Der vorliegende Band nimmt seinen Ausgangspunkt beim musikalischen Potenzial von Elfriede
Jelineks Texten ihrer Arbeit mit dem Klang bzw. der Lautlichkeit von Sprache und dem
besonderen Fokus den sie auf Musikalität legt. Jelinek schafft in ihren Theatertexten
konsequent musikalische Strukturen u.a. durch die Arbeit mit polyphonen Textflächen und der
Rhythmisierung des Textmaterials. Die Grenzen zwischen Musik- und Sprechtheater sind dabei
immer schon fluktuierend - womit Jelinek die Regisseur*innen ihrer Theatertexte zu
musikalischen Inszenierungsformen herausfordert. Die Beiträge dieses Bandes diskutieren die
fließenden Grenzen zwischen Musik- und Sprechtheater im zeitgenössischen Bühnengeschehen sowie
aktuelle Tendenzen im Musiktheater und "musikalisierten" Sprechtheater. Untersucht werden
historische und gegenwärtige Formen der Verschränkungen von Theater und Musik sowie das
Zusammenspiel zwischen Text Musik und Szene. Angesichts von intermedialen u.a. auch mithilfe
künstlicher Intelligenz kreierten Formen welche die herkömmlichen Grenzen zwischen Schauspiel
Performance Videokunst und Musiktheater überschreiten wird der Frage nachgegangen ob nach
dem Sprechtheater nun auch die Oper im Begriff ist sich zu entgrenzen - und welche
musiktheatralen Formen in der Zukunft denkbar sind. Dabei wird auch der
gesellschaftspolitischen Status des Musiktheaters erörtert: Wie und auf welche Weise
interveniert die Oper in aktuelle politische Diskurse? Auf welchen Ebenen - der Musik der
Narration oder dem Bühnengeschehen - kann Oper politische Anliegen adressieren kritisieren und
womöglich subvertieren? In diesem Zusammenhang rücken historische und aktuelle Formen
nicht-europäischer Musiktheaterformen in den Fokus: Am Beispiel China wird der Kulturtransfers
zwischen Europa und anderen musikalischen Traditionen diskutiert und gefragt wie die
wechselseitige (produktive) Übernahme fremder Kulturelemente für eine neue offene und
egalitäre Oper fruchtbar gemacht werden kann.