★★★★★
k.A.
25.07.2026
ean-shopping.de
Dieses Buch ist eine unglaublich bewegende und eindringliche Geschichte, die mich tief berührt hat. Die Darstellung der Erfahrungen von Hella Pick ist sehr lebendig und fesselnd.
Die österreichisch-britische Journalistin Hella Pick (*1927) erinnert sich in ihrer Autobiographie an ihr aufregendes Leben: Sie entkam dem Holocaust dank einem der Kindertransporte nach England und überlebte, zusammen mit ihrer Mutter, den Krieg im Lake District an der nordenglischen Westküste bei Windermere. Die aus dem wohlhabenden Bürgertum stammende Mutter musste sich als Haushaltshilfe durchschlagen, die hochbegabte Hella erhielt dank zahlreicher wohlmeinender Förderer eine exzellente Ausbildung, die ihr letztlich den Weg nach oben ebnete - was übrigens nichts an einer von Entbehrungen gezeichneten Jugend änderte.Pick startete Mitte der 1950er Jahre eine Karriere als Journalistin, die umso bemerkenswerter ist, weil sie nicht nur Exilantin, sondern auch noch eine Frau war. Sie beobachtete zunächst die Auflösung der englischen und französischen Kolonien und den Beginn der Unabhängigkeit westafrikanischer Staaten, berichtete danach viele Jahre über die UNO und die US-Politik. Ihr Urteil etwa über den künftigen US-Präsident Nixon:“Inzwischen verabscheue ich Nixon aus tiefster Seele. Die letzten paar Tage mit ihm waren unerträglich. Aus nächster Nähe ist er noch schlimmer als vermutet, so durchtrieben, so heimtückisch und gefährlich. Ich bedaure uns alle, dass er so gut wie sicher der nächste Präsident sein wird... Erträglich ist die Nixon-Kampagne für mich nur deshalb, weil ich im Mediencorps gute Freunde habe. Wir sind Verbündete in unserer Ablehnung dieses grässlichen Menschen.“Nach dem Watergate-Skandal neigte sich Nixons Amtszeit dem Ende, und Pick schreibt mit spitzer Feder über einen Gipfel zwischen Russland und den USA, der im Juni 1974 in Moskau stattfand:„Man kann durchaus behaupten, dass die Mehrheit der 300 Journalisten diese Reise in erster Linie aus Schadenfreude mitmachte und sich die Chance nicht entgehen lassen wollte, dem angeschlagenen Präsidenten dabei zuzusehen, wie er vergeblich einen Ausweg suchte.“Pick gibt noch zahlreiche weitere Anekdoten zum Besten, zum Beispiel über die Begegnung mit Willy Brandt, der sie in ihr Schlafzimmer einlud, damit sie in Ruhe reden konnten – was sie auch eine ganze Nacht lang taten, und zwar über Holocaust, Judentum und deutsche Schuld. Um nur ein Beispiel zu nennen, wie Pick mit wenigen Worten komplexe Bekannt- und Freundschaften elegant auf den Punkt bringt, oft auch witzig und mit viel Selbstironie.Hella Pick war ihr Berufsleben lang dem britischen „Guardian“ treu. Vielen älteren Deutschen ist sie vermutlich durch ihre Auftritte beim legendären internationalen Frühschoppen noch ein Begriff. Sie war und ist unabhängig, neugierig, aufgeschlossen, immer fair, kosmopolitisch und vorurteilsfrei, ein Vorbild für den Journalismus im Allgemeinen und ein Vorbild für alle Frauen, die Journalistin werden wollen.Sie setzte sich zu einer Zeit durch, als die meisten Frauen in Ehe und Mutterschaft ihr Glück fanden. Auch sie selbst hätte gerne Kinder gehabt, wie sie offen zugibt. Doch als junge Frau war sie zunächst sehr auf Erfolg und Unabhängigkeit konzentriert. Danach verzettelte sie sich mit einer jahrelangen, völlig aussichtslosen Affäre mit einem indischen Maharadscha.Später, schon über 40 Jahre alt, trieb sie eine toxische Liebesbeziehung zum berühmten Soziologen und Publizisten Sir Ralf Dahrendorf fast in den Selbstmord. Zum Glück ist es anders gekommen! Pick schreibt darüber fast leicht und locker, mit einer Abgeklärtheit, wie sie wohl nur die Weisheit des Alters hervorbringen kann. Ihr Buch ist übrigens ein Gegenentwurf zu Theo Sommers Erinnerungen, der hochtrabend versucht, aus seinem Leben ein politisches Vermächtnis zu machen.Pick dagegen resümiert weltpolitische Konflikte ebenso kurz und trocken, wie sie ihre Begegnungen mit berühmten Personen der Zeitgeschichte fast spielerisch einordnet. Man lernt nebenbei auch manches: Wer weiß heute schon noch, dass im UN-Sicherheitsrat einst die Republik China (=Taiwan) saß, und nicht etwa die autokratische Volksrepublik?Das Glück sei oft auf ihrer Seite gewesen, stellt sie am Ende von „Unsichtbare Mauern“ fest. Das Buch ist glänzend geschrieben und setzt vielen interessanten Menschen ein Denkmal – nicht zuletzt Hella Pick selbst. Unbedingt lesen!
Der Name Hella Pick war mir seit Jahrzehnten bekannt, weil sie (Schon in den Sechzigern) bei Werner Höfer sonntags im "Aktuelle Frühschoppen - Sechs Journalisten aus fünf Ländern) war. Insofern war das Buch ein MUSS für mich. Die lesenswerten Erinnerungen einer bedeutenden (Immerhin bei Werner Höfer gewesen) Journalistin aus vergangenen Zeiten. Naja, einfach mal selber lesen.