Auf den Erscheinungstermin von A Court of Frost and Starlight freute ich mich seit über einem Jahr sehr. Ich fieberte ihm nahezu entgegen. Endlich sollte es weitergehen mit der Geschichte von Feyre und Rhys. Ich sehnte mich nach der Rückkehr nach Prythian und dem fantastischen Schreibstil der Autorin. Dennoch habe ich die Novelle mit gemischten Gefühlen beendet und ich sage euch gerne wieso. Aber zuerst einmal zu den positiven Aspekten.ERZÄHLPERSPEKTIVENA Court of Frost and Starlight wird aus der Sicht von Feyre und Rhys berichtet. Dies genoss ich unglaublich, da die zwei sehr unterschiedlich in ihrer Erzählstimme sind und sich mit jeweils anderen Dingen auseinandersetzen. So bekommt die Novelle frischen Wind und bietet Lesern Abwechslung. Einzig und allein die gegenseitige Liebe ist die Schnittstelle im Erzählstrang. Dass sie sich tagsüber vermissen, wenn sie unterschiedlichen Aktivitäten nachgehen oder sich wünschen, mehr Zeit miteinander zu verbringen, als sich mit dem politischen Wiederaufbau von Velaris und dem Rest Prythians zu beschäftigen. Gedanken, die wir wohl alle in einer ähnlichen Form kennen, denn wer von uns würde nicht am liebsten den Tag ganz sorglos mit seinem Herzensmenschen verbringen? Hin und wieder wird auch aus den Perspektiven von Cassian und Nesta berichtet, was mir gut gefallen hat.HANDLUNGDie Handlung selbst ist natürlich nicht so gewaltig wie in den vorigen Bänden, die ja Romane – nahezu richtige Wälzer – sind. Dieses Büchlein umfasst knappe zweihundert Seiten und dementsprechend wenig passiert auch. Ich mochte das aber sehr. Wir begleiten Feyre und Rhys durch ihren Alltag und die Geschichte ist geprägt von einer angenehmen Sanftheit. Trotz Chaos und Aufbauarbeiten ist eine Grundruhe und -harmonie in der Novelle vorzufinden. Dabei geht es hauptsächlich darum, wie Feyre und Rhys den Krieg verarbeiten.Feyre hat beispielsweise oft mit sich selbst und ihrem Wohlstand zu kämpfen. Sie findet es ungerecht, dass sie als High Lady viele Privilegien hat und selbst nur wenige Familienangehörige und Freunde im Krieg verlor, während das Leid ihres Volkes so groß ist. Rhys hingegen kämpft immer noch gegen den dominanten Court of Nightmares an und muss mit Cassian gemeinsam überlegen, wie sie die Vereinbarungen, die sie während des Krieges geschlossen haben, umsetzen.Gleichzeitig geht es natürlich um Solstice – ein Fest, das mich ein wenig an Weihnachten erinnert. Man verbringt die Zeit mit seinen Liebsten, beschenkt sich und ist dankbar. Feyre und Rhys organisieren die Festlichkeit und setzen sich dabei mit dem ein oder anderen familiären Problem auseinander. Denn nur weil der Krieg vorbei ist, bedeutet das nicht, dass alle friedlich und in Harmonie leben. So ist Nesta quasi als schwarzes Schaf der Familie zu betrachten. Feyre und Elain versuchen stets ihre Schwester mehr in den Alltag zu integrieren und sie in der Familie willkommen zu heißen. Doch das ist schwieriger als gedacht, wenn Nesta offenbar nicht das geringste Interesse hat Teil der Familie zu werden.VERZAUBERTES VELARISIhr merkt: Eine wirklich große Problematik oder Krise muss nicht überwunden werden. Dementsprechend leicht liest sich die Novelle auch. Es ist schlichtweg eine entspannte Schilderung des Alltags. Ich kann mir vorstellen, dass viele Leser dies langweilig finden. Mir hat es aber wirklich Spaß gemacht. Einfach weil es so selbstverständlich und angenehm zu lesen ist. Man muss sich keine Sorgen um die Figuren machen, wird nicht von schockierenden Kehrtwendungen überrascht und betrauert keine verstorbenen Figuren. Als Leser lässt man sich von Velaris und dem ruhigen Plot verzaubern und genießt einfach ein paar angenehme Lesestunden. Für mich war A Court of Frost and Starlight die perfekte Lektüre für die ersten warmen Maitage, die ich entspannt auf der Terrasse verbringen durfte.FEYRE & RHYSDer Fokus dieser Novelle liegt ganz eindeutig auf Feyre und Rhys, damit ihre Geschichte abgeschlossen wird. Ich liebe die beiden Figuren auch sehr, allerdings habe ich den Biss und die freche Art der beiden beim Lesen etwas vermisst. Besonders in A Court of Mist and Fury lernen Leser die unbeschwerte und zügellose Art von Rhys kennen. Er stellt Feyre Herausforderungen, ermutigt sie zu Dingen, die sie selbst nicht für möglich hält und die Dialoge zwischen den beiden sind einfach zum Niederknien. Diese Eigenschaften fehlten mir schon in A Court of Wings and Ruin und in A Court of Frost and Starlight fehlen sie mir noch mehr.Wie Yvonne in ihrer Rezension zum dritten Teil der Reihe richtig feststellt: Rhys ist zum weißen Ritter mutiert, der zu allem »Ja und Amen« sagt. Seine überraschende und leicht unverschämte Art habe ich unglaublich vermisst. Ja, auch er hat mit den traumatischen Erlebnissen der letzten Jahre zu kämpfen und muss vieles aufarbeiten, doch seitdem er mit Feyre verheiratet ist, wirkt es so als sei er zu einem richtigen Softie mutiert. Mir persönlich war der alte Rhys, wenn man seine Art so nennen kann, lieber.NEBENFIGURENWas ich beim Lesen sehr genoss waren die Momente, in denen sich der Inner Circle sammelt und gemeinsam Zeit verbringt. Besonders über Stellen mit Azriel, Lucien und Elain habe ich mich gefreut und ich hoffe, dass wir in den zukünftigen Novellen noch mehr Zeit mit ihnen verbringen werden. Selbstverständlich sind auch Mor, Amren, Cassian und Nesta wieder mit von der Partie. Jede bekannte Figur hat den ein oder anderen Moment inA Court of Frost and Starlight und ich fand es schön, ihnen wieder zu begegnen.Doch wir treffen in A Court of Frost and Starlight nicht nur auf bekannte Figuren. Es kommen auch einige neue dazu, wie beispielsweise Ressina, die wie Feyre Künstlerin ist. Ressina ist eine unglaublich interessante Figur und in meinen Augen durchweg gelungen. Ich mochte sie sehr und hätte mir gewünscht, dass sie und Feyre noch ein wenig mehr Zeit miteinander verbringen. Aber wer weiß, vielleicht kommt das ja noch.AUSDRUCKBeim Ausdruck habe ich bei diesem Band jedoch eine Kleinigkeit zu bemängeln. Im ersten und zweiten Band hat Sarah J. Maas nämlich eine Sache gemacht, die sich in Band drei und vier verändert hat: Dass die Figuren sich mit Namen ansprechen. Sarah J. Maas schreibt wundervoll. Ich liebe ihren Schreibstil, da er so majestätisch und bewegend ist. Man kann sich immer in die Figuren hineinversetzen, jeder Charakter hat eine individuelle Stimme und das gesamte Setting, inklusive Charaktere, wird anschaulich beschrieben. Allerdings ist mir ein Wort in dieser Novelle (und auch schon bei A Court of Wings and Ruin) negativ aufgestoßen: Mate.Dieses Wort benutzt die Autorin so unglaublich oft, um Rhys oder Feyre zu erwähnen und ich persönlich fand es schlichtweg übertrieben. Mir hätte es mehr zugesagt, wenn man die Namen benutzt als immer zu betonen, dass die zwei Seelenverwandte sind. Ich konnte es irgendwann einfach nicht mehr lesen und musste ständig die Augen verdrehen. Ich verstehe, dass man Mate wunderbar einbauen kann, um beim Ausdruck zu variieren, allerdings war es für meinen Geschmack viel zu viel. Mir wäre die einfache Nennung der Namen lieber gewesen.DER TEASERA Court of Frost and Starlight soll nicht die einzige Novelle bleiben, die sich mit den Figuren aus der A Court of …Reihe beschäftigt. Allerdings soll es die letzte sein, die Feyre und Rhys als Protagonisten hat. In den vier kommenden Novellen geht es um die übrigen Mitglieder des Inner Circle. Am Ende von A Court of Frost and Starlight gibt es einen Teaser, auf den ich nun kurz eingehen möchte. Daher hier eine kleine Spoilerwarnung für diejenigen, die nichts zu der nächsten Novelle wissen möchten.Zuallererst: Ich habe mich sehr über den Teaser gefreut. Und noch mehr habe ich mich gefreut, dass es offensichtlich zwei ganze Kapitel sind, die gezeigt werden. Der Teaser ist viel länger als ich erwartet habe und hat mir so viel Spaß gemacht. Und was war ich glücklich, als ich erkannt habe, um welche Figuren sich der nächste Teil der Reihe dreht: Cassian und Nesta! Oooh, ich freue mich auf eiskalte Dialoge und Schlagabtäusche, die sich sehen lassen! Auf das Setting bin ich ebenfalls gespannt, denn das Illyrian Warcamp ist ja nichts für zartbesaitete Figuren. Da wird es bestimmt ordentlich Action geben.NESTAAndererseits habe ich auch ein wenig Angst vor der Novelle, da ich Nesta leider überhaupt nicht mag. Das Knistern und den Schlagabtausch zwischen ihr und Cassian genieße ich wie viele andere auch. Doch Nesta selbst gehört für mich leider zu den Figuren, die mich in der Reihe am meisten nerven. Ich finde ihre Art unglaublich egoistisch, gehässig und fies. Klar, sie hat einiges durchgestanden und verarbeitet wie alle anderen die Kriegserfahrungen und zudem noch ihre Verwandlung. Dennoch behandelt sie Feyre von Band eins an wie eine Sklavin und nicht wie eine Schwester. Hinzu kommt, dass Feyre und Elain mindestens genauso viel durchgestanden haben wie sie und nicht solche Biester sind. Nesta ist ein toller und wirklich komplexer Charakter – aber keiner, den ich in mein Herz schließen kann.In meinen Augen hat Nesta Feyre ihr ganzes Leben ausgenutzt und ihre abwertende Art konnte sie auch im Verlauf der vier Bände nicht ablegen. Ich weiß, dass viele Leser Nesta sehr mögen, ich gehöre allerdings nicht zu ihnen. Ich verstehe einfach nicht, wie man so unglaublich negativ durch das Leben gehen kann. Und vor allem wie man diese Negativität an alles und jedem auslassen kann. Irgendwann springt man doch mal über den eigenen Schatten und gibt zu, dass man sich jahrelang falsch verhalten hat. Von daher bin ich wirklich gespannt wie sich die nächste Novelle entwickelt und was für Charakterzüge wir von Nesta als auch Cassian sehen werden. Und wer weiß, vielleicht schafft es Nesta ja, mich doch noch für sie zu begeistern.FAZITAuch wenn mich einige Kleinigkeiten beim Lesen gestört haben, genoss ich diese Lektüre sehr! Ich wurde von Velaris und den Figuren wieder einmal verzaubert und blicke gespannt auf die nächste Novelle, die vermutlich etwas actiongeladener wird.