★★★★★
k.A.
23.05.2026
ean-shopping.de
Dieser Taschenbuch-Ausgabe von Kaiser, Alfons: Karl Lagerfeld ist absolut fantastisch und ein Muss für alle Fans von Karl Lagerfeld. Die Gestaltung ist wunderschön und die Inhalte sind sehr ansprechend.
★★★★★
k.A.
23.05.2026
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Das Buch hat eine angenehme Lesbarkeit, die auch bei gedämpftem Licht gut funktioniert. Der Abstand zwischen den Zeilen ist gut gewählt und macht das Lesen ohne Ermüdung möglich.
An biographischen Darstellungen hatte es bereits zu seinen Lebzeiten nicht gemangelt. Bekannt ist etwa Paul Sahners „Karl“, aus dem im hier vorliegenden Buch gerne und viel zitiert wird. Damit sei bereits auch der erste Einwand genannt: Alfons Kaiser greift an vielen Stellen (dazu oft unnötig!) auf fremde Publikationen, TV-Interviews und Zeitungsartikel zurück, was diverse Vermutungen bezüglich des Lebens des berühmten Modeschöpfers „wissenschaftlich“, durch vermeintlich objektive Verweise belegt, erscheinen lassen soll. Die „Anmerkungen“ am Buchende mit den vielen Fußnoten, in denen solche Tatsachenbehauptungen belegt werden, umfassen stolze 40 Seiten.Und doch macht es Spaß, Kaiser zu lesen. Die Legendenbildung des Karl Lagerfeld wird geradezu mustergültig bis in dessen Kindesjahre zurückverfolgt (wenngleich einige Details, wie etwa der Besuch eines Lycée in Frankreich, vollständig fehlen). Dabei bringt der Autor eine eigene Rechercheleistung durchaus hervor. Einerseits sind es eigens geführte Gespräche mit entfernten Verwandten und Wegbegleitern, andererseits wurden von ihm Dokumente gesichtet, die Neues zu Tage gefördert haben. Die nicht allzu überraschende, und doch sensationell wirkende Nachricht, die Eltern von Karl Lagerfeld seien Mitglieder der NSDAP gewesen, ist Kaisers Recherchen zu verdanken. Wohl vor diesem Hintergrund heißt der Untertitel „Ein Deutscher in Paris“. Kaiser glaubt nämlich darlegen zu können, dass Lagerfeld mit seinem Deutschsein gerade wegen der in den Nationalsozialismus verstrickten Eltern haderte. Zeitweilig behauptete er, sein Vater wäre Däne gewesen, und er selbst sei nicht im fatalen Jahr 1933, sondern 1938 geboren. Die Koketterie mit dem eigenen Geburtsjahr, so die These, ist nicht auf medialen Jugendwahn, sondern eben auf den Versuch zurückzuführen, bei der eigenen Legendenbildung Abstand von der NS-Diktatur zu wahren.Der FAZ-Redakteur, der übrigens Lagerfelds Zeichnungen mit politischer Satire („Karlikaturen“) in seiner Zeitung betreute, versucht in dem Lebensweg des Modedesigners auch dessen homosexuelle Identität nachzuzeichnen. Kaiser schildert auf eine in keiner Weise naive oder simplifizierende Art, wie der alleinige Sohn des mächtigen Glücksklee-Fabrikanten im homophoben Umfeld des Nationalsozialismus Wege suchen musste, sich aus dem Korsett vorbestimmter konservativer Familienkonstellationen zu befreien und in das tolerante Paris zu fliehen. Die Mode (von der Lagerfeld später sagte, sie sei das einzige Milieu, in dem zwei Dinge nicht existierten: Rassismus und Homophobie) war damals für einen homosexuellen Mann eine der wenigen Möglichkeiten ungehinderter Selbstverwirklichung. Die auf den „Betrachtungen zur Schwulenfrage“ von Didier Eribon basierenden Analysen von Kaiser zeichnen sich durch ein hohes Maß an Feingefühl und emotionaler Intelligenz aus. Allein deshalb lohnt es sich, diese Biographie zu lesen.