★★★★★
k.A.
27.05.2026
ean-shopping.de
Ein spannendes Abenteuer über die Wüste mit interessanten Charakteren und einer packenden Geschichte. Allerdings fand ich die Musik nicht ganz so beeindruckend wie die Erzählung.
In Band 1 ist die später leicht nervende Rechthaberei noch geringer ausgeprägt, Karl May schafft es noch, sich über sich selbst lustig zu machen. Kara Ben Nemsi reitet einen kleinen, halbwilden Berberhengst und seine Füße schleifen unwürdig fast am Boden. Nicht er missioniert, sondern er muss sich der Bekehrungsversuche des kleinen Halef erwehren.Als besonders köstlich habe ich den Dialog zwischen dem Diener Abrahim Mamurs und dem angeberischen Halef empfunden. Der beginnt damit, dass Kara Ben Nemsi durch die scheltende Stimme seines Dieners Halefs geweckt wird:"Was? Wie? Wen?""Den Effendi", antwortete es schüchtern."Den Effendi, den großen Herrn und Meister, willst du stören?""Ich muss ihn sprechen.""Was? Du musst? Jetzt in seinem Kef? Hat dir der Teufel - Allah beschütze mich vor ihm - den Kopf mit Nilschlamm gefüllt, dass du nicht begreifen kannst, was ein Effendi, ein Hekim zu bedeuten hat, ein Mann, den der Prophet mit Weisheit speist, so dass er alles kann, sogar die Toten lebendig machen, wenn sie ihm nur sagen, woran sie gestorben sind!"...Wenn das dem Autoren nicht selbst Spass gemacht hat!
Wirklich gutes Hörbuch.Möchte bei Hörbüchern sehr zurückhaltende Sprecher. Kein herumschreien, rufen usw. Und ich liebe Sodann als Sprecher. In seiner wunderbar zurückhaltenden Art gibt er jede Nuance von Karl Mays Geschichte wieder. Leider gibt es viel zu wenig Hörbücher von Ihm.Zum Autofahren sollte man vieleicht lieber Musik hören oder Hörspiele.
★★★★★
Hubertus C. Feldmann
10.04.2024
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An Karl May scheiden sich bekanntlich die Geister. Was für die einen zumindest erinnerungswert scheint, ist für andere minderwertige Literatur, bei der im Zweifelsfall die Heranwachsenden verführt und auf eine ungute Spur geführt werden. Beide Seiten lassen sich vermutlich kaum vom jeweiligen Gegenteil überzeugen. Aber gibt es auch etwas dazwischen?Wenn man diese Originalausgabe liest, mit all den ungewohnten Formulierungen und all der heute als fehlerhaft geltenden Rechtschreibung/Grammatik, so wird man zumindest als ehemalige Karl May-Fan in seine Jugendjahre zurückkatapultiert. Und da ist dieser Band 1 des Gesamtwerkes sicher besonders gut geeignet. Der Ritt durch die Wüste, die Bekehrungsversuche des kleinen Halef, die vielfältigen Auseinandersetzungen mit den unterschiedlichsten Gefahren, aber auch (oder gerade) die „bunten“ Beschreibungen von Landschaften und Menschen sind nach wie vor lesenswert – auch wenn vieles, aus dem zeitlichen Abstand betrachtet, heute sicher nicht mehr so verfasst worden wäre. Aber sei’s drum, die eigenständige Betrachtung erlaubt ja durchaus ein differenziertes Bild, ohne dass hierdurch der Text als Ganzes infrage gestellt werden müsste.Da diese Bände in einer film-/fernsehfreien Zeit geschrieben wurden, geraten die Personen- und Landschaftsbeschreibungen so intensiv, dass vor dem Auge der Leser*innen gleich ein passendes Bild erscheint und auch die geologischen bzw. geografischen Beschreibungen entsprechen dem Stand des Wissens jener Zeit: „Der Anblick dieser tückischen Flächen [Salzpfannen], unter denen der Tod lauert, erinnert an einzelnen Stellen an den bläulich schillernden Spiegel geschmolzenen Bleis. Die Kruste ist zuweilen hart und durchsichtig wie Flaschenglas und klingt bei jedem Schritt wie der Boden der Solfatara von Neapel; meist aber bilden sie eine weiche, breiige Masse, welche vollständig sicher zu sein scheint, aber doch nur so viel Festigkeit besitzt, um einen leichten Anflug von Sand zu tragen, bei jeder anderen Last aber unter derselben zu weichen, um sich über ihr wieder zu schließen.“Die oft wolkigen Dialoge (oft zweisprachig wiedergegeben), die teils komödienhaften Auseinandersetzungen sorgen für eine entspannte Unterhaltung und entführen zugleich in einen andere, in eine fremde Welt. Durchaus passende Metaphern sorgen zudem in ihrer entwaffnenden Eleganz für eine reiche (durchaus noch aktuelle) Vorstellungswelt: „Wer nicht beleidigen will, darf nicht stets sagen, was er denkt. Ein schwatzhafter Mann gleicht einem zerbrochenen Topfe, den Niemand brauchen kann, weil er nichts bewahrt.“Fazit: Mit dem nötigen Abstand können selbst heute noch die Karl May-Bücher zu einem fairen, ehrlichen und respektvollen Umgang miteinander beitragen.