★★★★★
k.A.
23.06.2026
ean-shopping.de
Dieses Taschenbuch ist ein wahres Meisterwerk und transportiert mich mitten in die glamouröse Atmosphäre von Berlin 1925, es ist absolut faszinierend! Die Darstellung von Anita Berber ist unglaublich lebendig und fesselnd.
Berlin 1925: Tänzerin und Schauspielerin Anita Berber, 26, ist in dritter Ehe mit dem US-amerikanischen Tänzer Henri Châtin Hofmann verheiratet und hat beruflich schon bessere Tage gesehen. Gesundheitlich auch. Die jahrelange Drogensucht fordert ihren Tribut. So wacht sie zum Beispiel eines Morgens auf und erkennt ihren eigenen Mann nicht. Wenn sie ihre Freundin und Managerin Susi Wanowski nicht hätte, wäre sie schon längst am Ende.Susi vermittelt ihr den Kontakt zum Agenten Benjamin Morgenstern, der ihr vorschlägt, mit orientalischen Tänzen aufzutreten. Anita ist nicht begeistert. Sie fühlt sich gekränkt. Für sie besteht ein himmelweiter Unterschied zwischen ihrer Kunst, die einen unbekleideten Auftritt erfordert und gewöhnlichem N a c k t t a n z. Und das, was Morgenstern ihr anbietet, fällt in die zweite Kategorie.Doch zunächst einmal steht ein Termin mit dem Maler Otto Dix an. Auch das hat Susi Wanowski eingefädelt. Dix will die Berber porträtieren. Sie trifft sich mit ihm und ist höchst überrascht, dass er sie in bürgerlicher Aufmachung und ohne das starke Bühnen-Make-up gar nicht erkennt. Er hat sie für eine junge Dame aus gutem Haus gehalten. Das ist sie ja auch!. Sie hat in Dresden die höhere Töchterschule besucht und war einige Monate im Internat eines Töchterbildungsinstituts in Weimar. Auch wenn sie sich manchmal vulgär gibt: Aus der Gosse stammt sie nicht.Anita wundert sich, dass Dix sich über sie wundert. Für sie ist „die Berber“ nur eine Rolle. Sie ist Anita, eine ganz normale, lebenslustige Frau.Dix‘ Gattin Martha, klug und pragmatisch, findet Anita Berber auch erstaunlich sympathisch und umgänglich. Sie hat kein Problem damit, die beiden drei Tage lang allein zu lassen. So lange soll Anita dem Künstler Modell stehen.Dix jedoch langweilt sich inzwischen mit Frau und Kind. In der Berber glaubt er, eine verwandte Seele zu erkennen, einen getriebenen Menschen, der, genau wie er, nur für die Kunst lebt und mit „normalen“ Maßstäben nicht zu messen ist. Auch er fühlt sich von seinem Umfeld missverstanden. Auch wenn Otto und Anita sich zueinander hingezogen fühlen und vieles gemeinsam haben – hätten sie denn zusammen eine Zukunft?Die Autorin nimmt sich ein paar dichterische Freiheiten, um uns eine Vorstellung davon zu geben, wie Anita Berber gewesen sein könnte. Was Dichtung und was Wahrheit ist, erklärt sie uns im Anhang. Für mich, die ich nur ein paar dürre Fakten über das Leben von Anita Berber kannte, liest sich die Geschichte plausibel. Und wer, nachdem er diesen Roman gelesen hat, mehr über die Protagonistin wissen möchte, kann gern den Literaturempfehlungen folgen, die die Autorin im Buch gibt.Was in den drei Tagen des Modellsitzens zwischen der Tänzerin und dem Maler vorgefallen ist, weiß man nicht. Vielleicht verlief die Sitzung wirklich so ähnlich wie Joan Weng es in diesem Roman beschreibt. Das Porträt gibt es, und Martha Dix wird schon einen Grund gehabt haben, sich so spitz über die Berber zu äußern, wie es überliefert ist.Überhaupt: Martha Dix! Sie spielt hier nur eine Nebenrolle, ist aber eine überaus interessante Frau mit einer für die damalige Zeit außergewöhnlichen Lebensgeschichte. Das gilt auch für die Galeristin Johanna Ey, ebenfalls eine historische Person. Schon verschwindet man als Leser:in im Kaninchenbau des Internets und sucht nach Informationen über die Eheleute Dix und „Mutter Ey“. Und, zack, ist man wieder ein bisschen schlauer geworden und verdankt das diesem unterhaltsamen und berührenden Roman.Für mich sind Romane über berühmte Persönlichkeiten immer so eine Art „Erstkontakt“ oder „Appetithappen“. Wenn ich dann finde, dass sich eine nähere Beschäftigung mit diesem Menschen lohnen könnte, mache ich mich auf die Suche nach weiterführenden Fakten. Von einem Roman erwarte ich gar nicht, dass er mir schon allumfassende Informationen liefert. Das ist nicht sein Job. Ein Roman soll uns unterhalten, vielleicht ein bisschen Stoff zum Nachdenken bieten und – im Fall dieses Genres – auf die reale Person neugierig machen. Das alles kriegt Joan Wengs DIE ROTE TÄNZERIN wunderbar hin.
Das Leben von Anita Berber und Otto Dix zusammengepresst auf ein paar Seiten. Mehr Bericht, aber kein unterhaltsamer Roman. Ich liebe die Bücher von Joan Weng, hab alle mehrfach gelesen. Dieses Buch ist eine Ernüchterung. Schade!