★★★★★
k.A.
15.08.2026
ean-shopping.de
Eine wirklich fesselnde Geschichte, die mich von Hamburg nach Sydney mitnimmt; die Charaktere sind tiefgründig und die Handlung ist packend. Ich kann dieses Buch kaum weglegen!
1842: Hamburg brennt und in Othmarschen herrscht Unruhe in dreifacher Hinsicht. Die Flammen am Himmel, die näher zu kommen scheinen, Ascheregen und die Schmerzensschreie im Hause Bregartner.Anna Bregartner ist dabei, ein Kind zur Welt zu bringen. Es ist nicht das erste, aber die Geburt wird wohl wie in den meisten Fällen der vergangenen Jahre ablaufen. Am Ende wird wieder ein neues Kindergrab, wenn nicht Schlimmeres eintritt, auf dem Friedhof in Ottensen ausgehoben werden.Nur einmal war es bisher glücklicher verlaufen, denn die kleine Emilia hält sich jetzt die Ohren zu, um die spitzen Schreie ihrer Mutter nicht zu hören. Sie hat dem lieben Gott, wie es ihr in frühester Kindheit eingetrichtert worden war, so ziemlich alles versprochen, was ein Kind von 8 Jahren dem Herrgott versprechen kann, wenn er das Kind, zusammen mit ihrer Mutter überleben lässt, und wenn der Brand, der in Hamburg wütet, endlich aufhört.Auch wenn Emilia noch am gleichen Tag ihr Versprechen nicht einhält, ist Gott gnädig. Mutter und Kind überleben und der Brand in der Stadt erlischt. So mächtig scheint Gott aber doch nicht zu sein. Oder rührt ihn Emilias Schicksal nicht? Der Brand hat das beschauliche Leben in Othmarschen beendet. Onkel und Tante aus Hamburg ziehen notgedrungen auf dem Landgut der Bregartners ein, und Emilias Eltern wandern bald darauf mit dem kleinen Julius nach England aus. Sie lassen Emilia bei den ungeliebten Verwandten zurück.Recht viel Schlimmeres wird man einem Mädchen mit 8 Jahren wohl kaum antun können.So beginnt die Geschichte der Emilia Bregartner, die später Emilia Lessing heißen wird, denn sie heiratet, – aus Liebe, wie es allenthalben vorkommen soll – gegen den Willen von Onkel und Tante und gegen den Willen ihres Vaters, den Kapitän Carl Gotthold Lessing, einen Habenichts, zumindest in den Augen der Verwandtschaft.Mit diesem Mann geht Emilia heimlich auf große Fahrt und bringt ihr ersten Kind auf See zur Welt. Das Abenteuer auf dem Segelschiff und das Gebären, teils auf See, teils an Land gehen ungestüm weiter und enden erst, als Emilia mit der bereits vorhandenen Kinderschar, die sie später noch auf 8 ergänzt, in Australien sesshaft wird. Ihr Mann Carl Gotthold Lessing, übrigens mit dem Dichter Gotthold Ephraim Lessing verwandt, wird mit seinem Schiff weiterhin die Meere befahren und nur sporadisch in die Nähe von Sidney heimkehren, um den nächsten Familienzuwachs eine Weile auf seinen Arm zu nehmen …Der Wandel der Zeit macht aber vor den Weltmeeren nicht halt. Die Segelschiffe werden von Schiffen abgelöst, die riesige, schwarze Rauchwolken hinter sich herziehen. Emilias Töchter wachsen heran und sind bald dabei, mehr oder weniger ihr Glück auf dem fremden Kontinent zu machen. Der Kreis schließt sich aber erst, als Carola, Minnies Tochter und Emilias erste Enkelin wieder nach Europa zurückverfrachtet wird, obwohl sie so gerne hier in Australien bei ihrer Großmutter geblieben wäre.Fazit:„Die Australierin“ von Ulrike Renk ist zweifellos ein Frauenbuch. Die Handlung verläuft, wenn man die Hektik unserer Zeit und die Schrecken des vergangenen Jahrhunderts zum Vergleich heranzieht, eher beschaulich. Es ist aber auch eine Geschichte, die uns das Leid aufzeigt, welches das Leben den Menschen zufügen kann. Emilia war bereit, dies alles aus Liebe auf sich zu nehmen.Kaufempfehlung:Wenn Sie von knallharten Abenteuern, wilden Jagden in undurchdringlichen Wäldern lesen und träumen wollen, ist dieses Buch nichts für Sie. Wenn Sie aber an Glück und Leid teilnehmen wollen, und auch mal bereit sind, sich ihres Taschentuchs zu bedienen, um sich die Nase zu putzen oder kurz über die Augen zu wischen, dann kaufen sie sich dieses Buch.