★★★★★
k.A.
27.07.2026
ean-shopping.de
Die Biographie ist informativ und gut recherchiert, allerdings ist die Darstellung etwas sehr detailliert und könnte für einen schnellen Überblick etwas kompakter sein.
Schon 2006 erscheinen und 2007 mit einer zweiten Auflage geehrt ist Hartwin Brandts "Konstantin der Große - Der erste christliche Kaiser" 2011 nun in der dritten (Neu-)Auflage erschienen. War es 2006 das 1700jährige Jubiläum Konstantins erstmaliger Ausrufung zum Kaiser dürfte die Neuauflage 2011 halb den vergriffenen früheren Ausgaben und dem 2012 folgenden ebenfalls 1700jährigen Jubiläum der Schlacht an der Milvischen Brücke geschuldet sein.Nun gibt es viele auch im Umfang ähnlich geratene Konstantin-Biografien, die ebenfalls den Anspruch erheben als Überblicksdarstellung und Einführungsliteratur dienen zu können, Hartwin Brandts versucht von diesen abzuheben indem der Atlhistoriker den Ansatz gewählt hat Konstantin vom durch christliche Chronisten geschaffenen mythologischen Überbau zu entkleiden. Daher wird Konstantins Abstammung und Sozialisierung nur gestriffen, womit Brandt das wahre Leben des Kaisers mit dessen politischer Geburt im Herbst 306 im heutigen York beginnen lässt, wo er sich von seinen Truppen erstmals zum Augustus ausrufen ließ und damit zum Herausforderer der etablierten Tetrarchie wurde. Diesen Angriff auf die etablierte Hierarchie bezeichnet Brandt als Konstantins Rubicon, doch bis zur Alleinherrschaft war es für den Sohn des ehemaligen Augustus und Cäsars Constantius ab da noch ein weiter Weg.Um der tendenziösen Geschichtsschreibung (die auch in manchen mit historischen Inhalten garnierten Bestseller-Romanen jüngeren Datums Eingang gefunden hat) stellt Brandt allerdings klar, dass Konstantins Usurpation ein Angriff auf ein nach jahrelangen Bürgerkriegen und blutigen Umsturzversuchen etabliertes Herrschaftssystem war, das es ermöglichen sollte unblutige Regierungswechsel und eine effizientere Regierung des Imperiums zu ermögliche, indem den beiden Augusti und ihren Cäsaren je eine Hälfte des Reichs zugewiesen wurde. Der Vereinnahmung Konstantins als Vorkämpfer des Christentums verwehr sich Brandt jedenfalls vehement, den qualitativen Sprung zum Unterstützer wenn nicht gar Anhänger des Christentums sieht er erst bei dessen "Vision" vor der Schlacht gegen Maxentius nahe der Milvischen Brücke gekommen. Wenngleich die Tetrarchen einen großen Anteil an der Christenverfolgung hatten, hält es ihnen Brandt zu gute dass sie nach Konstantins eigenmächtiger Kaiserkrönung zu keiner Militäraktion schritten, sondern ihm das Cäsariat anboten. Obwohl die auf heidnischen Fundamenten ruhende Tetrarchie eigentlich keine Verwandten ehemaliger Cäsaren und Augusti zu berufen pflegte. Erst der Sohn Kaiser Maximians, Maxentius, der ebenfalls das Kaiserpurpur anlegte, aber von der Tetrarchie nicht mehr anerkannt wurde sollte die Tetrarchie in eine Krise stürzen.Brandts Bestrebungen seine Biografie von eigener wie fremder Dichtung um Konstantin möglichst frei zu halten, mag manchmal so wirken als ob es ihm schlicht nur an Quellen gemangelt hätte, doch der Ansatz ist für eine Überblicksdarstellung durchaus auch zielführend. Es bleibt bei einem Überblick und tatsächlich kann man auch so Interesse wecken, wenn dem Leser das Gefühl erhalten bleibt als wäre das Thema in manchen Bereichen etwas zu oberflächlich abgehandelt worden. Das christliche am ersten christlichen Kaiser deutet Brandt durchaus auch als Ausdruck Konstantins Pragmatismus an, wenn der pontifex maximus zwar mit seinem kirchenpolitischen Engagement die blutigen Zerwürfnisse des Christentums zu lösen versuchte, wie den arianischen Streit oder die Umtriebe der Donatisten Nordafrikas, wozu er auch das erste ökumenische Konzil der Weltgeschichte in Nicäa einberief, doch zugleich verzichtete er auf eine positive Diskriminierung christlicher Applikanten bei der Besetzung von Posten in Armee und Verwaltung.- Resümee -Gerade mit der Schilderung Konstantins Aufstiegs zur Alleinherrschaft und seiner Politik sind Brandt höchst interessante Abschnitte gelungen. So wirklich neu konnte er die Person und Ära Konstantins jedoch nicht inszenieren. Um einen Überblick zu erhalten ist das Werk allemal einen Blick wert.[Diese Rezension basiert auf einem kostenfreien Rezensionsexemplar]