★★★★★
k.A.
04.07.2026
ean-shopping.de
Dieses Buch ist absolut faszinierend und hat mich von der ersten Seite an in seinen Bann gezogen. Die Geschichte ist unglaublich spannend und lässt dich die ganze Nacht mitfiebern.
Ein Buch, das verstört. Das den Leser fordert. Das geradezu unerträglich ist. Das gewaltsam gewaltig ist. Aber auch bescheiden. Einfach und schwierig. Und poetisch dazu. Intensiv allemal. Ein Buch, das schwer zu ertragen ist.Das Buch beginnt etwas trügerisch so, als hätte es ursprünglich ein Thriller werden wollen: Tille, der Junge, erlebt hilflos mit, wie das Bein seines Vaters vom Mähdrescher „aufgefressen“ wird. Und er erlebt, dass er keine Rolle spielt, keiner sieht ihn an. Nicht nach dem Unfall, nicht später. Er ist ein Geringgeschätzter, lebt im Unvorhandensein. Er ist ein Niemand, der heranwächst, Familienvater wird. Tagaus tagein verrichtet er die Arbeit auf dem Bauernhof. Er ist pflichtbewusst, hat klare Regeln. Frau und Sohn bleiben Statisten in seinem Leben. Nur seine Tochter löst in ihm Gefühle aus, verwirrende Gefühle. Ein Mord an einem jungen Mädchen geschieht. Doch der Vergewaltiger und Mörder wird 13 Jahre lang nicht gefunden. Obwohl doch ein Flüchtlingsheim in der Nähe ist.Ja, der Leser versteht schnell, dass Tille der Mörder war. Und dass das fremde Mädchen stellvertretend für seine Tochter Opfer seines Begehrens geworden war. Insofern weicht das Buch in seiner Erzählweise völlig ab von allen Regeln des Spannungsaufbaus. Es sammelt Einblicke in das Innenleben von Tille, Puzzleteile eines klaustrophobisch engen Lebens. Der Leser ist gefordert, denn es wird nicht chronologisch erzählt, sondern die Zeiten fallen durcheinander, werden dem Leser wie Scherben vor die Füße geworfen. Wegweiser durch das Buch ist noch am ehesten die Natur, der Wandel der Natur durch die Jahreszeiten, und dann auch die Vögel, immer wieder die Vögel. Einerseits erzählt der Autor hart und nüchtern, was der harte und nüchterne Tille denkt, beobachtet, sich selbst auferlegt. Andererseits sind Sätze im Buch zu finden, die von einer wunderbar poetischen Sprache sind, wie: „Nachts lag der Mond hinter den Pappeln halb tot auf dem Rücken.“ Oder „Der Herbst verblätterte grau das Jahr.“Ein großartig geschriebenes, verwirrendes, dunkles, schmerzhaftes Buch, das aufmerksame Leser fordert und vom Wortmagier Peter Middendorp so tief in unser Buchgedächtnis eingepflanzt wird, dass wir die Erinnerung an so manche Szene nicht mehr loswerden.
" Du gehörst mir "1999 wurde das sechzehnjährige Mädchen Marianne Vaatstra ermordet. Ein friesischer Milchviehhalter wird erst 2013 verurteilt, als er nach einer groß angelegten DNA-Verwandtschaftsuntersuchung endlich die Vergewaltigung und den Mord gesteht.Peter Middendorp hat diesen realen Fall in seinem Roman integriert. Die Geschichte enthält jedoch hauptsächlich Fiktion, die im Gehirn des Autors keimt.Ein junger Bauer und Vater von zwei kleinen Kindern vergewaltigte und tötete eines Nachts Rosalinde, ein 16-jähriges Mädchen aus dem Dorf. Tille Storkema wird allzu oft von seiner Frau Ada abgelehnt. Er selbst verehrt seine Tochter Suze ungemein. Zwei Asylbewerber gelten als mutmaßliche Täter. Jahre später steht Suzes sechzehnter Geburtstag vor der Tür. Genau das Alter des Opfers des Mordes vor dreizehn Jahren. Storkema wird nach einem großen DNA-Test festgenommen.In stilistischer Hinsicht ist der Roman auf einem sehr hohen Niveau. Der Autor mischt Ereignisse gekonnt mit Dialogen und Überlegungen. Er trennt die Geschichte von der Zeit; wo Vergangenheit und Gegenwart eins werden. Kraftvolle Sätze und attraktive Prosa geben der Geschichte zusätzliche Unterstützung.Aber warum greift Middendorp nicht wirklich tief in den Kopf des Täters ein? Er nutzt nie seine Chance und bleibt an der Oberfläche. Vielleicht bewusst. Das wahre Warum wird nie erklärt. Ist es aus sexueller Täuschung? Wie kann die Hauptfigur mit einem solchen Verbrechen auf seinem Gewissen weiterleben?Die meiste harte Arbeit und die Suche nach Antworten bleibt dem Einfühlungsvermögen und der Vorstellungskraft der Leser überlassen.Der Leser ist gezwungen, unter die Haut eines unauffälligen Mörders und auch stolzen Vaters einer wachsenden Tochter zu kriechen. Eine intime Vaterliebe mit einer sehr scharfen Kante. Genau so, als stünde die Gefahr hinter jeder Ecke.Geht Tille dort auch in die falsche Richtung? Man versteht, dass er ein Kindheitstrauma mit sich trägt. Als Zwölfjähriger sieht er, wie sein Vater durch einen Unfall mit dem Mähdrescher ein Bein verliert. Von diesem Moment an wird der Protagonist nie mehr im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen. Ein Leben, das nicht das bringt, was er sich jemals erhofft hat.Tille glaubt, dass er sich des "Unfalls" nicht schuldig gemacht hat (wie er den grausamen Mord an Rosalinde nennt). Er sucht immer nach Ausreden, weil er wirklich nicht erkennt oder erkennen will, was er ihm angetan hat. Er unterdrückt geschickt Gefühle. Ein verstörter Geist? Man kann ihn nicht als reinrassigen Psychopathen bezeichnen. Er arbeitet sehr hart in seiner Firma und kümmert sich um seine Familie. Der Protagonist ist ein Mann, der seine Tochter mehr liebt als sich selbst. Sein Sohn Friso bekommt kaum Aufmerksamkeit.Du gehörst mir, ist die schockierende Geschichte eines gewöhnlichen Bauern, Vaters und Täters. Der Ich-Geschichtenerzähler, der jahrelang mit einem beschämenden Geheimnis lebt.