Die Maximalbewertung muss ein Unikat bleiben. Dieses Buch hat sie jedoch aus meiner Feder verdient, allzumal es auch Privates in meinem Leben berührt. Sollte der Eindruck entstehen, dass ich hier etwas zu unkritisch werte, mag das ein klein wenig stimmen. Es schadet aber dem Bild nicht, da die kritischen und zumeist von wenig Kenntnissen durchsetzten Stimmen aus der deutschen Politik und deren medialem Tross ohnehin herabziehend genug wirken.Kurz erklärt: Ich war berufsbedingter Weltreisender, während einer Zeitspanne von 40 Jahren, davon mit Schwerpunkt Asien und speziell China von 30 Jahren. Nicht nur die erfolgte Marktführerschaft, sondern auch Gründung und Betrieb einer chinesischen Tochter (Maschinenbau) waren Resultat und Lohn der Bemühungen. Emotional noch eindringlicher mag meine Ehe mit einer gebildeten Chinesin (Dr. med. Zürich) wirken, welche noch dazu einen ähnlichen Altersunterschied zu mir, ihrem Ehemann, aufweist, wie dies bei dem Autorenpaar der Fall ist. Es gibt da sehr viel ähnliches, und so manch beschriebene Aussage von Frau Yin-Baron hat mich sehr amüsiert, weil ich das Gleiche bei Gelegenheit schon "zu Hause" (oder im Auto, wenn ich fluche!) zu hören bekam.Ich bekenne, dass ich mich ausgesprochen wohl dabei gefühlt habe, meine eigenen Erfahrungen mit Land und Leuten, meine Handlungen und meine Empfehlungen an Andere, so fulminant bestätigt sehen zu dürfen. Das passiert ja sonst nicht, wenn man so manchen von Unverständnis geprägten Pressekommentar liest oder sich entsprechende Politiker-Aussagen anhören muss. Die dummdreisten Sprüche eines ehemaligen deutschen Ministerpräsidenten und EU-Kommissars, Günther Oettinger, welcher noch 2016, Chinesen öffentlich als "Schlitzaugen" bezeichnet und sich über deren angeblich schwarzgefärbte Männerfrisuren amüsiert (ich hatte diese Episode gegenüber meiner Frau aus Scham über unsere deutschen politischen "Repräsentanten" bis zum heutigen Tag verschwiegen) , dürfte nur die Spitze permanenter Geringschätzung dank brüllender Unwissenheit darstellen.Obwohl es das Autorenpaar vermeidet, allzu kritisch in die deutsche und US-amerikanische Chinapolitik einzusteigen, ist ihre Unzufriedenheit, speziell aus der Einleitung und den letzten Kapiteln deutlich genug herauszulesen. Das Buch ist mit positivem Ansatz geschrieben und stellt damit genug an Kritik dar zum zumeist negativen Gerede im Westen, welches speziell einer Exportnation Deutschland unwürdig ist und kontraproduktiv wirkt.Das hohe errungene Selbstbewusstsein der erfolgreichen Regierungs-Generationen eines 1,4- Milliarden-Volkes seit Deng Xiaping, erlaubt diesem jedoch über das Gekläffe aus deutschen Ställen hinweg zu hören, wissend das so manches daraus tönt als panatlantischer Unterwerfungsakt zu verstehen ist.Das Buch lässt keinen Zweifel daran, dass China dank seiner großen, intelligenten und umtriebigen Bevölkerung die Zukunft gehört. Auch werden keine Vermutungen angestellt über Änderungen der Führungs-Philosophie und dem bisher maximal erfolgreichem Mix aus qualifizierter Steuerung und privatem Unternehmertum. Das militärische Engagement wird im Vergleich zur Hauptkonkurrentin, den USA, weiterhin weit unter deren eigenen Ambitionen bleiben und somit den Haushalt und Aufschwung nur geringfügig belasten. Deutschland ist zu empfehlen eine langfristige Partnerschaft anzustreben, u.A. mit der konsequenten Fertigstellung der Nord Stream 2 Gasversorgung und z.B. mit einem deutlichem Engagement an dem Projekt "Seidenstraße".
Ein sehr gutes Buch für alle, die sich bisher nur wenig mit China beschäftigt haben und auf den allerneuesten Stand des Wissens gebeamt werden möchten. Als langjähriger Kenner Südkoreas kam mir vieles in Barons Buch bekannt vor. Vorzüglich fand ich die geostrategische Bewertung. Da von anderen Rezensenten zu Recht die Vorzüge des Buches gerühmt worden, möchte ich hier auf das eingehen, was fehlt:1. Mir ist nach der Lektüre erst recht unklar, warum die allein herrschende KP Chinas weiterhin am für China fremden Marxismus festhält. Es gibt doch heute kaum ein kapitalistischeres Land als China. Und dass der Konfuzianismus als Grundeinstellung dominiert, ist eh klar. Möglicherweise markiert die gerade erfolgte Aufnahme der "Xi Jinping Gedanken" in das Parteiprogramm der KP den Beginn einer Abkehr vom überflüssigen Marxismus. 2. Die Autoren beschreiben, dass die meisten der 90 Millionen Parteimitglieder in die Partei eintreten um Vorteile in ihrem eigenen (kapitalistischen) Leben zu haben. Unklar bleibt, welche Erwartungen die chinesische KP an neue Parteimitglieder hat und wie man Parteimitglied wird.3. Wie Taiwan, Hongkong und Südkorea zeigen, schließen sich Konfuzianismus und Demokratie keineswegs aus. In Südkorea wurde die Demokratie durch den erstarkten Mittelstand gegen die brutale Militärdiktatur 1988 erkämpft. Warum soll das in der Volksrepublik China nicht auch gelingen?4. Umgekehrt hat sich Maos permanente Kulturrevolution auch auf den Kapitalismus ausgewirkt. Ich habe 35 Jahre in einem US-Konzern gearbeitet. Ca. alle 7 Jahre wurde die strategische Ausrichtung und Organisationsstruktur total geändert. Galt bis gestern A, sollte nun B gelten. D.h., nach 14 und 28 Jahren galt wieder A. Verkauft wurde uns das von der Unternehmensleitung mit dem Argument, die Kunden wollten es so. Die Kunden wollten aber lieber, dass ihr Ansprechpartner nicht ständig wechselt. Der einzige Effekt war daher, dass das mittlere Management ausgetauscht wurde und sich niemand sicher sein konnte, dort länger verweilen und Fett ansetzen zu dürfen. "Permanente Kulturrevolution" eben.5. Das rigide Schulsystem gibt es auch in Südkorea. Dort ist daher die Selbstmordrate sehr hoch. Zu China erfahren wir dazu nichts.Als weiter führende Lektüre empfehle ich das brandneue Buch "Chinas Bosse" von Wolfgang Hirn.