★★★★★
k.A.
09.06.2026
ean-shopping.de
Dieses Hörbuch ist absolut faszinierend und transportiert mich direkt in die mystische Welt von Miranda und ihren Monsterwesen, ich kann es kaum erwarten, die nächste Episode zu hören.
"Blutjung, schön, geheimnisvoll ....", so steht es auf dem Außencover der CD. Wer möchte ihr da nicht des Nachts im Mondenschein begegnen : MIRANDA ! Doch das toughe Girl ist nicht allein. Ihre vierköpfige "Monsterwelt" wird jeden Romantiker verschrecken, den Horrorfreund jedoch verzücken.Auch mich rief es mal wieder auf den Plan. Kurz vorangeschickt : Mitte der 1980er Jahre hatte ich als Schüler -- von Mathematik, Physik, Chemie verschreckt -- die John Sinclair- Hefte mit Begeisterung verschlungen. Später, im Jahr 2000, vermochte es diese, damals neu entstandene Hörspielserie meine Euphorie erneut zu entfachen. Bis zu Folge 104, "Die magische Bombe", war ich unentwegt am Ball geblieben. Dann sprang ich ab. Die meisten Folgen fand ich leider nicht mehr "magisch" oder "bombig". Ich vermisste das gewisse Etwas. Bis dahin war auch so einiges geschehen : Es gab einen Produzenten-, Erzähler- und auch Intro- Wechsel (Folgen 70, 71). Zur großen Jubiläumszahl 100 wechselte sogar der Sprecher von John Sinclair. Der charmant- gewitzte Frank Glaubrecht ging, der lässige Dietmar Wunder kam. Auch das Intro wurde noch einmal getauscht. Letzteres empfand ich als vorteilhaft.Nach diesen warmen Worten nun "zurück" ins Jahr 2019. Eine zumindest kleine Jubiläumszahl gibt es jetzt mit Folge 130 zu feiern. Auch ist das vorliegende Abenteuer wohltuend in sich abgeschlossen. Drum wollte ich es nach über drei langen Jahren Pause wieder mal riskieren. Vor unbändigem Grusel angespannt, schob ich mit zittrigen Fingern die tiefdunkle CD- Scheibe in den ebenso stockdunklen Schacht ........... und muss sagen : wie erwartet und erhofft, spielt das Label noch immer alte Stärken aus. Konkret : Das Hörspiel beginnt mit einem Paukenschlag bzw. einer ganzen Reihe aufwühlender Ereignisse. Danach folgt das Intro, das wie gesagt dritte der gesamten Serie. Es ist ähnlich ausgerichtet wie das erste und vermag die Spannungskurve noch einmal anzukurbeln.Die Erzählerin (Alexandra Lange) hingegen bremst die Handlung aus. Mit ihrer (bewusst) verlangsamten, gedehnten, ja zugleich doch schaurig- schönen Sprechweise wäre sie eine Hochkaräterin für Spuk- Geschichten. Für handlungsorientierte Geschichten wie "John Sinclair" passt sie nach meinem Spannungsempfinden jedoch leider nicht. Doch seit immerhin 60 Folgen ist sie nun ganz fest dabei. Puh, ich erinnere mich genau : Was gab es wegen ihr und auch des neuen Produzenten -- Dennis Ehrhardt war für Oliver Döring gekommen -- damals für gewaltiges Gezeter in plötzlich streng geteilten Fanlagern. Im Vergleich dazu war der Endkampf zwischen Dr. Tod und Asmodina ("Bring mir den Kopf von Asmodina") nur ein Fliegenschiss, ein harmloses Sandkastengeplänkel.Dietmar Wunder ist die Coolheit in Person und einer meiner Lieblingssprecher : "James Bond" seit 2006 ("Casino Royale) und jetzt und hier "John Sinclair" (seit Folge 101, Juni 2015). Manchmal aber agiert er für mich sogar einen Tick zu lässig. Sehr gut wiederum finde ich, wenn er zurückliegende Ereignisse zusammenfassen darf. Egal, ob sie mir bekannt sind oder nicht -- aha, den "Großen Alten" ging es endlich auf die Pelle -- so bekomme ich das Grundgefühl : Ich bin (wieder) in der Serie angekommen !Mit "Miranda" (Liza Ohm) hat John Sinclair eine wunderbare Gegenspielerin gefunden. Man höre und man staune : Wenn sie ihn siegesgewiss beim Vornamen nennen möchte, so antwortet er, der coole, sonst so flirtfreudige John : "Bleiben wir bei Mr. Sinclair."Desweiteren sind dabei : Martin May als Johns Gefährte Suko, sympathisch- munter wie seit Serienbeginn, und Ilya Welter als Sekretärin Glenda Perkins, ebenso kess wie eh und je. Sir James ist diesmal nicht dabei. Hoffentlich befindet er sich noch nicht im Ruhestand. Auch alle weiteren, ca. ein Dutzend Sprecher verkörpern ihre Rollen authentisch- gut. Dabei nicht zu vergessen, der jeweils kurz einschneidende Dauerbrenner Jürgen Holdorf. Seine Ansagen verleihen dem Geschehen stets einen dokumentarisch- glaubwürdigen Charakter und sorgen zusätzlich für Tempo und Brisanz.Was die Erzähltechnik betrifft, so droht Gefahr oft auf gleich mehreren parallelen Ebenen. "Ach, du Scheiße", stöhnt beispielsweise ein Sprecher. Unheimliche Sound- Effekte folgen. Doch die Situation bleibt vorerst angerissen, ungeklärt. Es erfolgt ein Szenenwechsel dorthin, wo ebenso mehr oder weniger das Grauen ausgebrochen ist. Der Hörer wird stets zum Mitdenken und Mithören gezwungen.Die eigentliche Haupthandlung besteht aus mehreren Wendungen und lässt sich nicht konkret vorausahnen. So ist Miranda gar nicht mal die einzige, die die unheilvollen Fäden zieht. Das eigentliche Finale ist grandios. Was sich da an Handlangern so tummelt -- ein Vampir, ein Werwolf, ein Zyklop, ein Zombie -- reicht durchaus für mehrere Folgen. Die vier illustren Burschen stehen übrigens auf dem CD- Frontcover gern zu unserer Ansicht bereit.Zur Technik : Erfreulicherweise variiert die Lautstärke nicht mehr so schamlos übertrieben wie in zurückliegenden Folgen 71 ff. Da verirrte sich so manches Patschehändchen am Mischpult zu weit in den Extremen. Der gefürchtete "Hallo Wach"- Effekt stellt sich jetzt fast nur noch beim Intro und auch gegen Hörspielende ein. Als Einschlafhilfe ist John Sinclair also nach wie vor natürlich nicht geeignet.Was mir weiterhin noch auffiel : Greueltaten der Monster werden nicht so ausführlich- ausufernd beschrieben. Dies zumindest ist für mich ein genereller Pluspunkt gegenüber den frühen Folgen 1- 70. Andererseits bereitete es damals eine große Pracht und Freude, wie Joachim Kerzel sich da förmlich austobte.Tja, alles in allem empfehle ich es überhaupt nicht, der hübschen Miranda in den Mondenschein zu folgen. Es ist zu gefährlich. Stattdessen rege ich an, das Hörspiel aufzulegen, vorzugsweise bei Vollmond, wenn es schaurig in den Dielen knarzt. Und zur Bewertung : Am Sternenhimmel erblicke ich vier dämonisch hellgrell funkelnde Sterne; der fünfte musste wegen der stockend- schleppenden Erzählweise verglühen. Mein endgültiges Fazit : Ich bin noch nicht begeistert, aber beeindruckt.