Clara und Heinrich, ein Liebespaar, dass sich aufgrund ihrer Klassenunterschiede gezwungen sah unterzutauchen, blieb nur die Flucht in eine Dachstube übrig, in der sie nun fortan ein Leben in Einsamkeit und Armut führen sollten. Sich selbst genügend und von ihrer Liebe zehrend, haben sie sämtliche Beziehungen zur Außenwelt abgebrochen, um als Eremiten, Betrachtungen über die Welt anzustellen. Genau diesen Abbruch an Realität, verstehen die beiden mittels ihrer Einbildungskraft zu kompensieren, um ihrer Alltäglichkeit, das gewisse Besondere wieder zurückzugeben. Ihr Leben als Paradies bezeichnend, verleihen sie den Dingen einen romantischen Wert und spinnen sich ein märchenhaftes Leben, dass ihrer Zurückgezogenheit die nötige Magie verleiht.Indem sie ihr Dasein ästhetisieren, gelingt es ihnen, ihre Imaginationen über die Realität zu legen und ihrer Lebenslage zu trotzen. Ein Trotz, der jedoch zuweilen, von der Realität eingeholt wird, um sich dann in Form von fehlendem Brennholz bemerkbar zu machen und die schwelgenden Träumer aus ihrer Idylle erwachen zu lassen. Doch jede Not birgt wieder neue Möglichkeiten, der Situation etwas Erhabenes zu verleihen, auch wenn es nur die zu Brennholz verarbeitete Treppe ist. " Welch ein Künstleratelier, ist plötzlich aus unserm einsamen Zimmer geworden ", ruft Heinrich euphorisch aus, nachdem er das Holz in die richtige Größe gesägt hatte.Er sieht immer mehr als da ist und weiß die Leere durch die Ironie aufzufüllen, um sich künstlerisch über die Dinge zu erheben und sich nicht in ihnen zu verlieren. Heinrich versucht das Leben aus der Distanz zu sehen, seine Dunkelheit zu bewahren und die daraus resultierende, geheimnisvolle Schönheit durch " Schonung " zu bewahren. Es gilt das Geheimnis des Lebens vor dessen Analysierung und Rationalität zu behüten und es nicht " zu grell zu erleuchten ", wie es Heinrich poetisch formuliert. Die beiden Leben das Ideal der Indiviudualität und stellen ihre romantische Lebensauffassung, den nach Allgemeinheit strebenden Naturwissenschaften klar entgegen. Hinter diesem Hintergrund erscheinen die von Clara entdeckten Eisblumen, als Symbole für die Mannigfaltigkeit und Unendlichkeit der Wirklichkeit, oder wie sie es anhand der Liebe formuliert, " In der Liebe wird uns jene Ahnung recht deutlich [...] , dass das Individuelle, das Einzige, das Wesen, das Rechte, das Poetische und das Wahre sei ".Die Welt poetisierend, machen sich die beiden also warme Gedanken und verarbeiten aufgrund des eisigen Winters die Treppe zu Kleinholz, wodurch auch die letzte Verbindung zur Außenwelt kontinuierlich gekappt wird. Die Treppe stellt das Symbol, für den nach Wahrheit suchenden Menschen dar, den Rettungsring für die, die sich nicht der Ungewissheit, der Illusion oder der " unmittelbaren Anschauung " hingeben wollen, sondern mittels einer entmystifizierenden Wissenschaft, Sicherheit und Wahrheit, anstelle des Geheimnissvollen suchen. Auf diese Weise manifestiert sich die Treppe im Verlaufe der Handlung zum eigentlichen Protagonisten, wodurch zum Schluss wunderbare Dialoge entstehen, die vor Ironie und Komik nur so strotzen. Ludwig Tieck, der seine Novelle zu seinen gelungensten Werken zählte, ist leider nie zu der Popularität gelangt, die ihm eigentlich angemessen wäre, wodurch er leider im Schatten der anderen großen Romantiker zurückblieb. Dennoch ein großer Lesegenuss.
Die Geschichte trieft dermaßen von kitschig-romantischer Turtelei zweier Jungverliebter, die vor ihren böswilligen Familien geflohen sind, dass ich das Buch zunächst wieder beiseite legen wollte. Dann aber wurde immer deutlicher, dass Tieck dieses tausendfach bekannte Motiv überzeichnet. Er wieder zunehmend sarkastischer, wenn er in den Dialogen der beiden beweist, dass sie nichts mehr zum Glücklichsein bräuchten als ihre Liebe - das elterliche Vermögen, ihre Magd, alte Freunde und die Treppe ihres Hauswirtes. Tieck hat eine ziemlich gelungene Persiflage auf die Liebesromane damaliger Zeit geschrieben. Lesenswert.