★★★★★
k.A.
22.07.2026
ean-shopping.de
Dieser Kriminalroman von Blanvalet ist absolut fesselnd und behandelt die Themen Tod, Trauer und den Verlust auf eine sehr bewegende Weise. Ich war tief in die Geschichte hineingezogen und kann ihn jedem empfehlen.
Wie ist es, ohne Vater und quasi ohne Mutter aufzuwachsen? Wie ist es, sich in der Schule ständig zu verstellen, weil man sich für seine Mutter, die ganzen Tag nur besoffen herumliegt, schämt? Wie ist es, wenn man nach und nach immer weniger Freunde hat, weil man niemanden mehr mit Heim nehmen kann? Charlotte Link erzählt es uns – und noch viel mehr.Eigentlich dreht sich in Die Entscheidung alles um Nathalie, aber Simon ist mindestens genauso wichtig für die Geschichte. Ihn erleben wir aus der dritten Person, und aus seiner Sicht erleben wir Nathalie. Aber dann gibt es noch Nathalie aus der ersten Person, in dem Strang rekonstruiert sie ihre Lebensgeschichte wie in einem Tagebuch. Nathalie ist der interessanteste Charakter in der Geschichte, weil er so gut gezeichnet ist, dass man als Leser mit ihm mitlebt, sich in ihn hineinversetzt – und der einem irgendwann auch so auf die Nerven gehen kann, dass man irgendwann nur mehr resigniert den Kopf schüttelt. Nathalie ist alles, nur sicher kein einfacher Charakter. Bei Simon ist es ähnlich, nur ist er nicht ganz so facettenreich. Er ist ein herzensguter Mensch, der es jedem Recht machen will und dabei ganz auf sich selbst vergisst. Dadurch gerät er mit Nathalie in einen Strudel voller Angst und Verzweiflung.Und dann gibt es noch die Geschichte rund um eine bulgarische Familie, die nicht mehr ein und aus weiß. Der Vater Kiril findet keine Arbeit und sitzt mit seiner Frau Ivana und fünf Kindern daheim, wo sie kurz vor dem Rausschmiss stehen, weil sie die Miete nicht bezahlen können. Plötzlich kommt eine Frau und bietet ihnen Geld für ihre Tochter, die eine große Karriere als Modell machen kann – ich denke, wir alle wissen, wo das hinführt.Die Entscheidung spielt kurz nach dem Terroranschlag 2015 in Frankreich, der Terroranschlag spielt zwar keine wesentliche Rolle, wird aber immer wieder erwähnt. Man erkennt von Anfang an, wo Charlotte Link mit der Geschichte hin will und ist auch sofort gepackt und bereit, sich mitreißen zu lassen, es herrscht von Anfang an eine unfassbare Spannung. Normalerweise lässt sich Link mit dem Aufbau der Geschichte etwas Zeit, nicht jedoch hier. Dabei thematisiert sie ein wichtiges und brisantes Thema, dem vonseiten der Medien, aber vielleicht auch von uns selbst, viel zu wenig Beachtung geschenkt wird, weil es einerseits ein gesellschaftlich nicht anerkanntes ist und andererseits „uns“ eh nicht betrifft.Negativ ist leider der Bulgarien-Strang, der von Anfang an vorhersehbar und ziemlich farblos ist, sowohl von den Figuren, die irgendwie alle gleich und weder Ecken noch Kanten haben, als auch von der Handlung her. Die Geschichte in Bulgarien ist top, aber wie sie gespielt wird ist eher flop. Auch mit dem Twist vor dem Showdown tut sich Link meiner Meinung keinen Gefallen – der macht die ohnehin komplexe Geschichte nur noch unnötig komplexer.Fazit: Die Entscheidung ist ein rundum spannendes und packendes Buch, das all meine Erwartungen übertroffen hat, mit einer brisanten Thematik aufwartet und zum Teil verdammt gut gezeichnete Charaktere bereithält.
Charlotte Link griff mit "Die Entscheidung" ein sehr brisantes Thema auf.In diesem Roman ist für mich Simon der eigentliche Held, der jedoch meistens sehr negativ dargestellt wird.Was hat er getan? Er ist von seiner ersten Frau und den Kindern getrennt, hat mit Kristina eine neue Freundin, für die er sehr widersprüchliche Gefühle hegt - und sie ebenso für ihn - in dieser Gefühlslage befindet er sich, als er eine im Nachhinein gesehene, schwerwiegende Entscheidung trifft.Eigentlich war er nur hilfsbereit und kümmerte sich mit Beschützerinstinkt um ein verstörtes junges Mädchen.Sie heißt Nathalie, hat eine trostlose Kindheit und Jugend hinter sich und entpuppt sich als schwieriger Charakter. Ihre ganze Entwicklung vom Kindesalter an wird sehr detailliert und meisterlich immer wieder beschrieben. Mit Nathalie ist Simon nun sozusagen in eine Schicksalsgemeinschaft geraten.Alle Versuche Simons, aus dieser Sache auszusteigen, ziehen ihn nur immer tiefer in eine mysteriöse Machenschaft hinein.Jeromé spielt die dritte Hauptrolle als zunächst kleinkrimineller Frauenheld, in den Nathalie hoffnungslos verliebt ist.Der ziemlich lange Strang der Geschichte, der bei ärmsten Leuten in Bulgarien spielt, die sich durch den angeblichen Modeljob ihrer hübschen Tochter ein besseres Leben ersehnen, ist im Winter angesiedelt und man spürt förmlich die unbarmherzige Kälte, die aus jeder Ritze und jeder Zeile zum Leser dringt.Ansonsten gibt es nur Dauerregen und schlechtes Wetter in Südfrankreich, dem Hauptszenario des Krimis. Dieses Klima unterstreicht extrem die Stimmung des ganzen Romans.Ich hätte mir mitunter, trotz aller Verzweiflung und Schwermut, gewünscht, auch von irgendeiner Figur zwischendurch etwas Humorvolles zu hören.Nach jedem Kapitel lässt die Autorin nochmal alle Erlebnisse und Schachzüge aus der Sicht von Nathalie wiedergeben.Diese Beschreibungen fand ich zunehmend ermüdend aber ein Buch mit über 500 Seiten will auch gefüllt werden.Das Ende war für mich als Leser so nicht vorauszusehen und kam daher sehr überraschend.Frau Link verstand es wieder einmal, alle Stränge zum Schluss zusammenzuführen zu einem respektablen Ende.Mein Fazit: ein brisantes und brillant ausgearbeitetes Thema, das durch zuviele Personen und Orte unübersichtlich und unnötig in die Länge gezogen wurde. Spannung erzeugten bei mir nur die ersten 100 Seiten und die letzten 75 Seiten. Ansonsten fehlten mir sogenannte Cliffhanger in dem großen mittleren Teil des Buches.Fans von Charlotte Link werden den Roman dennoch lieben.