Der ehemalige kuk-Offizier und königliche Hofjagd-Direktor August Roland von Spiess schildert seine ergreifendsten Erlebnise aus 40 Jahren Jagd in den rumänischen Karpaten. Vieles von dem, was er dabei zum Ausdruck bringt, erscheint uns Heutigen unverständlich. Wie kann jemand damit angeben, so und soviel Wild in einer einzigen Jagdsaison zur Strecke gebracht zu haben? Schwingt da nicht auch eine elitäre Altherren-Mentalität mit?Vergessen wir jedoch nicht, dass wir den guten alten Oberst in eine längst untergegangene Welt begleiten, in der es noch regelrechte Urwälder in den Karpaten gab-wohl die letzten ihrer Art in Europa. Damals herrschte noch ein Wildreichtum, der anderswo bereits unvorstellbar schien. Zwar streifen auch heute noch Wölfe, Bären und kapitale Hirsche durch die karpatischen Wälder, die Urwälder sind aber zum größten Teil verschwunden, schuld daran sind der Massentourismus und die ungehemmte Profitgier mancher Holzbarone. Ausserdem war der Schutz des Wildes schon in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts großgeschrieben, dazu leistete der Hofjagd-Direktor ebenfalls seinen Beitrag. Kapitale Hirsche, Bären oder Gamsböcke waren somit ein Zeichen gesunder Natur. Und wenn dem alten Jäger die Freude an kapitalen Trophäen nicht abzusprechen ist, so unterscheidet er sich dennoch von manchen "Rekordschützen", zu denen auch einige seiner Zeitgenossen zählten (z.B. der österreichische Kronprinz Franz Ferdinand oder der ehemalige US-Präsident Theodore Roosevelt, der nach Ende seiner Amtszeit in Afrika massenweise Großwild dahinmetzelte).August Roland von Spiess lebt die Jagd mit allen Sinnen, auch wenn sie meistens mühsam und nicht ungefährlich war, und betet die Schönheit der Karpaten geradezu an. Begleiten wir ihn also in eine Welt, die von der der heutigen Karpaten so weit entfernt ist wie Mittelerde vom (heutigen) Schwarzwald, und lassen wir uns von seinen Jagderlebnissen faszinieren.