Ich habe das zweite Buch von Ulrike Renk ("Die Jahre der Schwalben") zufällig entdeckt und es gekauft, obwohl ich wusste, dass es der zweite Band ist und ich den ersten nicht gelesen habe. Das Buch hat mir so gut gefallen, dass ich mir wenig später auch Band Nr. 1 und Nr. 3 besorgt habe. Der erste Band ("Das Lied der Störche") ist ebenso wunderbar, nur mit dem dritten Band ("Die Zeit der Kraniche") habe ich mir im Mittelteil etwas schwer getan. Die Zeit bis zum Ende des zweiten Weltkrieges wird, für meinen persönlichen Geschmack, etwas zu langatmig erzählt, tagtäglich geht es nur um Alltagsdinge, bald kann man den ewig gleichen Tagesablauf und die tagtäglichen Essenspläne schon nicht mehr lesen. Natürlich ist klar, dass es eine harte Zeit war, aber dafür gibt es eigentlich andere Bücher - und andere Genres. Insofern kann ich auch die enttäuschten Bewertungen, denen das ewige "essen, baden, trinken, essen, baden, trinken" schon gehörig auf den Geist ging, nachvollziehen.Trotzdem möchte ich allen drei Büchern fünf Sterne geben! Zwar hätte ich mir beim dritten Band gewünscht, dass die Zeit nach 1945 noch ausführlicher beschrieben wird, immerhin handelt es sich ja um eine Geschichte, die auf einer wahren Begebenheit beruht und die Menschen, von denen Ulrike Renk schreibt, bzw. deren Kinder und Enkel gibt es heute noch. Es wäre daher schön gewesen, zumindest teilweise noch mitzuerleben, wie es mit Frederike ab den 1950-Jahren weitergeht, wie sich ihre Beziehung entwickelt, was aus ihren Kindern wird... Vielleicht hätte man dafür im Mittelteil die Zeit bis 1945 etwas kürzen können, aber das ist sicher eine persönliche Geschmacksfrage."Der Abschied fällt schwer", so schreibt es die Autorin in ihrem Schlusswort. Ich kann dem nur zustimmen, eine wunderbare Trilogie, die mir wirklich wunderschöne Stunden beschert hat. Manche Bücher möchte man nach dem Ende am liebsten gleich wieder von vorne lesen - diese Ostpreußen-Saga zählt sicherlich dazu! Im Gegensatz zu sehr vielen anderen Autorinnen lässt es Ulrike Renk nicht dabei bewenden, über wichtige Zeitabschnitte in der Zeitgeschichte einfach hinweg zu schreiben, viele andere Bücher könnten im Grunde 1870 oder 1920 spielen, man würde es kaum bemerken (...), diese Autorin hingegen recherchiert immens genau und dafür gebührt ihr Respekt!Absolut top und ich hoffe, dass die neuen Bücher, die Ende 2018 bzw. Mitte 2019 erscheinen, mir wieder genau so viel Freude bereiten!
Der Roman setzt sich sehr engagiert mit der Lebenssituation während des Zweiten Weltkriegs auseinander. Die Personen sind sehr authentisch, die Handlung ist spannend und nachvollziehbar. So hätte das Leben auf dem Gutshof, die Verleumdungen und Bespitzelung, die Flucht und das Ankommen im Westen passieren können.Was mich ein bißchen beim Lesen stört, den Lesefluss etwas behindert, sind die stellenweise recht ausführlichen Ausführungen zur politischen Situation. Hier schwankt der Stil zwischen Geschichtsbuch und Roman. Ich kann das Bemühen der Autorin um Aufklärung über die gesellschaftliche Situation im Nationalsozialismus und nach dem Krieg und über die Greuel des Nationalsozialismus sehr gut verstehen. Aber es stellt einen Stilbruch dar. Ein ganz hervorragender Schriftsteller hätte diese Situation sicherlich geschickter gelöst. Nichtsdestotrotz habe ich die Trilogie gerne gelesen und werde sie auch weiterempfehlen.