung nach auch "Vicious Circle" - in diesem Buch zeigt Littell, wie mit solider Hintergrundrecherche und Empathie für die eigenen Figuren aus einer Geschichte auch ein Denkanstoß werden kann, der den Leser auch nach Ende der Lektüre eine Zeit begleitet.