Ich muss gestehen, dass mir der Name nicht geläufig war, anders als Louis Daguerre oder William Fox Talbot. Aber auch Louis Alphonse Poitevin war ein bedeutender Fotopionier, nur wirkte er mehr im Verborgenen und viele seiner innovativen photochemischen Erfindungen sind bis heute nicht völlig entschlüsselt. Er untersuchte völlig neue photosensitive Beschichtungstechniken, die auf Silber verzichteten und vor allem bemühte er sich um reprografische Verfahren. Daguerrotypien sind Unikate, Poitevin entwickelte dagegen als einer der Ersten Kopierverfahren für Fotografien auf Papier.Problematisch sind die nur bruchstückhaft erhaltenen Informationen über seine Forschungen, die sich auch nicht immer mit den naturwissenschaftlichen Untersuchungen seiner Werke in Einklang bringen lassen. Der Fotogalerist Daniel Blau hat Zugang zu einer Anzahl eigenhändiger Fotografien, die er kunsthistorisch und naturwissenschaftlich-technisch untersuchen ließ. Dabei sind interessante Erkenntnisse gewonnen worden, aber mindestens genauso viele Fragen haben sich neu gestellt.Für einen Sammler besonders bedeutsam sind die Merkmale, mit denen man die einzelnen Aufnahmetechniken voneinander unterscheiden kann. Sie sind charakterisiert durch Oberflächenstrukturen, Farbgebung und Detailschärfe, und wenn man zerstörungsfreie Elementaranalysen einsetzt, lassen sich typische Elementverteilungen feststellen.Die Fotos werden in Originalgröße und teilweise auch in Ausschnittsvergrößerungen reproduziert und stammen, sofern (grob) datierbar, aus einem Zeitraum zwischen 1840 und 1880. Die Monografie enthält ferner eine kurze Biografie, eine Übersicht der technologischen Entwicklungen in Poitevins Labor und einer exemplarisch transkribierten Seite aus seinem Laborjournal. Eine reduzierte Bibliografie schließt den kleinen Band ab.Auch wenn man annehmen darf, dass diese Publikation einen starken Marketingaspekt besitzt, um Poitevins selten auf dem Markt auftauchenden Werke zu nobilitieren, so ist die sorgfältige Zusammenfassung seiner technologischen Errungenschaften durchaus von Bedeutung und die naturwissenschaftlichen Untersuchungen bringen auch neue Erkenntnisse. In der Breite wurde zwar kein Verfahren jemals angewandt, aber sie nehmen die Prinzipien des fotografischen Buchdrucks um Jahrzehnte vorweg.(Dieses Buch wurde mir vom Verlag kostenfrei zur Verfügung gestellt. Auf meine Rezension wurde kein Einfluss genommen, der Inhalt stellt meine persönliche Meinung dar.)