★★★★★
k.A.
01.07.2026
ean-shopping.de
Ein tolles und charmantes Produkt, das die Geschichte der Beatles wunderbar darstellt. Allerdings sind die Details etwas vereinfacht, was für Sammler vielleicht ein kleiner Nachteil ist.
Bei den Beatles geht es in erster Linie um Musik, keine Frage. Aber von einer Biographie der Gruppe erwarte ich, auch etwas zu erfahren über die Beziehungen der vier untereinander und zu den Personen ihrer Umgebung, die Auswirkung ihrer Produktion auf die Gesellschaft (wenn eine Band einen solchen Einfluss für sich in Anspruch nehmen kann, dann die Beatles), ihr Privatleben, kurz: das Leben der Beatles jenseits der Musik. Nur ein Beispiel: Über den segensreichen oder unheilvollen Einfluss von Yoko Ono auf die Gruppe erfahren wir kaum etwas. All dies wird zwar im Buch angeschnitten, aber nicht weiter ausgeführt.Stattdessen hangelt sich Musikkritiker Kemper von Album zu Album und stellt diese nicht nur vor, sondern gibt sein persönliches Urteil ab. Mich interessiert eigentlich nicht besonders, wie Herr Kemper diesen oder jenen Titel findet. Hinzu kommt ein allgemeines Problem, wenn man über Musik schreibt: Wie kann man ein akustisches Vergnügen (oder eine Tortur) angemessen in Worte fassen, so dass auch derjenige eine Vorstellung davon bekommt, der das Lied NICHT hört? Für mich ein Ding der Unmöglichkeit. "Fool on the hill" ist eine Nummer, bei der "Raum und Zeit zusammenfließen" (!!). Wie bitte?? Jemand, der das Lied kennt, braucht solche aufgeblasenen Beschreibungen nicht, und wer es nicht kennt wird mit dieser Formulierung auch nicht schlauer. Kempers Buch ist eine 200-seitige Aneinanderreihung von Musikkritiken, die im Stil des berüchtigten Feuilletons der Frankfurter Rundschau in den 70er Jahren geschrieben sind.Noch dazu in einem Stil, der einem die Haare zu Berge stehen lässt. Zunächst: alles in Denglish, das ist nicht - um im Bilde zu bleiben - COOL, sondern schlicht: schlechter Stil. Dazu wimmelt es von - natürlich englischen - Fachausdrücken, die kein Otto-Normal-Beatles-Fan versteht. Ich wette, dass auch ein Lehrer, der Englisch im Leistungskurs der Oberstufe unterrichtet, nicht weiß, was ein "overdubbing" ist. Wenn man diese Ausdrücke schon verwenden muss, warum erklärt man sie nicht?Also alles in allem ein Buch, mit dem der Autor eher sich selbst zu schmeicheln versucht als dem Leser.