★★★★★
AJuM Sachsen-Anhalt
10.09.2023
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Der Junge Konrad spielt bei den Kühen, dann möchte er den Wald erkunden. Doch plötzlich öffnet sich die Erde und er stürzt in eine unterirdische Welt. Dort ist er ein König in einem einsamen Reich, das wunderbar und fremd zugleich ist. Die Räume sind kalt, aber herrlich. Und dort beginnt er nachzudenken. Über sein Zuhause, seine Familie und seinen Platz zwischen den Menschen, die er kennt. Indes suchen ihn seine Angehörigen, die sich Sorgen machen. Der Vater und der Hund finden ihn schließlich im Spalt in der Erde und retten ihn. Am Ende ist er wieder zuhause. Er blickt in die Ferne und scheint größer geworden zu sein. Seine Züge sind klarer, er ist auch innerlich gewachsen.Erzählt wird die Geschichte auf zwei Ebenen. Im Wechsel wird Konrads Abenteuer verfolgt, dann wechselt der Fokus zu den Eltern und Geschwistern, die Konrad suchen und retten. Die Konrad-Geschichte wird von einem außenstehenden Erzähler kommentiert, wobei die Sprache auf kurze Texte beschränkt bleibt. In den Familienszenen ist die direkte Rede der Suchenden abgebildet, die dadurch auch sprachstrukturell einen Gegenentwurf darstellen. Die Textelemente sind kurz und knapp gehalten, selten länger als zwei Zeilen.Auch in den Bildern werden das Gegenüber der Szenen und die Entwicklung abgebildet. Die Bildcollagen setzen nicht nur die Szenen aus verschiedenen Papiermaterialien zusammen, auch die Figuren selbst sind fragmenthaft zusammengesetzt und damit auch vielschichtig und in sich keine Einheit. Damit wird aber auch eine Entwicklung sichtbar. Denn mit zunehmendem Verlauf der Geschichte prägen sich die Gesichtszüge mehr und mehr aus. Entwicklung wird auch visuell sichtbar gemacht. Gegenüber den farbigen Bildcollagen von Konrad und seiner Geschichte bleiben die Familienszenen nur als schwarz-monochrome Silhouettenbilder sichtbar. Sie schaffen einen Kontrapunkt zu Konrad, um dessen Entwicklung es tatsächlich geht.Jens Thiele thematisiert in seinem neuen Bilderbuch den sensiblen Bereich des kindlichen Ablösungsspiels. Das Entfernen von der Familie wird erprobt und mündet zwar in der Heimkehr, die aber ein bewussteres Dasein ist. So handelt es sich hier um ein komplexes entwicklungspsychologisches Thema – ausgezeichnet in Szene gesetzt. Sehr zu empfehlen!Weitere Rezensionen auf ajum.de