Die Kunstsammlerin, Mäzenin und Vermittlerin Hanna Bekker vom Rath (1893-1983) war eine Wegbereiterin der künstlerischen Avantgarde. In ihrem Blauen Haus in Hofheim am Taunus wirkte sie aber auch über sechzig Jahre als Malerin. In der Zeit des Nationalsozialismus wurden dieses Domizil und später ihre Berliner Wohnung zu einer heimlichen Begegnungsstätte für einige „entartete“ Künstler und deren Unterstützer. Nach dem Krieg war es ihr ehrgeiziges Ziel, die deutsche Avantgardekunst wieder international zu rehabilitieren.Das Brücke-Museum Berlin würdigt mit der Ausstellung „Hanna Bekker vom Rath. Eine Aufständische für die Moderne“ (24. Febr.-16. Juni 2024) ihr langjähriges Wirken. Neben eigenen Werken präsentiert die Ausstellung zahlreiche Werke (Gemälde, Plastiken, Holzschnitte, Textilarbeiten usw.) von anderen, ehemals verfemten Künstler*innen. Die Palette reicht dabei von Ida Kerkovius über Wilhelm Lehmbruck, Willi Baumeister, Alexej von Jawlensky oder August Macke bis hin zu Karl Schmidt-Rottluff.Im Hirmer Verlag ist der zweisprachige (dt./engl.) und reich illustrierte Begleitkatalog erschienen, der sich neben den abgebildeten Ausstellungswerken auch ausführlich dem Leben und Wirken von Hanna Bekker vom Rath widmet – auch mit einigen historischen Abbildungen. Die sechs Essays von renommierten Kunsthistoriker*innen beleuchten dabei besondere Aspekte. So gibt Marian Stein-Steinfeld einen Einblick in das Blaue Haus in Hofheim, Roman Zieglgänseberger widmet sich den „heimlichen“ Jawlensky-Ausstellungen in Berlin oder Sabine Maria Schmidt beschäftigt sich mit den Künstler*innennetzwerken von Hanna Bekker vom Rath. Neben Bibliografie und Verzeichnis der ausgestellten Werke wird der äußerst informative Katalog noch durch eine Biografie.