★★★★★
Aleshanee @ Weltenwanderer
28.06.2023
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Auch wenn ich insgesamt den ersten Band spannender fand, finde ich auch den zweiten Teil wieder sehr gelungen. Manchmal taucht es etwas zu sehr ins Technische ab, was sich aber schwer vermeiden lässt in dieser Zukunft voll technischer Entwicklungen. Und in diesem Punkt hat sich der Autor wirklich eine Menge einfallen lassen. Viele Ideen kennt man natürlich schon, aber gerade was die Künstliche Intelligenz betrifft und auch einige kleine Details im Leben der Menschen fand ich schon sehr genial.Im zweiten Band jetzt folgen wir der / dem UNANPAI Angestellten Fran, der ja gerne mal sein Gefäß und damit auch sein Geschlecht wechselt. Da er meist als Mann auftritt bleibe ich einfachheitshalber beim "er".Nach dem spektakulären Turing Zwischenfall aus Band 1 muss er sich jetzt einem neuen Fall widmen. Ein Journalist wurde angeschossen, wahrscheinlich wegen dem, was er in den letzten Wochen aufgestöbert hat - das Problem ist nur, dass dem Journalisten sein Back-Up hochgeladen wurde, das mehrere Wochen alt ist. Somit ist alles aus seinem Gedächtnis gelöscht, was er in letzter Zeit nach dem Back-Up getrieben hat.Fran lässt sich aber natürlich nicht aufhalten und kommt einigen interessanten Machenschaften auf die Spur.Außerdem lernen wir Clifford kennen. Einen stinkreichen Mogul, der größtes Interesse an Künstlicher Intelligen sowie an dem Descartes Hack hat. Letzteres dient dazu, sein Leben unendlich zu verlängern.Wie oben schon erwähnt können Menschen ihr Gehirn sozusagen in Daten verwandeln, ein sogenanntes Cogit. Dieses Cogit kann man in Gefäße hochladen, technisch konzipierte Körper menschlicher Art unterschiedlichen Aussehens und Geschlechts. Doch nach 21 Tagen muss man wieder in seinen Stammkörper zurück, da sonst ein Brain-Crash bevorsteht: man stirbt. Könnte man dieses Problem allerdings umgehen, mit einem Descartes Hack, wäre ein unendlicher Upload möglich.So hab ich das zumindest verstanden. Ergo: Unsterblichkeit.Ebenfalls von der Partie ist Persia. Ihre Leidenschaft ist das Holo Gaming. Also dass was wir jetzt als PC Spiele kennen erlebt sie in "echt". Mehr oder weniger. Sie ist tatsächlich in einem holografisch entwickelten Spiel, dem allerdings noch Grenzen gesetzt sind.Wie das alles zusammenhängt zeigt sich nur nach und nach. Ich bin wieder sehr erstaunt, wie genial der Autor diese Einzelteile in Relation zueinander bringt und und logisch aufbaut. Man sollte auf jeden Fall erst "Hologrammatica" lesen, denn ich denke, dass man sonst manche Hintergründe nicht versteht. Auch die kleinen Anspielungen auf gewisse Momente im ersten Band fand ich amüsant und aufschlussreich!Der Epilog klärt dann so einiges auf und war für mich ein sehr genialer Abschluss - obwohl hier auch wieder einiges offen bleibt und Spielraum lässt für eine weitere Fortsetzung. Über die ich mich wirklich sehr freuen würde!Für technik begeisterte Science Fiction Fans auf jeden Fall absolut lesenwert!Im Glossar am Ende des Buches findet man übrigens alle relevanten technischen Begriffe nochmal kurz erklärt.
★★★★★
Dr. Tobias Kallfell
28.06.2023
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Der Thriller „Qube“ von Tom Hillenbrand ist die Fortsetzung von dem sehr lesenswerten ersten Teil „Hologrammatica“. Allerdings entfaltet „Qube“ leider keine solche Sogwirkung beim Lesen und wird zudem ziemlich verschachtelt erzählt, weil fünf Handlungsstränge miteinander verschränkt werden, was zahlreiche Perspektivwechsel zur Folge hat. Dies gestaltet die Lektüre recht anspruchsvoll. Etwas schade fand ich auch, dass die Hauptprotagonisten aus dem ersten Teil, Galahad Singh und Juliette Perotte, nur kurz am Rande erwähnt werden, ohne als handelnde Figuren aufzutreten. Nach meiner Einschätzung empfiehlt es sich, den ersten Teil bereits gelesen zu haben, um schneller einen Einstieg in die komplex gestaltete Zukunftsvision zu finden. „Qube“ scheint eine Art Zwischenband zu sein, ich vermute, dass noch mindestens eine weitere Fortsetzung folgt. Doch nun zum Inhalt.Der erste Handlungsstrang ist der um Calvary Doyle, einen Investigativjournalisten, der auf offener Straße umgebracht wird und daraufhin als Quant mit Gedächtnislücken wiederaufersteht. Er war dabei, zum Thema Künstliche Intelligenz zu recherchieren und hat eine heiße Spur entdeckt, die ihm das Leben gekostet hat. Nach seiner Konversion versucht er die Rechercheergebnisse der letzten Wochen zu rekonstruieren. In einem weiteren Handlungsstrang steht UNO-Agentin Fran Bittner im Zentrum, die auf KI-Gefahrenabwehr spezialisiert ist, und Doyle beschatten soll. Sie macht schon bald eine äußerst brisante Entdeckung im All. Eine weitere Hauptfigur, von der parallel erzählt wird, ist Clifford Torus, ein reicher Industrieller, der das sog. Descartes-Rätsel lösen will, damit sich Quants länger als nur drei Wochen außerhalb ihres Stammkörpers in einem Gefäß aufhalten können. Sollte er Erfolg haben, ließe sich der Tod überlisten. Clifford schreckt vor nichts zurück, um der Lösung näherzukommen. Eine weitere Parallelhandlung ist die um die Gamerin Persia und ihrem Gamer-Freund Jay. Sie nimmt in äußerst realistischen Holo-Simulationen an diversen Turnieren teil, blickt auf eine erfolgreiche Spielerkarriere zurück, leidet aber gerade unter einem Formtief. Sie erhält aber plötzlich die Chance, an einem sog. Ludorama-Turnier teilzunehmen, bei dem eine nahezu perfekte holographische Kampfspiel-Arena simuliert wird. Nicht zuletzt begleiten wir in einem weiteren, äußerst mysteriös gestalteten Erzählstrang den Auserwählten Franek und seine Begleiterin Marya auf ihrer Reise in das Königreich des blauen Zauberers, um diesem eine Botschaft des gelben Zauberers zu überbringen.[AB HIER SPOILERWARNUNG] Insgesamt reicht der Roman leider nicht an den ersten großartigen Teil heran, was verschiedene Gründe hat. Ein Grund ist, dass der Autor es meiner Meinung nach leider nicht schafft, die fünf erwähnten Handlungsstränge so miteinander zu verbinden, dass klar wird, wie genau sie nun eigentlich zusammenhängen. Einerseits tritt die Handlung um Calvary Doyle im Laufe des Buchs total in den Hintergrund und spielt dann gar keine Rolle mehr, andererseits bleiben für mich zu viele Hintergründe zu Clifford Torus unerwähnt, die wichtig wären, um sein Handeln besser zu verstehen. Wie ist er z.B. an den gelben Würfel gelangt? Was es mit Franek und Marya auf sich hat, bleibt völlig im Dunkeln. Ich hatte zwar während des Lesens mehrere Vermutungen, was es mit den beiden auf sich hat, doch konnte ich sie weder verifizieren noch falsifizieren, weil das Gelesene zu wenig eindeutige Informationen und zu wenig Kontext bot. Wann und wo soll z.B. diese Handlung spielen? Ich hatte das Gefühl, als wäre der Roman auf der einen Seite stellenweise überfrachtet und als könnte der Autor auf der anderen Seite seinen eigenen Ansprüchen nicht gerecht werden. War „Hologrammatica“ noch eine echte Offenbarung und konnte eine Sogwirkung, vor allem gegen Ende, entfalten, kann man dies von „Qube“ nicht behaupten. Insbesondere die Idee des Ludorama konnte mich nicht genügend mitreißen. Mir bleibt auch zu viel am Ende offen. So bleiben die Pläne der KI für mich zu nebulös, das Rätsel um den Lichtdom sowie die Hardlights und um den Verbleib von Galahad Singh bleibt ungelöst. Auch bleibt unklar, was aus Perrotte geworden ist. Die einzige Erklärung, die ich für die Konzeption dieses Romans in dieser Form habe, ist, dass der Autor noch mindestens einen weiteren Teil plant, in dem die vielen rätselhaften Dinge genauer aufgeklärt werden. Aufgrund meiner hohen Erwartungshaltung war ich von „Qube“ doch recht enttäuscht.Fazit: Eine mittelprächtige Fortsetzung von „Hologrammatica“, erneut mit vielen kreativen Ideen, was die futuristische Welt betrifft, doch leider dieses Mal ohne echte Sogwirkung und mit zu vielen offenen Fragen am Schluss.