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Karlheinz Schmiedel - Buchliebhaber
10.09.2023
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Würdig eines Großen Meisters, ist die Monografie über den Niederländischen Maler Jacobus Vrel in feines Leinen gebunden, verhalten olivgrün, harmonisch abgestimmt mit den Rottönen des Fußbodens im dargestellten Interieur. Fehlt nur noch ein goldener Barockrahmen und man könnte das Buch als Bild an die Wand hängen. Sehr schön! Wenn man den Namen des Künstlers googelt, hat man wenig Erfolg. Anders als seine Vorgänger Johannes Vermeer (1632-1675) und Pieter de Hooch (1629-1684), die mit 37 und 52 Werken aufwarten können, werden von Jacobus Vrel (tätig von 1654 bis 1662) nur 12 Werke aufgezeichnet. Mehrere davon wurden früher den oben genannten Künstlern zugesprochen.Erst in jüngerer Zeit haben intensive Forschungen, u.a. mit dendrochronologischen Untersuchungen mehr Klarheit gebracht, so dass heute dem „rätselhaften Maler“ 50 Werke zugerechnet werden. Eine gewisse Erschwernis der Zuschreibungen ist vielleicht auch darin zu sehen, dass der Künstler selbst von vielen seiner Werke nahezu identische Kopien angefertigt hat.Die von drei internationalen Instituten (u.a. den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen) erarbeitete, reich mit Abbildungen ausgestattete Monografie breitet das eigenständige Werk von Jacobus Vrel allumfassend vor unseren Augen aus. Am auffälligsten nehmen wir wahr, dass – anders als bei Vermeer – überwiegend Einzelpersonen in meist häuslichen Verrichtungen die Intimen Szenen beherrschen. Die Beobachtungsgabe des Künstlers ist enorm. So lässt „Die Frau am Fenster“ uns die Luft anhalten, droht sie doch wie der Zappelphilipp gleich mit dem Sessel umzustürzen. Den Kontrast von Hell und Dunkel beherrscht er wie Caravaggio. Die Innenansichten von Kirchen können sich mit denen Emanuel Wittes messen lassen.Von großem Reiz sind auch die oft mit Humor beobachteten Straßenszenen. So lernen wir das alte Holland kennen (das in manchen Orten noch heute so schön ist) und erfreuen uns an einer typischen Erfindung, der „Klöntür“.In mehreren Essays werden Herkunft und Arbeitsweise des Künstlers, sein Verhältnis zu seinen Zunftgenossen und seine Auswirkungen auf die Moderne untersucht. Ein akribisch erarbeitetes Werkverzeichnis mit ausführlichen Beschreibungen und ein umfassendes Literaturverzeichnis runden das großartige Werk ab. Karlheinz Schmiedel
Die wenigen überlieferten Bildern dieses Niederländers haben etwas surrealistisch-futuristisch Zeitloses an sich, was mich tief beeindruckt. Als hätten Vermeer und Margritte mittels einer imaginären Zeitmaschine einen gemeinsamen Sohn gehabt ...