★★★★★
k.A.
13.07.2026
ean-shopping.de
Dieser Band bietet eine spannende Fortsetzung der Carl Mørck-Reihe und hält das Thriller-Genre gut am Laufen. Allerdings empfand ich die Handlung in diesem Fall als etwas weniger fesselnd als die vorherigen Bände.
Über Inhalt bzw Handlung des siebten Falles von Carl Moerk und dem Sonderdezernat Q haben andere Rezensenten schon ausreichend geschrieben, so dass ich mich auf meine Rezension konzentriere.Um es mal vorweg zu nehmen: das einzige Manko an diesem Roman ist, dass ich so lange darauf warten musste. Ansonsten bin ich restlos begeistert, wie Jussi Adler-Olsen es versteht, seinen Personen immer mehr Tiefe, Vielschichtigkeit und Profil zu geben und dabei gleichzeitig einen durchaus komplexeren Kriminalplot so dermaßen elegant zu verweben.In "Selfies" konzentriert er sich oberflächlich gesehen auf Rose, deren Spleenigkeiten und Launen in den bisherigen Romanen eher als Nebenhandlung liefen. Als Leser nimmt mich Adler-Olsen auf eine Reise in die Vergangenheit von Rose und enthüllt eine so tragisch-traurige wie faszinierende Biographie einer unglaublich starken Frau, die aber nun über ihre psychischen Grenzen hinaus gestoßen wird - mit fatalen Auswirkungen auf sie selbst, aber auf das gesamte Team des Sonderdezernat Q. Alleine dieser Handlungsstrang ist in seiner Art den Kauf des Romans wert. Denn Adler-Olsen entwickelt dadurch gleichzeitig auch die Charaktere von Carl, Assad und vor allem dem bisher eher unscheinbaren Gordon weiter. Und die drängendste Frage, die sich aus diesem Teil der Story in "Selfies" sich für mich ergeben hat, ist die Frage, was für ein Schicksal sich der Autor für Assad überlegt hat und welche Geheimnisse womöglich sogar Gordon mit sich herum trägt.Neben dem Fall (und das ist doppelsinnig gemeint) von Rose, beschäftigen sich Carl und sein Sonderdezernat zudem mit gleich einer ganzen Reihe von Straftaten. Und mir gefällt ausgesprochen gut, wie geschickt Jussi Adler-Olsen zwei Morde aus der Vergangenheit mit dem Totschlag einer älteren Frau, einer Mordserie, einem bewaffneten Raubüberfall und einem dort in unmittelbarer Nähe stattgefundenen weiteren Mord in der Gegenwart miteinander verknüpft. Und selbst teilweise sehr unwahrscheinlich anmutende Zufälle dabei fügen sich passend in die Gesamthandlung ein. Ich empfand es dabei eher von Vorteil und sogar als besonders reizvoll, dass man als Leser sehr früh Täter und viele der Zusammenhänge zwischen den einzelnen Straftaten kennt. Denn dadurch wird die Suche und die harte Ermittlungsarbeit eher noch viel kurzweiliger und spannender. Lediglich der kleine Nebenstrang mit einem Fernsehsender, der die Arbeit der Ermittler begleiten soll, hätte es aus meiner Sicht nicht gebraucht."Selfies" ist für mich vom Anfang bis zum hoch dramatischen Ende ein exzellenter Pageturner. Kritiken, die diesen siebten Fall als langweilig und enttäuschend betitulieren, kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Die Sonderdezernat Q - Romane sind keine Actionthriller, sondern leben in erster Linie von den liebenswerten und vielschichtigen Charakteren und von Fällen, die sicherlich in die Abgründe von Menschen blicken lassen, aber weitestgehend auf dramatische Action um der Action Willen verzichten. Jussi Adler-Olsen lässt uns nun schon sieben Roman lang an der Entstehung eines Kunstwerkes teilhaben - Fall für Fall schärfen sich die Konturen, prägen sich die Farben aus und entwickelt sich ein großes Ganzes. Hoffentlich dauert es noch einige Fälle, bis das Kunstwerk fertig ist. Wenn es denn doch nur nicht so lange bis zum nächsten Pinselstrich dauern würde.