★★★★★
k.A.
14.06.2026
ean-shopping.de
Diese Gebrauchsanweisung ist wirklich faszinierend und eröffnet eine ganz neue Perspektive auf das Baltikum, ich bin absolut begeistert von der Tiefe der Informationen. Ein tolles und lehrreiches Taschenbuch für jeden, der mehr über die Region erfahren möchte.
Da ich im kommenden Sommer zum dritten Mal ins Baltikum reisen möchte, habe ich mir zur Einstimmung dieses Buch gekauft und sofort mit dem Lesen begonnen.Und muss jetzt leider etwas schreiben, das ich nur selten von mir gebe, schon alleine, weil ich viele Bücher, auch wenn sie mich nerven, TROTZDEM fertiglese, aber: Bei diesem Buch hatte ich nach drei Kapiteln echt keine Lust mehr.Zunächst einmal hätte ich mir von einer professionellen Journalistin einen besser strukturierten Text mit einem interessanten roten Faden erwartet. Dieser fehlt hier völlig. Ja, die Kapitel sind zwar sehr grob nach thematischen Gesichtspunkten zusammengestellt, aber die Autorin monologisiert innerhalb der Kapitel leider größtenteils nur vor sich hin, springt auf teils unnachvollziehbare Weise zwischen den Themen hin und her, wirft mit Zahlen um sich, und dass sie dabei versucht, drei - wie sie selbst sagt - sehr unterschiedliche Länder irgendwie unter einen Hut zu bringen, tut das Übrige. Wenn das Ganze zumindest sprachlich bzw. stilistisch so interessant wäre, dass man das Buch meinetwegen als Essay betrachten könnte, dann wäre das ja noch okay ... Ist es allerdings nicht.Das Zweite, was mich an dem Werk massiv stört, ist der mal hochnäsig anmutende, mal larmoyante Ton des Textes. So richtig kann ich der Autorin nicht glauben, dass sie diese Länder bzw. die Menschen dort wirklich mag. Unter anderem erhebt sie den Vorwurf, "die Balten" (übrigens ein mehr als verzichtbarer Begriff, wie ich finde) würden immer so so naturverliebt tun, aber andererseits die Natur der drei Länder zerstören bzw. den Umweltschutzgedanken nicht vollständig umsetzen. Natürlich kann man so etwas kritisieren, aber ein "baltisches" Unikum ist dieser Widerspruch ja wohl wirklich nicht.Sie schreibt außerdem, die Natur des Baltikums sei für Besucher oft "enttäuschend" im Vergleich mit "spektakuläreren" Landschaften Europas - nun ja, das ist natürlich etwas sehr Subjektives, aber es ist schade, dass die Autorin diesen Gedanken so lang ausbreitet, anstatt die Besonderheiten der Landschaft(en) herauszuarbeiten. Was sie zwar - in einem Absatz - durchaus versucht, aber es geht irgendwie schief ("Der Duft dieser Landschaften" wird angesprochen, aber das ist dann auch schon alles). Etwa, dass es gerade das Besondere vieler Nationalparks des Baltikums ist, dass Natur- und Kulturlandschaft auf spannende Weise miteinander verwoben sind ... Für mich macht unter anderem dies die Faszination und die Eigenheit der Natur in Estland, Lettland und Litauen aus. (Abgesehen davon ist es mir aber ohnehin lieber, wenn Touristen, die immer was "Spektakuläres" brauchen, woanders hinfahren als ich ...)Dazu kommen inhaltliche Fehlgriffe wie, dass Estnisch und Finnisch wechselseitig verständlich seien (beim Lesen vielleicht teilweise, aber sonst eher nicht) oder die seltsame Angewohnheit, die Frau Herre mit anderen Autoren teilt, zu schreiben dass ehemals ostpreußische Städte "auf Litauisch" so-oder-so heißen - was mir im Hinblick auf die jüngere Geschichte der baltischen Länder (Empfehlung dazu: die Okkupationsmuseen in Rīga und Tallinn) einfach unangenehm aufstößt. Heutzutage muss das wirklich nicht mehr sein.Zusammengefasst: Lesegenuss sieht leider anders aus. Sehr schade.