Bis auf schreckliche Träume ist Losian nichts geblieben: Er hat mit seinen Gedächtnis sich selbst verloren. Ausgestoßen von den Menschen und verbannt lebt er mit einer Handvoll Sonderlinge in einer abgeschiedene Inselfestung. Als ihnen unverhofft eine Laune der Natur den Weg in die Freiheit ebnet, wagen die Gefährten den Ausbruch aus ihrem Gefängnis. Doch am Festland angekommen, beginnt die Suche nach einer Zukunft - und für Loisan die nach seiner Vergangenheit. Dabei trägt Loisan schwer an seiner Angst, dass seine schlimmsten Befürchtungen wahr sein könnten und er Schuld an den seit Jahrzehnten wütenden Krieg ist ...Es ist die Zeit der Anarchie und der endlose Machtkampf zwischen Kaiserin Maud und König Stephen hat das Land verwüstet und in Rechtlosigkeit versetzt. Die Gefährten von der Insel sind eine Ansammlung von misstrauisch beäugten Erscheinungen: Simon, der an der Fallsucht leidet; Wulfric und Godric, die zusammengewachsenen Zwillinge; Luke, der glaubt, dass in seinen Bauch eine Schlange wohnt; der zurückgebliebene Oswald, der Mörder Regy und nicht zuletzt King Edmund, der sich für den verstorbene Märtyrerkönig Edmund aus East Anglia hält. Auch wieder am Land sind sie aufgrund ihrer Gebrechen unerwünscht, doch sie alle nehmen es mit dem Abenteuer Freiheit auf. Schließlich findet Louisan sein Gedächtnis wieder und seine schlimmsten Befürchtungen scheinen wahr zu werden ...Das Buch ist in drei Teile unterteilt und diese trennen die Handlung zielsicher auf: Im ersten Teil geht es um die Gemeinschaft der Ausgestoßenen, was es mit ihnen auf sich hat, wie sie entkommen können und wie sie durch die Lande ziehen. Im zweiten Teil hat Loisan sein Gedächtnis wieder gefunden und muss sich mit seiner Vergangenheit auseinandersetzen. Im abschließenden dritten Teil kämpfen er und Simon für den ihrer Meinung nach rechtmäßigen Herrscher, diese Art der Erzählung ist auch aus den anderen Rebecca Gablé-Bücher bekannt. Leider fällt die Qualität des Buches mit jeden Teil ab - ist der erste Teil noch großartig und fasziniert durch die außergewöhnliche Reisegruppe, ist man im zweiten Teil über Alans Charakter und seine Ängste eher enttäuscht. Und der dritte Teil läuft unter "Gehört halt dazu", wirklich relevant für die Handlung ist er nicht. Die entscheidende Schwächen in diesem Buch: Die Helden sind sehr stark positiv gezeichnet und haben kaum negative Merkmale. Louisans Charakter ist zwar einer starken Wandlung unterworfen, aber unterliegt einen Cut durch den Gedächtnisverlust: Der alte Alan hatte oftmals fragwürdige Einstellungen, der neue Alan hingegen handelt fast immer edelmütig. Leider war mir Alan bei weiten nicht so sympathisch wie Louisan. Simon wirkt eher bemüht und seine spätere Heldenrolle künstlich integriert. Die Widersacher bleiben recht blass und harmlos, ihnen fehlt ein richtiges Innenleben. Ich hatte sogar mit fast allen Antagonisten ziemliches Mitleid und konnte Alan nicht wirklich als strahlenden Helden empfinden. Die bei Rebecca Gablé übliche Schwarz-Weiß-Zeichnung tritt dennoch hervor - nur leider bleiben die Protagonisten so ohne starke Gegenspieler. Einzig Regy bekommt einen vielschichtigen und spannenden Charakter, so dass man trotz seiner Gräueltaten Mitleid mit ihm hat. Berühmte Personen spielen wie immer eine Rolle in der Geschichte, dies betrifft vor allem den letzten Teil, aber geraten hier zur für die Handlung unbedeutenden Randnotiz. Der Handlungsfaden um den jüdischen Arzt eröffnet zwar interessante Einblicke in das jüdische Leben der damaligen Zeit, erscheint mir aber ziemlich unrealistisch. So muss als Fazit gesagt werden, dass der Anfang der beste Teil ist, danach geht es stetig bergab. Dennoch ist es fraglos ein unterhaltsames Buch mit interessanten historischen Details, wenn auch nicht ganz auf den normalen Niveau von Rebecca Gablé.Der Anfang ist wohltuend anders und gelungen, das Ende versinkt im üblichen Einerlei. Insgesamt kein schlechter Gablé - aber sicherlich auch nicht der Beste.4 Sterne