Im Mittelpunkt der Geschichte ist ein Junge, der mit seiner Familie seit drei Tagen in einem neuen Land ist- in Deutschland. In seiner Heimat herrscht Krieg und er trauert seinem Hund King hinterher, den sie leider zurücklassen mussten. Insgeheim hofft der Junge jedoch darauf, dass das geliebte Tier ebenfalls seinen Weg zu ihm findet. Während einerseits die ersten Erlebnisse in dem neuen Land gezeigt werden, gibt es zwischendurch immer wieder Sequenzen, in denen er dem Hund den Weg hinaus aus der zerbombten Stadt und übers Meer erklärt.Mir gefällt an der Geschichte, dass man den jungen Erzähler schnell sympathisch findet. Er fühlt sich zurecht eingeengt in der provisorischen Unterkunft, die er zunächst nicht alleine verlassen darf. Er beobachtet sehr aufmerksam sein Umfeld und kann sich auf einige Dinge noch keinen Reim bilden. Während des Lesens haben wir uns immer wieder über die Wahrnehmungen des Erzählers unterhalten. Was könnte er damit meinen? Warum könnte das befremdlich auf jemanden wirken? Wir fanden seine Perspektive jedenfalls sehr schlüssig. Und wir haben uns mit ihm gefreut, wenn er wieder ein Stück „Normalität“ dazugewonnen hat.Es ist also für mich vor allem ein Buch, das zum Perspektivwechsel anregt. Wie geht es einem Kind, dessen Familie völlig entwurzelt in einem neuen Land einen Neuanfang versuchen muss? Dies schafft Andrea Karimé unterstützt durch die Illustrationen von Jens Rassmus, ohne die Floskel „Alles wird gut“ aufzunehmen.Empfohlen wird das Buch ab 6 Jahren, mein vierjähriger Sohn hat jedoch auch schon angeregt mitdiskutiert ❤️
★★★★★
AJuM Sachsen-Anhalt
25.06.2024
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Seit drei Tagen ist die Familie im neuen Land. Der Junge, der als Ich-Erzähler auftritt, vermisst seinen Hund. King ist im Heimatland geblieben, dort wo Krieg herrscht, in seinem Versteck. Sicherlich kommt King noch, meint die Mutter. Und so wartet der Junge, dass King endlich kommen wird.Das Warten findet auf verschiedenen, auch durch die Schriftfarbe unterschiedenen Ebenen statt. Einerseits spricht der Junge zu King, er sendet Botschaften mit dem Wind. Er gibt ihm Tipps und spricht ihm Mut zu. Versichert, dass er weiter warten wird. Parallel dazu erobert er aber auch zunehmend die neue Welt. Die wird erst einmal beobachtet, sie ist leise und seltsam anders organisiert, sichere Abläufe stimmen nicht mehr, es gibt Straßen für Fußgänger und Hunde. Überall erinnern den Jungen die Dinge an den Hund. Auch der kleine Hund mit seiner seltsamen Besitzerin. Jeden Tag verrichtet der Hund sein Geschäft vor dem Haus. Und immer füllt die Besitzerin die Kacke in einen Beutel. Seltsam, was in diesem Land so üblich ist. Zunehmend erschließt der Junge seine Welt und zunehmend findet er Anschluss an Menschen, orientiert sich und Normalität kehrt ein. So wird der reisende King auch immer mehr zum Fantasiewesen und seine Ankunft zum Narrativ, nicht mehr zur konkreten Erwartung.Andreas Karime findet in ihrem neue Buch eine poetische Form, die schmerzhafte Trennungserfahrung und das schwierige Ankommen in einem fremden Land zu erzählen. Dabei beeindruckt die einfache und zugängliche Form, die jedoch keinesfalls banal oder oberflächlich wirkt. Vielmehr steckt in der konkreten Erzählweise eine Doppelbödigkeit, die Raum zum Weiterdenken und Fantasieren lässt. Dazu tragen auch die malerischen Bilder von Jens Rassmus bei, die die Szenen konkret und doch stimmungsgeladen darstellen.Insgesamt ein Erstlesebuch von besondere Qualität. Nachdrücklich zu empfehlen!Weitere Rezensionen auf ajum.de