★★★★★
AJuM Sachsen-Anhalt
10.09.2023
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Nach der Schule gehen der Ich-Erzähler und sein Bruder in den Wald und dort treffen sie eine kleine Katze. Die gehört da nicht hin und die beiden Jungen wollen ihr helfen. Also verwandeln sie sich in einen Wolf und sprechen die Katze an. Doch hat die nur Angst und befürchtet eine List. Also verwandeln die Jungs sich in eine Spinne und dann noch in eine Taube mit einem Brief, doch das alles nützt nichts und die Katze ängstigt sich nur immer mehr. Schließich ist die Katze ein kleines Mädchen und die Taube wird wieder zu zwei Jungen – und nun ist das Spiel vorbei und die drei gehen zusammen nach Hause. Auf dem Weg „gewöhnen sie sich aneinander“, sie scheinen gute Freunde zu werden.Das Bilderbuch erzählt von einer spielerischen Annäherung zwischen den Geschlechtern. Im Alter der Kinder scheint das Treffen von Junge und Mädchen Distanz und Fremdheit zu erzeugen, ein direkter Kontakt ist nur in Verwandlung möglich. Doch das ist nicht echt und kann kein Vertrauen schaffen. So ist gerade das Spiel mit dem Fremden zuerst einmal eine Möglichkeit, sich in Ablehnung vertrauter zu werden, um dann offen und echt miteinander umzugehen. Erst hier wird Freundschaft möglich.Jürg Schubiger thematisiert ein kindheitspsychologisches Problem, für dessen Fremdheitserfahrungen er eine fantastisch-metaphorische Handlung entwirft, die doch immer die realen Bezüge erkennbar bleiben lässt. In episodischer Form und im epischen Präteritum gehalten, behält die Handlung märchenhafte Züge, auch wenn die Rahmung offenkundig realistisch ist und eine Brücke von einer Realfiktion in eine spielerische Binnenhandlung darstellt. Die Bilder nehmen diesen spielerischen Charakter auf, indem Eva Muggenthaler in ihrem markanten Stil mit Fineliner und Aquarell verdichtete Bildszenen entwirft, die weniger reale Szenen als wild komponierte Bildelementensembles zeigen und damit eher die psychologische Dimension der Handlung umsetzen, als das Geschehen lediglich auf eine visuelle Bühne zu setzen. So entsteht eine dichte Erzählung von einem alltäglichen Phänomen. Dicht und prägnant, humorvoll und eindringlich – sehr zu empfehlen.Weitere Rezensionen auf ajum.de
Gelangt man von der Schule in den Wald verändert sich die Welt. Im Spiel kann sich ein Kind schnell einmal in ein gefährliches oder ein hilfreiches Tier verwandeln. Die Illustrationen des Bilderbuchs lassen viel Spiel- Raum, die Auseinandersetzung der beiden Jungen mit dem kratzbürstigen Katzen- Mädchen zu verfolgen.Die Geschichte von Jürg Schubiger ist skurril. Zwei kleine Jungs laufen gleich nach der Schule in den Wald und treffen dort eine Katze. Während die Knaben sich in verschiedene Tiere verwandeln, um sich dem Stubentiger zu nähern, weist dieser sie voller Misstrauen zurück. Wieder in Kinder zurück verwandelt, können sich dann alle drei auf den Heimweg machen. Dieses gemeinsame Spiel hat die Kinder einander nähergebracht.Eva Muggenthaler lässt in ihren Bildern die Facetten des Verwandelns und Aufeinander- zu- Gehens sehr detailreich aufleben. Der knappe Einwurf, dass so ein Verwandeln nicht einfach sei, man ein paar Mal probieren müsse, findet bildnerisch eine deutliche Ausschmückung und lädt die Buch- Betrachter*innen zum Entdecken ein. Tiere und Pflanzen des Waldes greifen das Spiel der Kinder auf, beteiligen sich oder nehmen die Rolle der aufmerksamen Zuschauer ein.Die Illustrationen sind colorierte Zeichnungen, die recht zart wirken und mit ihren teils verwirrenden Linien den Blick auch auf die unterschiedlichen Nebenerzählungen lenken. Die Hintergrundebenen füllen die Seiten nicht aus. Sie sind zum Teil zersplittert und durchbrochen und haben verschiedene Stellungen im Bildraum. Man betrachtet das Geschehen mal seitlich, mal von vorn und mal von oben oder unten, wie zum Beispiel ein spielendes, ein am Ast schaukelndes oder sich versteckendes Kind wahrnimmt. So entsteht ein Feuerwerk des bildnerischen Erzählens, was die Besonderheit der Geschichte noch verstärkt.