★★★★★
k.A.
13.06.2026
ean-shopping.de
Eine schöne und authentische Sammlung von Katherine Mansfields frühen Kurzgeschichten, die gut in die deutsche Pension passt. Die Qualität der Texte ist hervorragend, allerdings sind die Drucke natürlich entsprechend dem Alter der Sammlung.
★★★★★
k.A.
13.06.2026
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Eine schöne und sammelwürdige Sammlung von Katherine Mansfields frühen Kurzgeschichten. Die Qualität der Texte ist sehr gut, allerdings ist die Bindung etwas alt.
Gerade erst 19 Jahre war Katherine Mansfield (1888-1923), als sie, aus dem fernen Neuseeland stammend, von ihrer Mutter in einer deutschen Pension in Bad Wörishofen einquartiert wurde. Sie sollte dort ihr uneheliches Kind zur Welt bringen, erlitt aber eine Fehlgeburt. Während dieses Aufenthalts und kurz danach sind die in diesem Buch enthaltenen 13 Erzählungen entstanden, von denen jede im Durchschnitt etwas länger als 8 Seiten ist. Mansfield selbst hielt dieses Werk später für „unreif“.In der vorliegenden englischsprachigen Ausgabe von Penguin Books ist ein Vorwort des späteren Ehemanns, J.M.Murry, enthalten, der meint, es sei vielleicht kein gutes, aber doch auf jeden Fall ein bemerkenswertes Buch für eine 19Jährige. In den meisten der Erzählungen gibt es eine Ich-Erzählerin, die sich als Engländerin offensichtlich allein unter Deutschen aufhält und eine Reihe von Vorurteilen ertragen muss. Laut Klappentext entstammen jene der Bourgeoisie, aber auch einige Adlige (zu denen man aufblickte, so in den Erzählungen „The Baron“ und „The Sister of the Baroness“) sind darunter.So kommt es, dass sich in diesem Buch mitten im englischen Text kursiv gedruckte Wörter wie „Herr Oberlehrer“, „Frau Oberregierungsrat“ oder „gnädige Frau“ befinden (was die Sprecherin des kostenlosen Audiobooks auf Youtube nur schlecht aussprechen kann). Katherine Mansfield hingegen schien sehr gut deutsch zu sprechen, was im übrigen von den Protagonisten in ihren Geschichten kein einziges Mal gelobt oder auch nur erwähnt wird, die stattdessen lächerliche Stereotype über die Engländer und die deutsche Überlegenheit von sich geben. Der Erste Weltkrieg war nicht mehr weit.An solchen Stellen bewegt sich Mansfields Ton zwischen sanftem Spott und bissiger Ironie. Dumpfer Nationalismus ist dabei nicht der einzige Punkt der Kritik. Stärker noch interessiert sich die Autorin für die Vorurteile, die die Rolle der Frau und des Mannes und das Kinderkriegen betreffen. „The Birthday“ ist die einzige Erzählung, die nicht in der bayrischen Kurstadt, sondern (dramatischer Wettereffekte wegen?) in einem Ort am Meer spielt. Dort bescheinigt der Arzt dem Mann der Frau, die ein Kind bekommt: „She’s got twice the nerves of you“ (p.73). Eine hypernervöse Frau hingegen steht im Mittelpunkt von „The Modern Soul“.Auch mit Reformbewegungen, die beispielsweise die Bedeutung von viel Bewegung an der frischen Luft hervorheben, setzt sich Mansfield auseinander – nicht nur in der witzigen Erzählung „The Luft Bad“. In „Germans at Meat“ outet sich die Ich-Erzählerin als Vegetarierin. Die Sympathie der Verfasserin gilt starken Frauen („A Blaze“), die bisweilen auch der Gewalt der Männer ausgesetzt sind. In der Erzählung „The Swing of the Pendulum“ entgeht die Erzählerin mit Mühe einer Vergewaltigung.Das ist zwar traurig, trotzdem habe ich das Buch mit großem Vergnügen und mit Gewinn gelesen. Es bietet einen interessanten Einblick, wie unsere Vorfahren vor mehr als 100 Jahren gedacht haben. Manche der Stereotype gibt auch heute noch (oder wieder?). Katherine Mansfield dagegen mutet außerordentlich modern in ihren Ansichten und in ihrer Schreibweise an. Auch wenn sie ihr Buch für nicht besonders gelungen gehalten hat, bewerte ich es mit 4 Sternen.