Die Grafikerin, Malerin und Bildhauerin Käthe Kollwitz (1867-1945) war eine frühe Vertreterin des Sozialen Realismus. Ihre expressionistischen Druckgrafiken und Plastiken bildeten menschliches Leid ab und fingen das soziale und humane Elend ihrer Zeit ein. Kompromisslos setzte sie ihre Werke als politisches Ausdrucksmittel ein.Kaum eine Künstlerin setzte sich mit dem Ersten Weltkrieg und seinen Folgen so intensiv auseinander, nachdem ihr jüngerer Sohn Peter als Freiwilliger am 22. Oktober 1914 gefallen war. Die Ausstellung „Stellung beziehen – Käthe Kollwitz“ des Kunsthauses (18. August – 12. November 2023, danach Kunsthalle Bielefeld (23. März – 16. Juni 2024) macht mit dem vielfältigen Schaffen bekannt. In ihrem Œuvre verzichtete sie fast ausnahmslos auf Farbigkeit und zog dem malerischen Medium der Ölfarbe den schwarzen Strich der Kohle und die harten Konturen des Holzschnitts vor. In der Ausstellung treten die Arbeiten von Käthe Kollwitz außerdem in einen stillen Dialog mit den Installationen der palästinensisch-britischen Gegenwartskünstlerin Mona Hatoum.Im Hirmer Verlag ist der reich illustrierte Katalog zu dieser bemerkenswerten Ausstellung erschien. Im Essayteil geben renommierte KunsthistorikerInnen nicht nur eine Einführung in Leben und Werk von Käthe Kollwitz sondern beleuchten auch einzelne Aspekte wie Inhalt, Form und Technik ihrer Druckgrafik oder ihre Ausstellungen in den USA, nachdem ihre Werke in Deutschland nicht mehr erlaubt waren: „Für Deutschland bin ich tot, aber für Amerika fange ich an, lebendig zu werden.“Der umfangreiche Katalogteil gliedert sich dann in verschiedene Abschnitte – von „Frühe Jahre“ über „Porträts, Akte und Liebesszenen“, „Aufruhr und technische Virtuosität“ und „Abschied und Tod“ bis zu „Appelle und späte Werke“. Abschließend macht die Schweizer Kunsthistorikerin Jacqueline Burckhardt mit dem Werk (u.a. mit einigen Abbildungen ihrer Objektkunst) von Mona Hatoum bekannt, das in weiten Teilen biografisch geprägt ist. Fazit: Ein sehr informativer Katalog mit einer interessanten Gegenüberstellung.