Die 1920er Jahre waren ein epochales Jahrzehnt, in dem nicht nur politische, gesellschaftliche und soziale Umwälzungen stattfanden, auch künstlerisch waren sie bedeutsam. Das Experimentieren der Avantgarden vor dem Ersten Weltkrieg wich einer neuen Betrachtungsweise, in dem wieder Traditionen aufgegriffen wurden.Die Ausstellung „Unheimlich real“ im Museum Folkwang Essen (28. September 2018 - 13. Januar 2019) zeigt das am Beispiel der italienischen Malerei der 1920er Jahre. War es in Deutschland die Neue Sachlichkeit, die neue Akzente setzte, so war es in Italien der sogenannte Magische Realismus, der eine Verschmelzung von realer Wirklichkeit und ma-gischer Realität einging. Hinter der Darstellung der Wirklichkeit wurden aber auch die existenziellen Ängste und gefährdeten Ideale des 20. Jahrhunderts sichtbar.Im Hirmer Verlag ist der Begleitkatalog zu dieser bemerkenswerten Ausstellung erschie-nen, der mit vier Essays einen umfassenden Einblick in das kunsthistorische Jahrzehnt gibt. Zunächst gibt die Kuratorin Anna Fricke einen Überblick über die italienische Malerei der 1920er und 1930er Jahre, in der eine „melancholische, irreale, stets ferne Wirklichkeit“ spürbar war. Außerdem geht Fricke auf die komplexen wechselseitigen Beziehungen zwi-schen Neuer Sachlichkeit und Magischer Realismus ein.Valerio Terraroli beleuchtet ausführlich die Anfänge, Ursachen und Entwicklungen der italienischen Malerei in den 1920er und 1930er Jahren. Sie widersetzte sich dem Expressionismus als auch dem Futurismus. Die Historikerin Gabriella Belli setzt sich mit der Bildsprache des Magischen Realismus auseinander, die einen Rückzug in „romantisch-lyrische Gegenwelten“ darstellte. Kenneth E. Silver bedachtet schließlich den Magischen Realismus als Nachkriegsphänomen - hier fand eine aus den Fugen geratene Welt ihren künstlerischen Ausdruck.Der Katalogteil präsentiert schließlich die 83 Gemälde der Ausstellung (von über dreißig verschiedenen Künstlern) in großformatigen Farbabbildungen. Komplettiert wird der Bild-Text-Band durch Künstlerbiografien und Werktexte zu den einzelnen Gemälden. Ausstellung und Katalog erlauben ein Eintauchen in die Entstehungszeit dieser faszinierenden Bilderwelt.