Dies Buch zeigt deutlich, warum E. Mayr bis zuletzt eine "Lichtgestalt" der Biologie war. Warum dieses Lob: aufgrund der Klarheit & Brillianz seiner Gedanken und Argumentation.Das Buch ist ein guter Einstieg in biologische Fragestellungen (Evolution, Arten), die schnell das Interesse weckt & Lust auf mehr macht.Konzepte der Biologie ist eine Zusammenfassung wesentlicher Fragestellungen, die Mayr lange Jahre beschäftigten (und die Biologie noch heute). Die einzelnen Kapitel schließen jeweils eine Fragestellung ab und können recht unabhängig voneinander gelesen werden - ein Vorteil. Allerdings darf man nicht auf eine "gute Nacht" Lektüre hoffen, da der knappe, gut lesbare Stil eine Fülle an Informationen & Argumenten enthält. Keine schwere Kost, aber wahrlich auch keine leichte.Wunderbar angenehm ist der sachlich, ruhige Stil. Hier geht es um Wissenschaft (die Wissen schafft) & nicht darum, sich mit einer neuen "Mode"auffassung schnell einen Namen zu machen. Die extreme Erfahrung aus (fast) 100 Lebensjahren werden sehr schnell deutlich.Man ist geneigt, vor Respekt den Hut zu ziehen.
Obwohl das naturwissenschaftliche Verständnis und dessen Akzeptanz in der Gesellschaft in den letzten Jahrzehnten große Fortschritte gemacht hat, leidet vor allem die Biologie noch immer an der fehlenden Anerkennung als eigenständige Wissenschaft. In diesem Werk stellt einer der bedeutensten Biologen unserer Zeit seine Ergebnisse zur Analyse dieses Phänomens vor. In zwölf Kapiteln belegt Ernst Mayr verständlich, jedoch auf wissenschaftlich fundierter Basis, den Autonomiestatus der Biologie. Er beschreibt ohne Abschweifungen die der Biologie zugrunde liegenden, wissenschaftlichen Konzepte und weist nach, dass viele davon anderen Naturwissenschaften nicht analog sind. Mayr berichtigt das vorherrschende, falsche Bild der Biologie in der Wissenschaftsphilosophie und zeigt, dass die "Wissenschaft des Lebendigen" einer völlig anderen Betrachtung im Vergleich zur Physik oder Chemie bedarf.Der Leser profitiert fast durchgehend von der jahrzehntelangen Erfahrung des Autors. Mayr setzt sich kritisch mit einschlägigen Werken der alten und neuen Literatur der Philosophie und Biologie auseinander. Dabei analysiert er die Anwendbarkeit der Theorien bekannter Philosophen von Aristoteles über Kant bis zu Thomas Kuhn, wie auch biologische Modelle von Lamarck, Buffon und Richard Dawinks.Mayr beschränkt sich an vielen Stellen bewusst auf die konkreten Ergebnisse biologischer Wissenschaft, erläutert genau die zugrundeliegende Methodik und vergleicht diese mit anderen Wissenschaften. Leser die bereits andere Werke von Ernst Mayr gelesen haben, werden einige Themen daraus wiederfinden - in einem neuen Kontext betrachtet. Dazu gehört auch das Theoriengebäude von Charles Darwin, dem drei von zwölf Kapiteln gewidmet sind.Fazit:In seinem letzten Werk gibt Ernst Mayr an vielen Stellen zusammengefasste Ergebnisse seiner über 80-jährigen Forschungsarbeit im Bereich der Biologie. Er vergleicht die dabei zugrunde liegenden Konzepte mit anderen Wissenschaften und findet Ansätze wie diese zu einer neuen wissenschaftsphilosophischen Betrachtung der Biologie führen. Meiner Meinung nach ist kein anderer Autor derart in der Lage den Grundstein einer umfassenden Philosophie der Biologie zu setzen als Ernst Mayr.