★★★★★
k.A.
21.08.2026
ean-shopping.de
Dieses Buch ist ein wahrer Schatz für alle Kunstliebhaber und bietet eine atemberaubende Zusammenstellung der Kunst der Renaissance. Die hochwertigen Bilder und Informationen sind hervorragend aufbereitet und begeistern sofort.
Die Wiege der Renaissance steht in Florenz, daran zweifelt kein Kunsthistoriker. Geboren aus einer idealen Konstellation aus politischem Umfeld, merkantiler Macht und geisteswissenschaftlichen Entwicklungen war die Stadt der ideale Brutkasten, auch wenn niemand den Zündfunken auf ein einziges Ereignis oder ein einzelnes Kunstwerk reduzieren kann. Und so beginnt Norbert Wolf seine Darstellung auch im Trecento, also fast 100 Jahre vor der eigentlichen „Wiedergeburt“. Auch räumt er mit dem Irrtum auf, die Renaissance hätte sich künstlerisch nur auf die vergessene Antike (rück)bezogen, indem er belegt, dass die Faszination für das Römische Reich niemals wirklich abgerissen ist. Das „Heilige Römische Reich“ war ein sehr langlebiges Konstrukt und in Rom gab es bereits vor der Renaissance einen regen Antikentourismus. Dennoch gibt es künstlerische und geisteswissenschaftliche Protagonisten, die Norbert Wolf mit ihren Schlüsselwerken vorstellt, wobei er sie eben nicht isoliert betrachtet, sondern in den gesellschaftlichen und ggf. auch politischen Kontext bringt. Er ist ein brillanter Stilist, dem es gelingt, mit bemerkenswerter Informationsdichte zu formulieren, ohne dass es den Leser inhaltlich überfordert oder die Zusammenhänge überfrachtet werden. Die Argumentationslinie bleibt glasklar erhalten und Wolfs Lust an der treffenden Formulierung macht die Lektüre zu einem sehr erhellenden Erlebnis.Der Schwerpunkt liegt tatsächlich auf Florenz, auch wenn die Städte Rom und Venedig ebenfalls beleuchtet werden. Die beiden letztgenannten treten mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung aus dem Schatten, wobei sie dann in der Spätrenaissance Florenz den Rang ablaufen. Die päpstlichen Bauvorhaben machen Rom zu einem Zentrum der Kunst und Venedigs Wirtschaftsmacht verstärkt den Effekt privater Initiativen, der für die Renaissance so charakteristisch ist.Die Abbildungen sind dank des Folioformats und gestochen scharfer Auflösung in jeder Hinsicht eine Augenweide. Alle Schlüsselwerke, die in einschlägigen Darstellungen der Kunstgeschichte auftauchen, sind hier zu finden und darüber hinaus noch viele weitere Beispiele, die die Beziehungen der Künstler und ihrer Auftraggeber untereinander belegen. Es ist ein Netzwerk, das über die einzelnen Städte hinausgeht, basierend auf Konkurrenz und Machtkalkül, oft genug auch auf Eitelkeit. Norbert Wolf hat ein geschicktes Händchen, diese Verknüpfungen sichtbar zu machen und mit interessanten Hintergrundinformationen zu füllen. So lernt man nicht nur einzelne Stilistiken oder Techniken kennen (Stichwort Zentralperspektive), sondern auch „Handschriften“ von Künstlern wie Botticelli, Michelangelo oder Raffael, die Triebfedern der Renaissance.„Die Städte der Renaissance“ zeichnet das Bild einer Entwicklung, die damals thematisch in der Luft lag, aber einen Funken brauchte, um zum Leben zu erwachen. Diesen Geistesblitz (und seine Folgen) kann der Leser dank der spannenden Darstellung und prächtiger Illustrationen in vielen Details nachvollziehen, wobei die Auswahl der Fotos insbesondere bei der Innenarchitektur großen Wert darauf legt, auch den gesamten Raumeindruck wiederzugeben.(Dieses Buch wurde mir vom Verlag kostenfrei zur Verfügung gestellt. Auf meine Rezension wurde kein Einfluss genommen, der Inhalt stellt meine persönliche Meinung dar.)