TIME OUT ist der krönende Abschluss der Triologie von Andreas Eschbach, bei der es um Chips geht, die dem Menschen zuerst gewaltsam eingepflant werden bis sie sich im dritten Teil freiwilig dafür entscheiden! Der Chip lässt sie ihre Individualität verlieren und sie verschmilzen zu einer Kohärenz, also zu einem Gehirn.TIME OUT ist ein würdiger Nachfolger seiner Vorgänger. In vielen Teilen wirkt TIME OUT auch reifer. Eschbach präsentiert hier, nicht nur die technikfeindliche Sicht, sondern auch Argumente wieso Menschen zu Phänomen wie Facebook neigen und wieso das auch positiv gesehen werden kann. Brad, ein Mädchenschwarm, widersetzt sich dem "Lifehookchip", der die ständige Kommunikation von Menschen über Gedanken möglich macht. Man könnte durchaus -wenn auch nicht in dieser übertriebenen Weise- eine Anspielung zu Facebook sehen. Eschbach arbeitet gut heraus, dass so eine Art von Kommunikation, sehr verlockend für die Menschen sei und sie deshalb freiwilig mitmachen. Brad, der eigentlich vom Typ Draufgänger, befindet sich plötzlich im Abseits... Seine Freunde können nicht mehr richtig mit ihm kommunizieren und er kriegt ihr Leben nicht mehr mit. Jedoch bröckelt sein Widerstand, als sein Schwarm ihm offenbart, dass sie ohne "Lifehook" nichts mit ihm anfangen wird... Dass Eschbach Jugendliche als Zielgruppe nimmt, die als erstes diesen Trend nachlaufen, ist verständlich, da für sie der soziale Kontakt über alles steht.Chris, der Computerfreak, befindet sich mit Jeremiah Jones und anderen Gefährten in Hide Out, ein Bunker der ursprünglich für das Leben nach dem Dritten Weltkrieg, also Atomkrieg, gedacht war. Er selbst glaubt nicht mehr an den Sieg gegen die Kohärenz, aber Jones kämpft weiter und Chris möchte sich nicht widersetzen und kämpft auch weiter.Außerdem fängt es an Konflikte in der Hide Out Gruppe zu geben, da man keinen Sinn mehr sieht, gegen etwas zu kämpfen, dass die Menscheit freiwilig annimmt...Serenity Jones ist bis in beiden Ohren verknallt in Chris, aber sie hat Zweifel ob Chris überhaupt Interesse an ihr hat. Sie kämpft damit den Sinn ihres Lebens in Hide Out zu finden. Denn dort fühlt sie sich nicht gut aufgehoben... Ein Leben wie anderen Teenagern bleibt ihr dadurch versperrt und das spürt sie sehr deutlich.Ein sehr vielseitiges und packendes Buch, dass einen selbst darüber nachdenken lässt, ob eine Art wie die "Kohärenz" nicht doch auch Vorteile hätte wie z.B. dauerhaften Frieden und das Gefühl wirklich zur einer Gruppe dazu zu gehören. Andererseits lässt man sich noch einmal das Phänomen facebook durch den Kopf gehen und man fragt sich, wie weit wir eigentlich noch wirklich Herr der Lage sind ohne soziale Netwerke zu leben .Außerdem taucht man gerne in die Abgründe der sehr gut entwickelten Charaktäre von Andreas Eschbach hinein.
- sehr spannend geschrieben
★★★★★
Caröchen I @Zeilengleiterin
15.03.2024
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Lange habe ich auf den dritten und letzten Teil der Triologie um Christopher Kidd gewartet. Ich konnte es zwar wieder in einem Rutsch durchlesen, da es wieder mal Spannung pur war, doch ich war ein kleines bisschen enttäuscht.Die ganze Crew versteckt sich in Hide*Out und versucht immer wieder, der Kohärenz mit kleinen Schachzügen entgegen zu wirken.Mir ging es diesmal etwas zu wenig um die Kohärenz, diese wurde teilweise nur angeschnitten, was ich auf Grund des neu eingeführten Chips ziemlich schade fand, da man die Geschichte hier noch weiter hätte in die Länge ziehen können - ohne, dass es langweilig werden würde.Vielmehr ging es diesmal um die Beziehung zwischen Christopher und Serenity, was mir für diese Art von Geschichte zu viel war. Eschbach hat zwischendurch anscheinend den Hauptstrang der Geschichte "vergessen", jedenfalls kam es mir so vor, da er einfach nur noch über die beiden geschrieben hat.Sehr gut fand ich, dass Eschbach diesmal noch eine Erzählsicht eines Jugendlichen eingebaut hat, der den Chip eingepflanzt bekommt und bei dem man praktisch live miterleben kann, wie er langsam in die Kohärenz übergeht. Nur schade, dass es nicht mehr von der Sorte gab.Außerdem kam hier wieder viel Hackerkönnen zum Einsatz, was mir am meisten gefallen hat, weil so auch ein Laie wie ich etwas von dem verstehen kann, was Christoph da macht.Das Ende war ebenfalls nicht ganz wie erwartet, da die Protagonisten plötzlich in die Enge getreben wurden, alles aussichtslos ist und zack peng bumm, alles vorbei, Kohärenz besiegt... hmmm ok, aber anscheinend (laut mehrerer anderer Rezensenten) hats Eschbach ja sowieso nicht so mit den Enden der Geschichten, also kann ich da auch drüber hinweg sehen. Vor allem, weil mich die letzten Kapitel dann doch noch in punkto Ende etwas befriedigen konnten ;)Auch wenn ich hier viel negativ kritisiere, hat mir der letzte Band doch sehr gut gefallen und kann die Triologie nur weiterempfehlen.Da ich selber nicht so viel von Computern verstehe, fand ich es bemerkenswert, wie sich Eschbach in die Materie eingearbeitet und diese gut erklärt hat.Trotz der Sparte Jugendbuch, auch für Erwachsene :)