Rezension zu Haller, Peter: Bilder der Seele. Kunst nach 1945, Hirmer 2015Bilder der Seele – Ein neuer Zugang zur Kunst der ModerneDer zweite Weltkrieg und prägte alle Bereiche des Lebens, so auch die Kunst. Deswegen ist die Nachkriegszeit als besondere Epoche der Kunstgeschichte zu verstehen. In diesem Band werden über 50 Künstler vorgestellt, u.a. Francis Bacon, Georg Baselitz, Alexander Calder, Tony Cragg, Alex Katz, Anselm Kiefer, Marino Marini, Ernst Wilhelm Nay, oder beispielsweise Serge Poliakoff. Es geht dabei aber nicht um die klassische Nachkriegskunst, sondern um die Auswirkungen der Erlebnisse der Kriegsjahre bis in die Gegenwart.Das 20. Jahrhundert als Jahrhundert der Kriege, verunsicherte die Welt zutiefst. Diese Verunsicherung war keinesfalls nach 1945 vorbei. Auch der Kalte Krieg hatte große Auswirkung auf die Menschen. Der Rückbezug zur Abstraktion nach 1945 wird dabei als Befreiung verstanden. Nicht überall war Kunst so frei, man denke an die propagandistisch instrumentalisierte Kunst, wie sie in der Sowjetunion und der DDR vorherrschte.Der Band möchte zeigen, dass solche Einflüsse das Werk eines Künstlers verändern. Dabei geht es um den Einklang von Abstraktion und Künstler. Dabei erfährt der Leser, wie erfahrene Erlebnisse den Schaffensprozess eines Künstlers beeinflussen. Das abstrakte Bild bekommt durch diesen Zugang eine Geschichte, es wird zum Ausdruck erlebter Geschichte. Diese teilweise sehr intimen, beklemmenden aber auch hoffnungsvollen Einblicke in das Innenleben des Künstlers erlauben einen sehr tiefen Zugang zu den oft als schwer zugänglich empfundenen Werken. Nicht umsonst heißt der Band „Bilder der Seele“.Keinesfalls jedoch verbreitet der Band depressive Stimmung. Im Gegenteil. Er zeigt eindrucksvoll auf, wie Kunst niemals still steht, wie Kunst traumatische Erlebnisse und Erfahrungen durch den Entstehungsprozess eines Bildes ins Positive wenden kann.Die umfangreichen Facetten der abstrakten Kunst werden verständlich und nachvollziehbar in den Kontext der Moderne eigebettet, nicht zuletzt durch die „persönliche Brille“ in Form der Autorenportraits, die einen anderen, sehr interessanten Zugang bieten.Besonders hervorzuheben ist zudem der Exkurs zur Entstehung einer Sammlung. Es wird nicht allein die Sammlung Serviceplan, die diesem Werk zugrunde liegt, vorgestellt, es wird der Frage nachgegangen, ob Frauen die besseren Sammler sind. In diesem Beitrag werden berühmte Kunstsammlerinnen des 20. Jahrhunderts, wie Gabriele Münter, Nina Kandinsky, Hilla von Rebay oder Peggy Guggenheim vorgestellt. Dieses Thema wird zwar nur angerissen, doch bleibt der Denkanstoß, ob Frauen wirklich die besseren Sammlerinnen und Männer die besseren Maler sind?