Dieses Buch entdeckte ich "zufällig" in unserer Bibliothek. Mir hat es sehr gut gefallen weil ich es einfach sehr interessant finde was R. Hey da über seine Jugend in der Nazizeit schreibt. Vor allem über den "inneren Widerstand". Deshalb habe ich das Buch dann auch gekauft,Mir hat auch seine Art zu schreiben gut gefallen, aber das ist ja nun Geschmackssache.Dass er das Weibliche als "erlösend" ansieht ist seine private Meinung/Erfahrung und keineswegs der Tenor dieses Buches!Es geht hauptsächlich um Erinnerungen.Übrigens- soweit ich mich erinnere endet auch Goethes "Faust Der Tragödie zweiter Teil" mit der Aussage "Das ewig Weibliche zieht uns hinan"--aber das nur am Rande.
Mir hat der Gedanke gut gefallen, dass so manche Erinnerung stets erhalten bleibt (auch wenn sie sich im Laufe der Zeit ändern mag), dass dagegen die Ereignisse selbst, die so eine Erinnerung überhaupt erst ausgelöst haben, einmalig und flüchtig sind. Hey sieht auch seine persönlichen Erlebnisse zum Kriegsende aus der Sicht seiner gebliebenen Erinnerungen und mischt sie geschickt mit aktuellen Stellungnahmen anlässlich der Ereignisse vom 11. September und dem Ende des Taliban-Regimes in Afghanistan. Der gediegene und zugleich schlichte Gestus, in dem das alles kommentiert und ausgebreitet wird, hat mir ebenfalls gut gefallen. Aber: Nicht so gut gefallen hat mir, dass eine grundsätzliche Minderwertigkeit des Mannes biologisch begründet wird (es liegt am Y-Chromosom) und zum Schluss ein geradezu hymnischer Ton aufkommt, der nahe legt, dass am weiblichen Wesen die Welt genesen soll. Nun ja: Die Schöne in Formalin muss ihn wirklich sehr beeindruckt haben.