Das wurde aber auch Zeit! In auch für Laien verständlicher Schreibweise werden Entwicklungen auf dem Feld des Musiktheaters nach 1945 an Hand von zahlreichen Beispielen beschrieben und in Beziehung gesetzt. Dabei beschränkt sich der Autor in diesem Band auf Deutschland, Italien, Frankreich und Großbritannien. Tippett und Britten widmet er sogar eigene Kapitel. Ein weiterer Band ist geplant - vor 2007 darf man mit ihm jedoch wohl kaum rechnen (dann wird auch Nordeuropa beleuchtet). Wer sich für Oper interessiert, kommt an diesem dicken Wälzer nicht vorbei. Er liest sich unheimlich leicht und flüssig und ergeht sich nicht in dibeliusartiger Fachschweifigkeit (Ulrich Dibelius muss jetzt einfach mal herhalten für so etwas, aber natürlich hat auch er ein tolles Buch, eine Monographie über Ligeti, verfasst). Natürlich hat das Werk nicht den Anspruch, das Opernschaffen weit gehend abzubilden, aber man kann sagen, dass zumindest bezogen auf Deutschland, Italien und Frankreich die wesentlichen Komponisten genannt und besprochen werden. Erstaunlich ist, dass viele erst in 2005 aufgeführten Werke erwähnt werden (z. B. Shadowtime von Ferneyhough), Schreiber ist somit richtig aktuell. Übrigens vernachlässigt der Autor auch nicht Werke vor dem Kriegsende, so wird auch z. B. Vaughan Williams gewürdigt und auch Dallapicolla. Und wo kann man schon einige Seiten über Giselher Klebe lesen, oder Udo Zimmermann, oder Judith Weir, oder Pascal Dusapin, oder Salvatore Sciarrino? Trotz seines stattlichen Preises sollten Interessierte nicht allzu lange zögern.