★★★★★
k.A.
03.08.2026
ean-shopping.de
Dieses Buch bietet einen interessanten Einblick in die Korrespondenz zwischen Arno Schmidt und Hans Wollschläger, hat aber für manche Leser möglicherweise eine etwas zu spezifische Perspektive.
★★★★★
k.A.
03.08.2026
ean-shopping.de
Wir haben diesen Band für unsere Sammlung angefordert und ihn erhalten. Die Aufmachung wirkt etwas ungewohnt, aber die Druckqualität ist akzeptabel. Die Bindung hält den Inhalt in sich. Beim Durchblättern ist die Lesbarkeit gegeben, wenngleich die Darstellung noch etwas formell wirkt.
Vor 40 Jahren hatte ich Arno Schmidt Fieber. Das dauerte ein paar Jahre. Ich muss damals so ziemlich alles von ihm Erschienene besessen haben, von Hardcover Ausgaben der frühen Romane und Erzählungen über TB-Ausgaben der Radioprogramme bis zu den großformatigen Typoskripten, einschließlich Zettels Traum. Gelesen habe ich damals auch alles Erhältliche, bin aber in Zettels Traum halben Weges stecken geblieben. Dann passierte ein Unglück: weil ich beruflich in die Ferne umzog, auf Jahre, lagerte ich meine Schmidts ein. Außer Zettels Traum, weil ich das noch nicht fertig gelesen hatte. Dann brannte das Lagerhaus mit meinen Bücherkisten ab. Alles weg.Später konnte ich nicht umhin, die Verluste durch die sehr schönen und soliden Bände der Bargfelder Ausgabe zu ersetzen. Wirtschaftlich vernünftig war das kaum, aber was muss, das muss.Und nun kam, ungefähr zu meinem Geburtstag, der Briefwechsel mit Wollschläger heraus. Das musste natürlich auch her. Verstehen wird das nur wer den Arno Schmidt Virus hat oder hatte. Anderen kann man dieses Monstrum von 1030 Seiten kaum anraten.Mit dem jüngeren Lektor, Übersetzer, Autor, und Musiker Wollschläger verband Schmidt ein intensives und durchaus kritisches Interesse an Karl May. Zu Wollschlägers Buchveröffentlichungen zählt eine Karl May Biographie. Die beiden Männer korrespondierten über Jahre, und Karl May war das Schwerpunktthema. Wenn ich jetzt noch hinzufüge, dass ich vor 55-60 Jahren selbst im Karl May Fieber steckte, was so weit ging, dass ich als TV-Quiz-Kandidat mit Karl May Expertise auftrat, wird wohl jeder verstehen, warum ich mir dieses Buch zum Geburtstag schenken musste. Man gönnt sich ja sonst nichts. (Wer den Ursprung dieses charmanten Klischees nicht kennt, dem sei gesagt, dass der Satz einer Schnapswerbung entstammte. Zu den Ergebnissen von Schmidts Interpretation der Datenlage über May zählt auch die Überzeugung, dass der Mann Alkohol zur Stimulation der Arbeitsenergie brauchte. So wie er selbst.)Das Vergnügen bei der Verfolgung der schriftlichen Arbeitsbesprechungen (nicht nur May, sondern auch die Poe-Übersetzungen sind ein Dauerthema, sowie Schmidts Versuch, Wollschläger bei der Fertigstellung und Veröffentlichung seines Romans Der Fall Adams zu helfen) ist sicher weitgehend ein Insiderspass. Mitunter wird der Spaß durch Wollschlägers Jammerei und Spießbürgertum getrübt. Schmidt kommt in all seiner Überheblichkeit und Verbissenheit als der angenehmere Zeitgenosse herüber.Eine mir interessante neue Kleinigkeit: ich dachte bisher, Schmidt habe von meinem anderen Säulenheiligen Nabokov nicht mal Kenntnis genommen. Stimmt aber nicht. Ihm wurde das großartige Pale Fire zur Übersetzung angeboten. Er lehnte ab, weil ihm die Zeit knapp war und der Text zu schwierig erschien. Generell muss man ja leider sagen, dass Schmidts Begegnungen mit moderner Literatur kaum über Joyce und Kafka hinaus gekommen waren.
Bargfelder Ausgabe. Briefe von und an Arno Schmidt: Band 4: Der Briefwechsel mit Hans Wollschläger - amazon fragt mich, ob ich "mit dem Artikel zufrieden" sei... Ja, ich bin sehr, äußerst, ganz und gar, komplett und rundum zufrieden, nachdem ich ein Drittel des 1035-Seiten-Ziegels gelesen habe und bereits anfange ängstlich zu schielen, wieviele Seiten noch bleiben... Es ist aber ein ziemlich elitäres (Auflagenhöhe 2500 Ex) Lesevergnügen für fortgeschrittene Schmidtianer, man muß schon tief in den schmidtschen Kosmos eingedrungen sein sowie Spaß an geschliffener Sprache und Wortwitz haben, worüber beide Briefpartner gleichermaßen verfügen. Ein absolutes Muß für jeden ernsthaften Schmidt-Leser !
Tja, endlich sind auch diese Briefe zu lesen. Hat bald 30 Jahre gebraucht, aber jemand muss die Arbeit auch erst mal leisten.Da bezahle ich gern mal twas mehr.Es ist anfangs noch viel Sterilität im Briefwechsel, wird aber mit der Zeit umgänglicher.