Das vorliegende Buch ist in seiner Konzeption und Aufmachung schon ziemlich einmalig und außerordentlich wertvoll. Es ist ein Buch für Menschen, die beruflich oder ehrenamtlich mit Bestimmung und Schutz von Fledermäusen zu tun haben, seien es Biologen, Naturschützer, Kartierer, Landschaftsplaner, Bauherren oder Ingenieure, und für alle Naturfreunde, die sich für Fledermäuse interessieren. Es liegt nunmehr in der zweiten Auflage vor. Diese Neuauflage ist keine komplette Überarbeitung, sondern im Grunde, so schreiben es auch die Autoren, eine durchgesehene, korrigierte und vor allem neu gesetzte Version. Der neue Textsatz ist auch die auffälligste Veränderung: er ist jetzt zweispaltig und mit einer kleineren Schrift, dafür in klarerem Druck gesetzt. Für die Fotos steht damit mehr Platz zur Verfügung, und so sind diese durchgehend größer abgedruckt als in der ersten Auflage von 2014. Inhaltlich ist das Buch auf nach wie vor höchstem fachlichen Niveau.Da das Buch nur wenige wesentliche inhaltliche Änderungen erfahren hat, erlaube ich mir, meine Rezension der ersten Auflage - mit wenigen Änderungen - an dieser Stelle zu übernehmen.Zunächst wird in den einleitenden Kapiteln auf rund 40 Seiten grundlegend auf den Körperbau, Flug, die Lebensräume sowie die aktuellen Gefährdungsursachen der Fledermäuse eingegangen. Dies sind insbesondere Veränderungen und Zerschneidungen der Lebensräume, Straßenverkehr und - trotz anderslautender Behauptungen - auch Windenergieanlagen, an denen jagende oder wandernde Fledermäuse ums Leben kommen können, bis hin zu Sanierungsmaßnahmen an Gebäuden, durch die Quartiere zerstört werden können. Schutzmaßnahmen werden entsprechend abgeleitet und ihre Wirkungsweisen erläutert. Die - jahreszeitlich unterschiedlichen - Quartiere und ihre Funktionen werden anschließend auf ca. 25 Seiten ausführlich beschrieben.In einem weiteren Kapitel werden aktuelle Forschungen und Methoden zur Bestimmung der Fledermäuse beschrieben. Darunter fallen auch detaillierte Hinweise zum Fangen. Telemetrie, Markierung, Lichtschranken und Fotofallen werden erläutert. Unter der Überschrift "Fledermäuse hören" werden die Echoorientierung der Fledermäuse und die Bestimmung mittels Bat-Detektor - mit detaillierter Beschreibung und Darstellung von Sonagrammen - erläutert. Diese geschilderten Methoden werden vermutlich eher unter Profis Anwendung finden, sind aber auch für Laien verständlich dargestellt. Darüber hinaus wird die Artbestimmung anhand von Fledermauskot und -haaren sowie nach den Winterquartieren erläutert. Die Beschreibungen dieser Bestimmungsmöglichkeiten sind außergewöhnlich und gehen weit über das hinaus, was bislang in Fledermausführern zu finden war. Mithilfe einer Vielzahl von Fotos und Grafiken werden die textlichen Erläuterungen eindrucksvoll illustriert.Es folgt der Bestimmungsteil, beginnend mit einem Kurzbestimmungsschlüssel für die Bestimmung in der Hand. Darauf folgt ein außerordentlich umfangreicher und wiederum reich illustrierter Bestimmungsschlüssel nach den äußeren Kennzeichen. Der Schlüssel ist nach den Familien gegliedert. Die Kennzeichen der Familien werden jeweils einführend erläutert. Anschließend wird auf Basis eines dichotomen Schlüssels die Bestimmung bis zur Art ermöglicht. Dieser Bestimmungsschlüssel ist logisch, nachvollziehbar und zielführend. Auf der jeweils linken Textseite finden sich die verbalen Schlüssel. Auf der rechten Seite sind Fotos gegenübergestellt, auf denen die Vergleichsmerkmale der Arten detailliert dargestellt sind. Der Bestimmungsschlüssel umfasst 30 Seiten. Er wurde einschließlich Fotos aus dem "Handbuch der Fledermäuse Europas und Nordwestafrikas" (DIETZ, HELVERSEN & NILL, 2007; Neuauflage 2016 von DIETZ, NILL & KIEFER) übernommen und um die nordwestafrikanischen und sonstigen exotischen Arten, die hier nicht relevant sind, gekürzt.Dann folgen die Artkapitel auf 186 Seiten. Auf in der Regel vier - mitunter bis zu sechs - Seiten werden alle 44 bis 2014 in Europa nachgewiesenen Fledermausarten umfassend portraitiert; insofern keine zusätzlichen Arten im Vergleich zur Vorauflage. Bei den Fransenfledermäusen haben sich unterdessen neue Artzuordnungen ergeben. In manchen Fällen herrschen noch Unklarheiten bei den Artenzugehörigkeiten, auf die auch jeweils eingegangen wird. Auf die detaillierte Beschreibung noch nicht eindeutig abgetrennter Arten wird aber verzichtet. In jedem Portrait finden sich ausführliche Angaben zur Verbreitung - die Verbreitung wird jeweils anhand recht guter und aktueller Karten grafisch dargestellt. Außerdem werden Kennzeichen und Unterscheidungsmerkmale von ähnlichen Arten aufgeführt. Es folgen Beschreibungen der Ortungslaute, Angaben zu Lebensraum und Quartieren, zu Verhalten und Fortpflanzung, zum Nahrungserwerb (Jagd) und zur Nahrung, zur Raumnutzung - mit Angaben zu den teilweise überraschend weiten Wanderungen, und auch zur Gefährdung. Interessant: Am Ende eines jeden Artkapitels steht ein Katalog von offenen Fragen, auf die Forschung und Wissenschaft noch Antworten suchen. Diese Artportraits sind überaus informativ und spannend.Jede Art wird außerdem mit mehreren, sehr guten Fotos portraitiert. Viele der Fotos wurden aus dem bereits zitierten "Handbuch der Fledermäuse Europas und Nordwestafrikas" übernommen; zum Teil sind sie hier seitenverkehrt abgedruckt (warum?). Die Texte der Artkapitel sind ebenfalls wörtlich übernommen - und, wo erforderlich, aktualisiert - aus dem schon bekannten "Handbuch". Teilweise sind sie gerafft oder gekürzt, da hier nicht so viel Raum zur Verfügung steht wie im "Handbuch". So fehlen hier z. B. die Angaben zum maximalen Alter.Zu jeder Familie bzw. Gattung werden weitere verwandte, in angrenzenden Gebieten (Makaronesische Inseln, Nordafrika, Kaukasus, Naher Osten) vorkommende Arten in Kurzform mit Portraitfoto vorgestellt. Insgesamt werden so zusätzliche 33 Arten beschrieben.Der Verlag hätte m. E. getrost einen Hinweis auf die Quelle der Texte geben können, denn so entsteht der Eindruck, als handele es sich um zwei komplett verschiedene Bücher. Und das sind sie definitiv nicht! Ich halte es durchaus für legitim, wenn das "Handbuch" sozusagen auf geländetaugliches Format eingedampft wird - unter Beibehaltung der außerordentlich hohen Qualität und des jederzeit gewährleisteten Praxisbezugs - und mit aktuellen Ergänzungen versehen! Vielmehr ist es doch sehr löblich, die Informationsfülle des "Handbuchs" für die praktische Arbeit im Felde nutzbar zu machen! Das Buch ist somit gewissermaßen der "Kleine Bruder" des "Handbuchs der Fledermäuse Europas und Nordwestafrikas" aus dem gleichen Verlag.Auf den Innenseiten der Umschlagklappen werden die zwölf in Europa vorkommenden Gattungen zur schnellen Orientierung kurz vorgestellt. Es wird angegeben, wie viele Arten in Europa und weltweit vorkommen. Exemplarisch ist jeweils ein Foto abgebildet und typische Gattungskennzeichen werden benannt. Seitenverweise führen zu den Artenbeschreibungen im Buch.Wirklich neu ist, dass über die homepage des Verlags ein begleitendes, 75 Seiten umfassendes PDF-Dokument heruntergeladen werden kann, welchem zusätzliche Informationen zu Unterarten, zu Populationsgrößen, zur Biologie, Höchstalter, Schutzmaßnahmen, und vor allem Literaturhinweise zu entnehmen sind. Mit diesem Dokument werden die QR-Codes ersetzt, die in der Vorauflage enthalten waren, und durch deren Nutzung das Lesen immer unterbrochen war. Jetzt allerdings muss man sich das Dokument entweder ausdrucken oder aber immer eine digitale Lesemöglichkeit neben dem Buch nutzen.Ein rein "äußerlicher" Kritikpunkt: Das Buch ist leider nur in Klappenbroschur erhältlich. Ich meine, es hätte durchaus einen festen Einband verdient.Fazit:Mit diesem Buch "Die Fledermäuse Europas" wurde das ""Handbuch der Fledermäuse Europas und Nordwestafrikas" für den Gebrauch im Feld entsprechend dem derzeitigen Kenntnisstand angepasst und mit Kapiteln über aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse und Methodiken ergänzt. Alles in Allem ist dieses Buch über die Bestimmung, die Biologie und Ökologie sowie den Schutz der Fledermäuse nach wie vor höchst informativ, aktuell, wissenschaftlich fundiert, absolut praxistauglich, umfassend und verständlich und mit außerordentlich guten Fotos und Grafiken ausgestattet. Mit solch einem Buch zu arbeiten macht einfach Spaß! Dieses Buch kann ich uneingeschränkt empfehlen und vergebe dafür mit voller Überzeugung und großer Freude die fünf Sterne! Mehr kann man leider nicht vergeben.Sollte man sich die Neuauflage nun anschaffen? Ich meine, wer die Vorauflage von 2014 besitzt, muss das Buch nicht unbedingt erwerben, denn die inhaltlichen Aktualisierungen sind überschaubar. Änderungen sind vor allem im Layout zu finden: größere Fotos bei kleinerer Schrift. Man möge selbst entscheiden, was man bevorzugt. Das ergänzende PDF-Dokument jedenfalls kann auch ohne Erwerb des neuen Buchs auf der homepage des Verlags unter der entsprechenden Produktseite heruntergeladen werden. Wer das Buch allerdings noch nicht besitzt, der sollte unbedingt zugreifen.Ein geniales und wunderbares Buch!Anmerkung zum Schluss: Der Verlag bzw. Amazon bewirbt das Buch leider mit irreführenden Angaben.1. Der auf dem Buch abgedruckte Titel ist ein anderer als in der Produktbeschreibung.2. Nicht 46, sondern 44 Arten werden portraitiert. Auf dem Titel meines Exemplars steht nicht " Alle 46 Arten", sondern "Alle Arten".3. Die angeblich "6 neu beschriebenen Arten" finden sich nicht in den ausführlichen Portraits, sondern maximal im Kleingedruckten unter den Hinweisen zu nicht eindeutig bestätigten Artzuordnungen.4. Dass jedes Jahr neue Arten entdeckt werden, mag stimmen. Im Buch werden aber nicht mehr Arten vorgestellt als in der Auflage von 2014.5. Das Buch hat 400 Seiten zzgl. Umschlaginnenseiten, nicht aber 416.Unabhängig davon ist das Buch aber absolut empfehlenswert!!