John Grades Objekte sind oft monumental, aber sie wirken dennoch niemals einschüchternd auf den Betrachter. Sie sind offensichtlich und erkennbar künstlich und doch durchweht sie stets der Geist der Natur. Ob sie in der Halle eines Museums, in einem Wald oder irgendwo in der Wüste installiert sind, niemals sind sie deplatziert, sondern fügen sich einfühlsam in ihre Umgebung, manchmal mit fast poetischer Eleganz. Sie wirken kostbar und bodenständig zugleich und sie besitzen stets einen direkten Bezug zur Schönheit und Vergänglichkeit der Natur.Der Bildband "Reclaimed" zeigt das Werk John Grades in allen Facetten und das nicht nur in seiner finalen Form, sondern meist auch den äußerst faszinierenden Entstehungsprozess. Wer glaubt, die Baumstrukturen seien einfach nur durch das kleinteilige Zersägen eines Baumes entstanden, der irrt gewaltig. Zwar sind lebende Bäume die direkte Vorlage für diese Objekte, aber sie werden geschont und stattdessen mit Gipsabdrücken abgeformt und im Studio in geduldiger Kleinarbeit aus Holzelementen nachgebaut, wobei das Holz selber auch nicht aus einer Fällung stammt, sondern aufgesammelt wurde. John Grades Werke lassen sich ohne Ingenieure und moderne CAD Technik nicht realisieren. Manchmal nutzt er auch Videoprojektionen und Lichteffekte: Handwerk und Hochtechnologie bilden hier die perfekte Symbiose.Was ihn antreibt und warum seine Objekte oft absichtlich dem Verfall oder der natürlichen Verrottung preisgegeben werden, das erklären zu Beginn zwei (englischsprachige) Textbeiträge und ein biografisch geprägtes Interview. Natürliche Materialien, naturnahe Verarbeitungsprozesse und Formen stehen Kunststoffen gegenüber, die vollkommen natürlich, ja fast lebendig wirken und stets lebendige Strukturen zum Vorbild haben. In diesem Spannungsfeld bewegt sich John Grade mit traumwandlerischer Sicherheit und schafft Werke, die selbst als Fotografie in dem großformatigen Bildband noch den Atem rauben. Wieviel eindrucksvoller muss das erst in der Realität sein...