★★★★★
k.A.
02.08.2026
ean-shopping.de
Dieses Buch ist eine faszinierende und tiefgründige Reise in die Welt von Charles Bukowski und seine Lebensgeschichte, die mich absolut begeistert hat. Die Texte sind unglaublich eindringlich und fangen die Essenz des Autors perfekt ein.
In Wikipedia-Artikel zum Fotografen Abe Frajndlich (*1946) lesen wir, der US-amerikanische Bildermacher habe "über fast anderthalb Jahrzehnte auch die Bildsprache des Magazins dieser Zeitung geprägt." Zusammen mit der Fotografin Barbara Klemm, darf man hinzufügen, denn letztere wirkte nicht minder stilprägend für die einst so bürgerliche FAZ.Bürgerliche FAZ? Nunja, der schriftstellernde Prolet Bukowski war auch in Deutschland nahezu unübersehbar geworden, mit knapp 4 Millionen verkauften Exemplaren seiner Bücher allein in Deutschland (Quelle: Wikipedia). Auch muss man sagen, dass einer der damaligen Herausgeber der FAZ, Joachim Fest, eine intensive Freundschaft mit dem Maler Horst Janssen unterhielt, ein pöbelnder Trunkenbold sondergleichen. Um hier aber auf Bukowski zurückzukommen: Janssen wie Bukowski hätten beide sagen können: Ihr Schaffen ist überwiegend der Flasche abgetrotzt.Der nicht so ganz junge Fotograf Frajndlich - damals um die 39 Jahre alt - erhielt den Auftrag, Charles Bukowski in San Pedro, Kalifornien, zu portraitieren. Beordert wurde der in New York lebende Fotograf vom Art Director der FAZ, Hans-Georg Pospischil. Dem hatten die Porträt-Aufnahmen aus Frajndlichs Portfolio so gut gefallen, dass er den New Yorker Fotografen für die Aufgabe gewachsen hielt. War er aber nicht. Die Learnings für den jetzigen Leser wie den damaligen Fotografen: Die bürgerliche FAZ gab sich in Gestalt von Pospischil im ästhetischen Werturteil denkbar unbürgerlich: "Nachdem wir uns per Handschlag begrüßt hatten, schmiss er mir den Umschlag mit meinen Fotos vor die Füße und sagte dieses simple deutsche Wort: "S*****e!".Darüber hinaus weiß der geneigte Leser nun, was ein gutes Foto in der FAZ ausmacht: "Pospischil erklärte mir, dass sich der gemeine Leser ein Zeitschriftenfoto nicht länger als eine Viertelsekunde anschaut und es meine Aufgabe wäre, Fotos zu machen, die man sich mindestens eine halbe Sekunde anschaut. Eine hundertprozentige Steigerung also." Aber immerhin war Pospischil dann doch duldsam, und gab Frajndlich "eine zweite Chance, die Fotostory mit Bukowski zu machen."Gesagt, getan. Tatsächlich gerieten die Fotografien - passenderweise am 1. April geschossen - zu einem vollen Erfolg. Zupass kam Frajndlich natürlich das schauspielerische Talent Bukowskis. Wie man sich gekonnt in Szene setzte, das wusste er nur zu genau. Fotograf und Schriftsteller warfen sich die Bälle gleich an der Türschwelle zu: "... Nach fast zwei Stunden kam er dann nach unten und fuchtelte mit einem stattlichen Jagdmesser vor meiner Nase herum, zog am Kragen seines T-Shirts und fragte mich: "Ist es das, was die verf***ten Krauts sehen wollen?", worauf ich antwortete: "Ja! Absolut perfekt! So können wir weitermachen!"Erschienen sind die Fotos am 31. Mai 1985 im FAZ-Magazin mit einer über sieben Seiten langen Fotostrecke. Bukowski war so stolz, dass Frajndlich die würdevolle Bürde zuteil wurde, sich als Hochzeitsfotograf bei den Bukowskis in Spe zu produzieren. Pegeltrinker Charles B. übte sich in den Tagen vor der Trauung in Askese und fing erst in den Stunden vor der Zeremonie mit dem Saufen an, weshalb er bei der gegen "10 Uhr angesetzten Trauung natürlich sternhagelvoll" war.Ein Nachspiel hat das Besäufnis auch. Frajndlich berichtet, dass Bukowski ein durchaus lüsternes Auge auf eine Freundin seiner frischvermählten Gattin geworfen hatte und recht offen und fast freizügig Fantasien von knisternder Po-Erotik von sich gab: "Er sagte ihr, dass er schon lange vorhatte, "sie in den A***h zu f****n" und in sämtliche Richtungen zu drehen, um "tiefer in sie einzudringen.""Und die Bilder? Die März-Bilder gefielen dem Art Director der FAZ nicht, die vom April aber schon. Blättert man durch den Band, kann man die Einschätzung von Pospischil durchaus nachvollziehen. Die ersten Versuche Frajndlichs vom März wirken etwas biedermeierlich und erinnern an Homestorys irgendwelcher C-Promis. Nicht wirklich überwältigend. Die Kreativität Frajndlichs und das Mimenbedürfnis fanden erst beim zweiten Treffen zueinander. Den Quantensprung von einer Viertelsekunde, von der Pospischil schwadronierte, machen die Aufnahmen auch für Nicht-Fotografen plausibel. In der Literatur ist alles Show, Mimik, Maske. Das wussten beide Künstler, Frajndlichs Meisterstück war abgeliefert.Im Band selbst findet man aber mehr als nur Geschriebenes und Fotografiertes von Abe Frajndlich. Abgedruckt wurde auch ein Artikel aus dem Rolling Stone Magazin aus dem Jahr 1976 von Glenn Esterly. In diesem kleinen Abriss erfährt der Leser Wichtiges über den Werdegang Bukowskis und seine innere Entwicklung. Und Literaturtheoretisches, das die Praxis des Schreibens von einer "Mischung aus Whiskey, Wut und Verzweiflung" angetrieben sieht. "... An die Stelle der gekünstelten und oft gestelzten Diktion, die wir von Pound, Eliot, Auden und ihren Nachahmern kennen, hat er eine Sprache gesetzt, in der kein Platz mehr für das affektierte Gehabe, die Kunstmittel und Manierismen, die in der akademischen Lyrik grassieren ...."Das macht den 1994 verstorbenen Bukowski sehr aktuell, wie ich finde. Gerade die Langeweile, die von Literaturinstituten a la Leipzig kommt, ist hier zu erwähnen. Von Proleten wie Bukowski lernen wir mehr vom Leben als aus Erzählungen und Romanen betütelter und stipendiensubeventionierter Bürgersöhnchen und -Töchter. Daher sollte man sich auch den Band zulegen. Es lohnt sich.
„Bukowski. The Shooting“ ist ein Jubiläumsbildband zum 100. Geburtstag von Charles Bukowski. Der Fotograf Abe Frajndlich, 1946 in Frankfurt am Main geboren, erhielt 1985 von der FAZ den Auftrag, Charles Bukowski in San Pedro, Kalifornien, zu porträtieren. Es war sein erster Auftrag als redaktioneller Fotograf. Obwohl Frajndlich nur zwei Tage zu Gast bei Bukowski und dessen Freundin (und späteren Ehefrau) Linda Lee Beighle war, entstand schnell ein Vertrauensverhältnis – schließlich waren beide als Kinder von Deutschland in die USA gekommen. Ungezwungen konnte er Bukowski in einigen Sessionen in dessen Hinterhof oder im Arbeitszimmer ablichten, doch die Redaktion des FAZ-Magazins war mit dem Ergebnis überhaupt nicht zufrieden.Jetzt stand Frajndlich vor der Herausforderung, Bukowski zu überreden, ein zweites Mal vor seiner Kamera zu posieren. Dieses Mal inszenierte sich Buk jedoch als der absolute Showman und Entertainer; er glänzte regelrecht vor der Kamera mit seinem Showtalent. Nachdem der Artikel mit den Fotos am 31. Mai 1985 im FAZ-Magazin erschienen war, rief Bukowski Frajndlich umgehend an und teilte ihm mit, dass ihm sowohl der Text von Michael Zeller als auch die über sieben Seiten lange Fotostrecke außerordentlich gut gefiel. Als Dank durfte Frajndlich im August der Hochzeitsfotograf von Charles und Linda sein. Neben den Porträtaufnahmen (Bukowski mit Schreibmaschine, Heineken Pils oder mit freiem Oberkörper) präsentiert der Bildband auch einige dieser recht unkonventionellen Hochzeitsfotos. Außerdem erinnert sich Frajndlich an seine Begegnungen mit Bukowski.Der amerikanische Journalist Glenn Esterly begegnete Bukowski Mitte der 1970er Jahre und berichtete von diesem Zusammentreffen im Rolling Stone magazine (17. Juni 1976) in seinem Essay „The Pock-marked Poetry of Charles Bukowski: Notes of a Dirty Old Mankind“ (dt. Die pockennarbige Poesie von Charles Bukowski, Notes of a Dirty Old Mankind). Im Fotoband ist dieser Text (zweisprachig) nochmals abgedruckt. Zunächst erzählt Esterly von einer Lesung, die Bukowski mit den Worten beendete: „So, und jetzt sollten wir uns alle besaufen“. Später durfte er den Dichter in seinem verwahrlosten Bungalow gleich um die Ecke der Western Avenue für ein Interview besuchen. Unaufgefordert erzählte Bukowski von seinen unangenehmen Kindheitserinnerungen, dem prügelnden Vater und den Klassenkameraden, von denen er stets gemieden wurde, und wie er begonnen hatte, öffentliche Bibliotheken zu frequentieren, bis in ihm der Entschluss reifte, Schriftsteller zu werden. Schließlich kommen sie bei reichlichem Bierverzehr auf seine Schriftstellerei und die Frauen zu sprechen… Dann ist das Bier leer.